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Papst Franziskus beim heutigen Angelus Papst Franziskus beim heutigen Angelus  (Vatican Media)

Papst beim Angelus: Gutes statt nur die Mängel sehen

Gutes sehen und kultivieren statt immer nur „die Grenzen und Mängel“ anderer Menschen zu suchen: dazu hat Papst Franziskus bei seinem Angelus-Gebet an diesem Sonntag ermuntert. Zugleich wandte sich der Papst dabei erneut gegen Neid, Geschwätz und andere Verhaltensweisen, die Zwist und Spaltung hervorrufen können.


Anne Preckel – Vatikanstadt

Franziskus ging in seiner Katechese von Jesu „Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen“ aus, von dem das Matthäusevangelium erzählt (vgl. Mt 13, 24-43). In der Erzählung über eine Saat, in der neben gutem Korn auch Unkraut zum Vorschein kommt, gehe es um die Geduld Gottes und um Hoffnung, schickte der Papst vorweg.

Zum Hören

Skandale, Neid, Geschwätz

Als die Knechte ihren Gutsherrn darauf ansprachen, warum auf seinem Feld neben gutem Korn auch Unkraut wuchs, verwies dieser auf einen „Feind“, der dieses schlechte Kraut ausgesät habe.

„Man kann in diesem Gleichnis eine Vision der Geschichte lesen“, kommentierte der Papst. Neben dem guten Sämann Gott gebe es einen „Widersacher, der Gewirr ausbreitet, um das Wachstum des Korns zu behindern“. Dies sei der Teufel selbst, so Franziskus. Während der Gutsherr eine gute Ernte wolle, arbeite sein Feind „aus Neid und Feindseligkeit, um alles zu ruinieren“.

„Seine Absicht ist es, das Erlösungswerk zu behindern und dafür zu sorgen, dass das Reich Gottes von unaufrichtigen Arbeitern, Sämännern von Skandalen, behindert wird. Eigentlich stellen guter Same und Unkraut abstrakt gesehen nicht Gut und Böse dar, sondern uns Menschen, die wir Gott oder dem Teufel folgen können. Wir kennen das auch: wie oft haben wir von Familien gehört, die eigentlich friedlich waren und die sich auf einmal im Krieg befinden, da gibt es dann Neid... Oder von einem Viertel, das friedlich war und wo dann hässliche Dinge geschehen. Wir sagen dann: ,Ja, da hat jemand Unkraut gesät', ,die Person jener Familie hat mit ihrem Geschätz Unkraut gesät'. Das ist ein zerstörerisches Übel, das auf den Teufel oder unsere eigene Versuchung zurückzuführen ist: wenn wir der Versuchung anheimfallen, zu schwätzen, um andere zu zerstören.“

Auch heute sei das Erdreich mit Giften und Pestiziden verseucht, die oftmals gesundheitsschädlich seien, schob der Papst mit Verweis auf Umweltverschmutzungen durch Industrie und schädliche Landwirtschaft ein. Diesen Aspekt vertiefte der Autor der Sozialenzyklika Laudati si' aber ansonsten nicht.

Den Moment der Ernte abwarten

Die Knechte wollten das Unkraut sofort beseitigen, kam Franziskus dann auf das Gleichnis Jesu zurück. Doch der Gutsherr „ist klüger, er sieht weiter voraus“, so der Papst. Er habe nicht gewollt, dass mit dem Unkraut auch das gute Korn ausgerissen wird, und ihnen zu einer anderen Strategie geraten. So sollten sie Korn-Ähren und schlechtes Kraut gemeinsam wachsen lassen und bis zum Moment der Ernte warten. Dann sollten sie das Unkraut einsammeln und verbrennen, den Weizen aber in die Scheune tragen. Diese Geduld, diese Weitsicht brauche ein Christ, erinnerte Papst Franziskus.

„Verfolgung und Feindseligkeit zu ertragen, gehört zur christlichen Berufung“

„Sie müssen wissen, wie man wartet, denn Verfolgung und Feindseligkeit zu ertragen, gehört zur christlichen Berufung. Das Böse muss natürlich abgelehnt werden, aber die Bösen sind Menschen, mit denen man Geduld haben muss. Es geht nicht um diese scheinheilige Toleranz, die Zweideutigkeiten verbirgt, sondern um eine Gerechtigkeit, die durch Barmherzigkeit gemildert wird.“

Barmherzige Gerechtigkeit

„Das Gute erkennen, das oft still im Bereich der Kirche und in der Geschichte wächst...“

Der Herr lade uns ein, uns den Blick des guten Sämannes zu eigen zu machen, „der sich um das gute Korn kümmert und es inmitten des Unkrautes zu schützen weiß“, so der Papst. „Diejenigen, die die Grenzen und Mängel anderer suchen, arbeiten nicht gut mit Gott zusammen! Dies tun vielmehr diejenigen, die das Gute zu erkennen wissen, das oft still im Bereich der Kirche und in der Geschichte wächst, und die es zur Reife kommen lassen. Und dann wird es Gott sein, und nur Er allein, der die Guten belohnen und die Bösen bestrafen wird.“

(vatican news – pr)
 

19 Juli 2020, 12:27