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Papst Franziskus bei der Generalaudienz Papst Franziskus bei der Generalaudienz  (ANSA)

Im Wortlaut: Generalaudienz des Papstes über Maria, Frau des Gebets

Wir dokumentieren hier in einer vorläufigen Arbeitsübersetzung die Katechese, die Papst Franziskus am 18. November bei der Generalaudienz über Maria als Frau des Gebets gehalten hat.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Auf unserem Weg der Katechese über das Gebet begegnen wir heute der Jungfrau Maria als Frau des Gebets. Maria betete. Als die Welt sie noch nicht kennt, als sie ein einfaches Mädchen ist, das mit einem Mann aus dem Hause David verlobt ist, betet Maria. Wir können uns das junge Mädchen von Nazareth vorstellen, das sich in Stille versammelt, im dauernden Zwiegespräch mit Gott, der ihr bald ihre Sendung anvertrauen wird. Sie ist bereits voller Gnade und unbefleckt von mihrer eigenen Empfängnis an, aber sie weiß noch nichts über ihre überraschende und außergewöhnliche Berufung und die stürmischen Wasser, auf denen sie segeln muss. Eines ist sicher: Maria gehört zu der großen Schar jener demütigen Herzen, die amtliche Geschichtsschreiber nicht in ihre Bücher aufnehmen, mit denen Gott aber das Kommen seines Sohnes vorbereitet hat.

„Maria lenkt ihr Leben nicht allein“

Maria lenkt ihr Leben nicht allein: Sie wartet darauf, dass Gott die Zügel in die Hand nimmt und sie dorthin führt, wohin er will. Sie ist gefügig, und mit dieser Verfügbarkeit bereitet sie die großen Ereignisse vor, die Gott in der Welt betreffen. Der Katechismus erinnert uns an ihre ständige und fürsorgliche Gegenwart im wohlwollenden Plan des Vaters und während des ganzen Lebens (vgl. KKK, 2617-2618).

Generalaudienz von Papst Franziskus - mit Kommentar in deutscher Sprache

Maria ist gerade im Gebet, als der Erzengel Gabriel kommt, um ihr in Nazareth die Verkündigung zu bringen. Ihrem „Hier bin ich", klein und unendlich groß, das in diesem Augenblick die ganze Schöpfung vor Freude hüpfen lässt, waren in der Heilsgeschichte so viele andere "Hier bin ich" vorausgegangen, so viele weitere Akte des vertrauenden Gehorsams, so viel Offenheit für Gottes Willen. Es gibt keine bessere Art zu beten, als sich selbst wie Maria in eine Haltung der Offenheit zu versetzen, ein offenes Herz für Gott: „Herr, was Du willst, wann Du willst und wie Du willst". Das Herz offen für den Willen Gottes. Und Gott antwortet immer! Wie viele Gläubige leben ihr Gebet auf diese Weise! Die, die demütigen Herzens sind, beten so - mit der wesentlichen Demut sozusagen, mit einfacher Demut. Herr, was Du willst, wann Du willst und wie Du willst! So beten sie und werden nicht zornig, weil die Tage voller Probleme sind, sondern gehen der Realität entgegen und wissen, dass wir in demütiger Liebe, die uns in jeder Lebenslage geschenkt ist, zu Werkzeugen der Gnade Gottes werden.

Herr, was Du willst, wann Du willst und wie Du willst... Ein einfaches Gebet, aber damit legen wir unser Leben in die Hände Gottes, damit Er es lenke. Alle können wir so beten, fast wortlos. Es ist leicht: Herr, was Du willst, wann Du willst und wie Du willst.

„Dem Gebet gelingt es, Ängste zu überwinden und sie in Verfügbarkeit umzuwandeln“

Dem Gebet gelingt es, Ängste zu überwinden - wir sind ängstlich, immer wollen wir die Dinge, noch bevor wir darum gebeten haben, sofort, sofort! Aber so ist das Leben nicht. Diese Angst tut uns nicht gut, und dem Gebet gelingt es, die Ängste zu überwinden und sie in Verfügbarkeit umzuwandeln. Der Jungfrau Maria ist es gelungen, in diesen wenigen Augenblicken der Verkündigung die Angst zurückzuweisen, obwohl sie voraussah, dass ihr „Ja" sie einer wirklich harten Prüfung unterziehen würde. Wenn wir im Gebet verstehen, dass jeder von Gott gegebene Tag eine Berufung ist, dann lasst uns unsere Herzen weiten und alles willkommen heißen. Wir lernen zu sagen: „Was immer du willst, Herr. Versprich mir einfach, dass du bei jedem Schritt des Weges anwesend sein wirst".

Das ist das Wichtige: den Herrn um seine Anwesenheit bei jedem Schritt unseres Weges bitten. Dass er uns nicht alleinlasse, dass er uns in der Versuchung nicht im Stich lasse, dass er uns nicht im Stich lasse in den häßlichen Momenten. Das ist das Ende des Vaterunsers: die Bitte, von der Jesus selbst uns gelehrt hat, dass wir sie an den Herrn richten sollen.

Maria begleitet im Gebet das ganze Leben Jesu bis zum Tod und zur Auferstehung; und am Ende macht sie weiter und begleitet sie die ersten Schritte der entstehenden Kirche (vgl. Apg 1,14). Sie betet mit den Jüngern, die den Skandal des Kreuzes durchlebt haben. Sie betet mit Petrus, der vor Angst zusammenbricht und aus Reue weint. Maria ist da, unter den Jüngern, unter den Männern und Frauen, die ihr Sohn berufen hat, seine Gemeinde zu bilden. Maria ist nicht die Priesterin unter ihnen, nein! Sie ist die Mutter Jesu, die mit ihnen in Gemeinschaft betet, als eine Frau aus der Gemeinschaft. Sie betet mit ihnen und für sie. Und wieder geht ihr Gebet der Zukunft voraus, die sich an ihr erfüllt: Durch die Kraft des Heiligen Geistes ist sie Mutter Gottes geworden, und durch die Kraft des Heiligen Geistes wird sie Mutter der Kirche.

Indem sie mit der entstehenden Kirche betet, wird sie Mutter der Kirche, begleitet sie die Jünger auf den ersten Schritten der Kirche. Im Gebet, beim Warten auf den Heiligen Geist, und dann bei den ersten Schritten - in der Stille, immer in der Stille. Mariens Gebet ist still. (...) Ihre Präsenz ist immer ein Gebet, und sie ist im Gebet präsent unter den Jüngern des Abendmahlssaals, beim Warten auf den Heiligen Geist. So gebiert Maria die Kirche, sie ist Mutter der Kirche! Der Katechismus erklärt: „Im Glauben seiner demütigen Magd findet die Gabe Gottes die Aufnahme, auf die sie seit dem Anfang der Zeiten wartete“ (Katechismus, 2617).

„Durch die Kraft des Heiligen Geistes ist sie Mutter Gottes geworden, und durch die Kraft des Heiligen Geistes wird sie Mutter der Kirche“

In der Jungfrau Maria wird die naturhafte weibliche Intuition durch ihre einzigartige Vereinigung mit Gott im Gebet erhöht. Aus diesem Grund stellen wir beim Lesen des Evangeliums fest, dass sie manchmal zu verschwinden scheint, nur um in entscheidenden Momenten wieder aufzutauchen: Maria ist offen für die Stimme Gottes, die ihr Herz leitet, die ihre Schritte dorthin leitet, wo ihre Gegenwart gebraucht wird. Stille Präsenz der Mutter und der Jüngern... Maria ist präsent, weil sie Mutter ist, aber auch, weil sie die erste Jüngerin ist, die die Dinge Jesu am besten gelernt hat. (...) 

„Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen" (Lk 2,19). So stellt der Evangelist Lukas die Mutter des Herrn im Evangelium der Kindheit dar. Alles, was um sie herum geschieht, spiegelt sich schließlich in den Tiefen ihres Herzens wider: Tage voller Freude, wie die dunkelsten Momente, in denen auch sie darum ringt, die Wege zu verstehen, die die Erlösung gehen muss. Alles landet in ihrem Herzen, so dass es durch das Gebet durchleuchtet und von ihm umgeformt werden kann. Ob es die Gaben der Heiligen Drei Könige sind oder die Flucht nach Ägypten, bis zu jenem gewaltigen Freitag der Leidenschaft: alles bewahrt die Mutter und bringt es in ihren Dialog mit Gott ein. Jemand hat Marias Herz mit einer Perle von unvergleichlichem Glanz verglichen, gestaltet und blank poliert durch die geduldige Aufnahme des Willens Gottes durch die im Gebet meditierten Geheimnisse Jesu.

Wie schön, wenn auch wir unserer Mutter ein wenig ähneln könnten! Mit offenem Herzen für das Wort Gottes, mit stillem, gehorsamem Herzen. Mit einem Herzen, dass das Wort Gottes aufzunehmen weiß und das es wachsen lässt wie einen Samen des Guten der Kirche. Danke!

(vatican news)

18 November 2020, 08:06