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Papst Franziskus beim Angelusgebet an diesem Sonntag Papst Franziskus beim Angelusgebet an diesem Sonntag  (ANSA)

Im Wortlaut: Papst Franziskus beim Angelus am Sonntag

Hier finden Sie die Ansprache, die Papst Franziskus beim Angelusgebet an diesem Sonntag gehalten hat, in einer Arbeitsübersetzung von Radio Vatikan.

Den offiziellen Text finden Sie in Kürze auf der Homepage des Vatikans.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Im Evangelium von diesem Sonntag (vgl. Mt 13,1-23) erzählt Jesus einer großen Menge Volkes das Gleichnis vom Sämann, dessen Saat auf vier verschiedene Arten von Böden fällt. Das Wort Gottes – versinnbildlicht durch die Samenkörner – ist kein abstraktes Wort, sondern Christus selbst: das Wort des Vaters, das im Schoß Mariens Fleisch geworden ist. Deshalb bedeutet die Annahme des Wortes Gottes ja auch Annahme der Person Christi.

Wege zum Wort Gottes

Es gibt verschiedene Weisen, das Wort Gottes zu empfangen. Wir können wie der Weg sein, der sofort die Vögel anlockt, die die Samen fressen. Damit ist die Ablenkung gemeint: eine große Gefahr unserer Zeit. Bei so viel Gerede, so vielen Ideologien, so vielen Möglichkeiten der Zerstreuung inner- und außerhalb unseres Zuhauses, kann man die Lust am Schweigen, an der Sammlung, am Dialog mit dem Herrn schnell verlieren – bis man sogar Gefahr läuft, den Glauben zu verlieren, das Wort Gottes nicht mehr anzunehmen. Wir sind von so vielen weltlichen Dingen abgelenkt...

„Bei so viel Gerede, so vielen Ideologien, so vielen Möglichkeiten der Zerstreuung inner- und außerhalb unseres Zuhauses, kann man die Lust am Schweigen, an der Sammlung, am Dialog mit dem Herrn schnell verlieren“

Wir können das Wort Gottes aber auch wie ein felsiger Boden mit wenig Erde aufnehmen. Dort geht der Same zwar sofort auf, aber er verdorrt auch schnell, weil das Erdreich nicht tief ist und der Same keine Wurzeln schlagen kann. Dieses Bild steht für jene, die das Wort Gottes mit einem momentanen Enthusiasmus hören, der aber oberflächlich bleibt, das Wort Gottes nicht in sich aufnimmt. Und dann passiert es, dass sich der noch schwache Glaube schon bei der ersten Schwierigkeit, dem ersten Leid, der ersten Verwirrung verflüchtigt – genauso wie der Same, der verdorrt, wenn er zwischen die Steine fällt.

Und wir können - eine dritte Möglichkeit - das Wort Gottes wie ein Boden aufnehmen, auf dem dorniges Gebüsch wächst. Die Dornen gaukeln uns Reichtum und Erfolg vor, stehen für weltliche Belange... Dort wächst das Wort Gottes zwar ein bisschen, wird dann aber erstickt, und die Saat bringt keine Frucht.

Und schließlich die vierte Möglichkeit: wir können das Wort Gottes auch aufnehmen, wie es der gute Boden tut. Dort, und nur dort, schlägt der Same Wurzeln und bringt Frucht. Der Same, der auf diesen fruchtbaren Boden gefallen ist, steht für diejenigen, die das Wort hören, es aufnehmen, in ihrem Herzen bewahren und im Alltag in die Tat umsetzen.

Die „Mutter“ aller Gleichnisse

Das Gleichnis vom Sämann ist ein bisschen die „Mutter“ aller Gleichnisse, weil es vom Hören des Wortes erzählt. Es erinnert uns daran, dass das Wort Gottes ein Samenkorn ist, das schon in sich selbst fruchtbar und wirksam ist. Und Gott streut es überall mit Großzügigkeit aus, ohne Rücksicht auf Verschwendung. So ist das Herz Gottes! Jeder von uns ist ein Boden, auf den der Same des Wortes fällt, niemand wird ausgeschlossen! Das Wort Gottes wird jedem von uns gegeben.

„Jeder von uns ist ein Boden, auf den der Same des Wortes fällt, niemand wird ausgeschlossen!“

Wir können uns fragen: Was für eine Art Boden bin ich? Bin ich so wie der Weg, bin ich wie der felsige Boden – oder wie der Dornbusch? Wir müssen es nur wollen, dann können auch wir mit der Gnade Gottes guter Boden werden. Ein Boden, der mit Sorgfalt bestellt und bewirtschaftet wird, um den Samen des Wortes reifen zu lassen. In unseren Herzen ist dieser Same bereits vorhanden: ob er aber Frucht trägt, hängt von uns ab; es hängt davon ab, wie wir dieses Samenkorn aufnehmen. Oft werden wir durch zu viele Interessen, zu viele Verlockungen abgelenkt – und es ist schwierig, in diesem Gewirr der Stimmen und Worte die Stimme des Herrn zu hören: die einzige, die frei macht. Deshalb ist es ja auch so wichtig, sich daran zu gewöhnen, das Wort Gottes zu hören, es zu lesen. Und damit möchte ich den Rat wiederholen, den ich euch schon oft gegeben habe: tragt immer ein kleines Evangelium - eine Taschenausgabe des Evangeliums - bei euch, in der Jackentasche, in der Handtasche, und lest jeden Tag ein Stück daraus. Gewöhnt euch daran, das Wort Gottes zu lesen und gut zu verstehen, was der Same ist, den Gott uns anbietet und auf welchen Boden er fällt.

Möge uns die Jungfrau Maria, das vollkommene Vorbild für einen guten und fruchtbaren Boden, mit ihrem Gebet helfen, ein aufnahmebereiter Boden ohne Dornen und Felsen zu werden, damit wir für uns und unsere Brüder und Schwestern gute Frucht tragen können.

Nach dem Angelusgebet sagte der Papst:

Liebe Brüder und Schwestern,

an diesem zweiten Sonntag im Juli begehen wir den Internationalen Tag des Meeres. Ich grüße alle, die in der Seefahrt tätig sind, besonders jene, die weit weg sind von ihren Lieben und ihrem Land. Ich grüße alle, die sich heute Morgen im Hafen von Civitavecchia-Tarquinia zur Eucharistiefeier versammelt haben.

... Wenn ich an das Meer denke, dann denke ich auch an Istanbul: Ich denke an Hagia Sophie... und es schmerzt mich sehr.

Ich grüße euch alle, die Gläubigen Roms und die Pilger aus verschiedenen Ländern, vor allem die Familien der Fokolar-Bewegung. Mein dankbarer Gruß gilt den Repräsentanten der Gesundheitspastoral der Diözese Rom – ich denke dabei  an die vielen Priester, Ordensmänner und -frauen wie auch die Laien, die den Kranken in dieser Zeit der Pandemie geholfen haben und immer noch helfen. Vielen vielen Dank!

Euch allen einen schönen Sonntag. Bitte vergesst nicht, für mich zu beten. Gesegnete Mahlzeit und Auf Wiedersehen.

(vatican news - übersetzung: silvia kritzenberger)

12 Juli 2020, 12:39