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Vatican News

Vor 15 Jahren: Johannes Paul II. stirbt

Wer diese Tage und Stunden in Rom oder über das Fernsehen miterlebt hat, wird sie so schnell nicht vergessen: Vor 15 Jahren starb Johannes Paul II. Es war die Endstation eines aufregenden Pontifikats.

Stefan von Kempis - Vatikanstadt

„Jetzt gerade bekommen wir die Nachricht, dass der Papst gestorben ist. Wie lautet die Quelle?“ Es ist der Abend des 2. April 2005, Millionen Menschen verfolgen die Sondersendung des Star-Moderators Bruno Vespa im italienischen Fernsehen. Seit Tagen schon liegt der polnische Papst im Sterben, jetzt meldet die Nachrichtenagentur Ansa seinen Tod.

„Der Papst ist tot. Ich bitte Sie, aufzustehen für einen Moment der Sammlung, und wenn Sie gläubig sind, fuer einen Moment des Gebets.“

Zum Nachhören

1978 war der Pole Karol Wojtyla zum Papst gewählt worden. Durch die ganze Welt war er gereist, hatte unermüdlich das Evangelium verkündet, war auf andere Religionen zugegangen. In den letzten Jahren allerdings hatte ihm seine Parkinsonkrankheit immer stärker zugesetzt.

Rückkehr ins Vaterhaus

Während er oben in seinem Bett im Apostolischen Palast starb, fand unten auf dem Petersplatz eine Gebetsvigil statt. Auf einmal, gegen 22 Uhr, trat Kurienerzbischof Sandri ans Mikro. „Liebe Brüder und Schwestern, um 21.37 Uhr ist unser geliebter Heiliger Vater Johannes Paul II. ins Haus des Vaters zurueckgekehrt. Beten wir für ihn.“

„Jetzt ist das Licht im privaten Zimmer des Papstes angegangen“, berichtet ein Live-Reporter vom Petersplatz. „Das ist das Signal. Es hat hier auf dem Platz eine Minute des Schweigens gegeben, dann hat ein Kardinal gesagt: Begleiten wir Johannes Paul II. auf seinem Weg.“ Das Gebet geht weiter.

Rückblende. Im März 2005 hatte der todkranke Papst in der römischen Gemelli-Klinik gelegen. Dort setzte man ihm einen Luftröhrenschnitt. Zum Angelusgebet zeigte er sich am Fenster, sprechen konnte er kaum noch.

Zum Sterben kehrte Johannes Paul in den Vatikan zurück. Im Papamobil fuhr er ein letztes Mal durch Rom, über den Petersplatz. Sein Abschied. In den Tagen vor seinem Tod zeigt er sich nur noch manchmal an seinem Fenster, macht eine Geste zwischen Segnen und Hilflosigkeit.

Der Blick eines glücklichen Menschen

Am 1. April kann sich Kardinal Angelo Comastri, Erzpriester von Sankt Peter, bei ihm verabschieden. Der Privatsekretär des Papstes, Stanislaw Dziwisz, bringt ihn zum Sterbenden.

„Er neigte den Kopf und lehnte ihn auf das Bett des Papstes. Dann berührte Don Stanislaw die Schulter des Papstes – der hatte die Augen geschlossen – und sagte ihm: Heilger Vater, Loreto ist da! – Ich kam nämlich gerade aus Loreto. Ich sehe noch den Papst vor mir, wie er die Augen öffnete, mich ansah und mühsam sagte: Nein, Sankt Peter. – Da merkte ich, dass er völlig wach war. Ich sagte ihm: Heiliger Vater, segnen Sie mich! Er hob einen Moment die rechte Hand, sie fiel ihm herunter. Ich sagte: Das reicht mir, Heiliger Vater, das ist mir ein wertvolles Andenken an Sie… Ich sehe ihn noch vor mir – wie er mich ansah. Der Blick eines glücklichen Menschen. Das ist meine letzte Erinnerung an Johannes Paul II.”

Über dem nächtlichen Petersplatz läutet die Totenglocke. Der langjährige Pressesprecher Johannes Pauls, Joaquin Navarro-Valls, bestätigt den Journalisten den Tod des Papstes. 26 Jahre – eines der längsten Pontifikate in der Kirchengeschichte ist zu Ende.

(radio vatikan)
 

02 April 2020, 12:01