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Papst Franziskus beim Angelus an diesem Sonntag Papst Franziskus beim Angelus an diesem Sonntag  (Vatican Media)

Die Katechese des Papstes beim Mittagsgebet im Wortlaut

Vatican News dokumentiert an dieser Stelle die Katechese des Papstes beim Mittagsgebet im Wortlaut in einer Arbeitsübersetzung. Wie gewohnt können Sie die offizielle endgültige Übersetzung in Kürze auf www.vatican.va finden.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Im Gleichnis, das wir im heutigen Evangelium lesen, dem des barmherzigen Königs (vgl. Mt 18,21-35), finden wir zweimal diese Bitte: "Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen" (Vv 26,29). Das erste Mal spricht es der Knecht aus, der seinem Herrn zehntausend Talente schuldet, eine enorme Summe. Das wären heute Abermillionen Euro! Das zweite Mal wird es von einem anderen Knecht desselben Herrn wiederholt. Auch er steht in der Schuld, nicht bei seinem Herrn, sondern bei demselben Knecht, der diese enorme Schuld trägt. Und seine Schuld ist winzig. Sie entspricht vielleicht einem Wochenlohn. 

Das Herzstück des Gleichnisses ist die Nachsicht, die der Herr dem Knecht mit der größeren Schuld gegenüber erweist. Der Evangelist unterstreicht es: "Der Herr des Knechtes hatte Mitleid, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld". (v. 27). Vergesst nicht dieses Wort, das Jesu eigen ist: Er hatte Mitleid... Jesus hatte immer Mileid. Eine riesige Schuld, also ein riesiger Erlass! Aber dieser Knecht zeigt sich unmittelbar danach erbarmungslos gegenüber seinem Kollegen, der ihm eine bescheidene Summe schuldet. Er hört ihn nicht an, wettert gegen ihn und lässt ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt hat, diese kleine Schuld (V. 30). Der Herr hört davon und ruft empört den bösen Knecht zurück und lässt ihn verurteilen (vgl. V. 32-34): "Ich habe dir so viel gestundet und du bist nicht in der Lage, das bisschen zu vergeben?"

Im Gleichnis finden wir zwei verschiedene Haltungen: die Haltung Gottes - repräsentiert durch den König - der viel vergibt, den Gott vergibt immer, und die des Menschen. In der göttlichen Haltung ist die Gerechtigkeit von Barmherzigkeit durchdrungen, während die menschliche Haltung sich auf die Gerechtigkeit beschränkt. Jesus mahnt uns, uns mutig der Kraft der Vergebung zu öffnen, denn nicht alles im Leben wird durch Gerechtigkeit gelöst. Es bedarf dieser barmherzigen Liebe, die auch die Grundlage für die Antwort des Herrn auf die Frage des Petrus ist, die dem Gleichnis vorausgeht: "Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt?" (v. 21). Und Jesus antwortete ihm: "Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal." (V. 22). In der symbolischen Sprache der Bibel bedeutet dies, dass wir aufgerufen sind, immer zu vergeben!

Wie viel Leid, wie viele Verletzungen, wie viele Kriege könnten vermieden werden, wenn Vergebung und Barmherzigkeit der Stil unseres Lebens wären! Auch in der Familie! Wie viele Familien sind gespalten, die sich nicht vergeben können, wie viele Brüder und Schwestern tragen diesen Groll in sich... Es ist notwendig, die barmherzige Liebe auf alle menschlichen Beziehungen anzuwenden: zwischen Ehepartnern, zwischen Eltern und Kindern, innerhalb unserer Gemeinschaften, in der Kirche und auch in Gesellschaft und Politik.

Heute morgen, während ich die Messe feierte, habe ich innegehalten, ich war durch einen Satz der ersten Lesung aus dem Buch Jesus Sirach berührt. Der Satz sagt dies: Denk an das Ende, lass ab von der Feindschaft. Ein schöner Satz! Denk an das Ende. Denk daran, dass du in einer Bahre liegen wirst... und du willst den Hass dorthin mittragen? Denk an das Ende, lass ab von der Feindschaft. Hör auf mit dem Hass, mit dem Groll. Denken wir an diesen berührenden Satz: Denk an das Ende, lass ab von der Feindschaft.

Es ist nicht einfach, zu vergeben, denn in ruhigen Momenten sagt man sich, ja, dieser hier hat sich wirklich einiges mir gegenüber geleistet. Aber auch ich habe das getan. Besser zu vergeben, um Vergebung zu erhalten. Aber dan kommt der Groll wieder, wie eine lästige Fliege im Sommer die immer wieder kommt... Vergeben ist nicht nur eine Sache des Augenblicks, es ist eine ständige Angelegenheit gegen diesen Groll, diesen Hass, der wiederkommt. Denken wir an das Ende, lassen wir ab von der Feindschaft.

Das heutige Gleichnis hilft uns, die Bedeutung dieses Satzes, den wir im Gebet des Vater Unsers sagen, voll zu erfassen: "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern" (Mt 6,12). Diese Worte enthalten eine entscheidende Wahrheit. Wir können nicht für uns Gottes Vergebung erwarten, wenn wir nicht auch unsererseits unserem Nächsten Vergebung gewähren. Das ist eine Bedingung. Denk an das Ende, an die Vergebung Gottes, und höre auf, zu hassen. Scheuch den Groll fort, diese lästige Fliege, die immer wieder kommt. Wenn wir uns nicht bemühen zu vergeben und zu lieben, wird auch uns nicht vergeben und werden auch wir nicht geliebt werden. 

Vertrauen wir uns der mütterlichen Fürsprache der Mutter Gottes an: Sie möge uns helfen, uns bewusst zu machen, wie viel wir Gott schulden, und uns immer daran zu erinnern, damit unsere Herzen offen sind für Barmherzigkeit und Güte.

(vatican news - melanie rosenbaum/cs)

13 September 2020, 10:34