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Papst Franziskus beim Angelusgebet Papst Franziskus beim Angelusgebet  (Vatican Media)

Im Wortlaut: Papst Franziskus beim Angelus am Sonntag

Hier finden Sie die Ansprache, die Papst Franziskus beim Angelusgebet an diesem Sonntag gehalten hat, in einer Arbeitsübersetzung von Radio Vatikan.

Den offiziellen Text finden Sie in Kürze auf der Homepage des Vatikans.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Im Evangelium von diesem Sonntag (vgl. Mt 10,26-33) hören wir, wie Jesus seine Jünger auffordert, sich nicht zu fürchten, sich den Herausforderungen des Lebens entschlossen und zuversichtlich zu stellen, sie aber auch vor den Schwierigkeiten warnt, die sie erwarten. Der heutige Evangeliumstext ist Teil der Missionsrede, mit der der Meister die Apostel auf ihre erste Erfahrung der Verkündigung des Reiches Gottes vorbereitet. Jesus fordert sie auf, „sich nicht zu fürchten“ - die Furcht ist einer der schlimmsten Feinde unseres christlichen Lebens, und Jesus ruft dazu auf, sich nicht zu fürchten..., und Jesus beschreibt drei konkrete Situationen, denen sie sich stellen werden müssen.

Zunächst einmal, erstens, der Feindseligkeit derer, die das Wort Gottes verstummen lassen wollen, indem sie es versüßlichen, verwässern oder jene zum Schweigen bringen, die es verkünden. In diesem Fall ermutigt Jesus die Apostel, die Heilsbotschaft zu verbreiten, die er ihnen anvertraut hat. Er selbst hat sie zunächst mit Vorsicht, fast schon heimlich, im kleinen Kreis der Jünger vermittelt. Sie aber sollen „im Licht“ – also offen – von seinem Evangelium sprechen, es „von den Dächern“ - so sagt es Jesus -, d.h. öffentlich, verkünden.

Auch heute noch gibt es Christenverfolgung

Die zweite Schwierigkeit, auf die die Missionare Christi stoßen werden, ist die physische Bedrohung, die Verfolgung ihrer Person, die sogar soweit geht, dass sie um ihr Leben fürchten müssen. Diese Prophezeiung Jesu hat sich zu allen Zeiten erfüllt: Es ist eine schmerzliche Realität, aber eine, die zeigt, wie groß die Treue der Zeugen ist. Wie viele Christen werden auch heute noch überall auf der Welt verfolgt! Wenn sie für das Evangelium und mit Liebe leiden, sind sie die Märtyrer unserer Zeit. Und wir können mit Sicherheit sagen, dass sie heute zahlreicher sind als die Märtyrer der Frühzeit - so viele Märtyrer, nur weil sie Christen sind... Diesen verfolgten Jüngern von gestern und heute sagt Jesus: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können“ (V. 28). Man muss sich nicht vor denen fürchten, die versuchen, die Kraft der Evangelisierung mit Hochmut und Gewalt auszulöschen. Der Seele, d.h. der Gemeinschaft mit Gott, können sie nämlich nichts anhaben: das kann den Jüngern niemand wegnehmen, denn es ist ein Geschenk Gottes. Das einzige, was der Jünger fürchten muss ist, dieses Geschenk Gottes zu verlieren - die Nähe, die Freundschaft mit Gott -, wenn er nicht länger nach dem Evangelium lebt und so den moralischen Tod erleidet, der eine Folge der Sünde ist.

„Der Vater kümmert sich um uns, weil unser Wert in seinen Augen groß ist“

Die dritte Prüfung, der sich die Apostel Jesus zufolge stellen werden müssen, ist das Gefühl – das einige von Ihnen vielleicht haben werden – , dass Gott sie verlassen hat, dass er fern bleibt und schweigt. Auch hier mahnt Jesus, keine Furcht zu haben, denn selbst wenn sie diese und andere Prüfungen erdulden müssen, liegt das Leben der Jünger doch fest in der Hand Gottes, der uns liebt und für uns sorgt. Das sind immer die drei Prüfungen: das Evangelium versüßlichen, verwässern; zweitens, die Verfolgung; und drittens das Gefühl, das Gott uns alleingelassen hat. Auch Jesus hat im Garten am Ölberg sowie am Kreuz diese Versuchung erlebt... Mein Gott, warum hast du mich verlassen?, sagt Jesus. Manchmal fühlt man diese geistliche Trockenheit - wir sollten davor keine Angst haben!

Der Vater kümmert sich um uns, weil unser Wert in seinen Augen groß ist. Worauf es ankommt, ist die Offenheit, der Mut des Glaubenszeugnisses: „sich vor den Menschen zu Jesus zu bekennen“ und Gutes zu tun.

Die heilige Jungfrau Maria, Vorbild für Zuversicht und Gottvertrauen in der Stunde der Not und der Gefahr, möge uns helfen, uns nie entmutigen zu lassen, sondern uns stets dem Herrn und seiner Gnade anzuvertrauen, denn die Gnade Gottes ist immer stärker ist als das Böse.

Nach dem Angelusgebet sagte Papst Franziskus:

Liebe Brüder und Schwestern,

Gestern haben die Vereinten Nationen den Weltflüchtlingstag begangen. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass auch Menschen auf der Flucht den notwendigen Schutz erhalten müssen, der ihre Würde und Sicherheit gewährleistet. Ich lade Sie ein, mit mir gemeinsam für die erneuerte Verpflichtung aller zu beten, sich für den Schutz aller Menschen einzusetzen, vor allem jener, die aufgrund von Situationen, die für sie oder ihre Familien eine ernste Gefahr darstellen, zur Flucht gezwungen wurden.

Ein weiterer Aspekt, den uns die Pandemie vor Augen geführt hat, ist die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt. Der Lockdown hat die Umweltverschmutzung verringert und die Schönheit vieler verkehrs- und lärmfreier Orte wieder zutage treten lassen. Jetzt, da die Aktivitäten wieder aufgenommen werden, sollten wir alle mehr Verantwortung für die Sorge um unser gemeinsames Haus übernehmen. Ich schätze die vielen Bürgerinitiativen in dieser Richtung, die überall in der Welt entstehen. In Rom zum Beispiel ist eine solche Initiative heute dem Tiber gewidmet. Aber es gibt noch so viele andere in anderen Teilen der Welt! Mögen sie bewirken, dass sich die Bürger dieses wichtigen Gemeinwohls zunehmend bewusst werden.

Heute wird in meiner Heimat (Argentinien) und vielen anderen Ländern der Vatertag gefeiert. Ich versichere allen Vätern meine Nähe und mein Gebet. Wir alle wissen, dass es nicht leicht ist, Vater zu sein - darum beten wir für sie! Ich denke besonders auch an unsere Väter, die uns weiterhin vom Himmel aus beschützen...

Und ich grüße Sie alle, römische Gläubige und Pilger, die aus verschiedenen Teilen Italiens - jetzt sieht man sie allmählich wieder, die Pilger! - und auch aus anderen Ländern heute hierher gekommen sind. Ich sehe da die Fahnen... Ich grüße vor allem euch junge Leute: Heute gedenken wir des hl. Aloisius von Gonzaga, eines jungen Mannes voller Gottes- und Nächstenliebe; er starb sehr jung, hier in Rom, wo er sich um die Pestkranken gekümmert hat. Seiner Fürsprache vertraue ich die jungen Menschen auf der ganzen Welt an.

Und Euch allen einen schönen Sonntag. Bitte vergesst nicht, für mich zu beten. Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen!

(vatican news - übersetzung: silvia kritzenberger)

 

21 Juni 2020, 12:28