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Papst Franziskus: „Barmherzigkeit – das ist meine Haupt-Botschaft“

„Barmherzigkeit“: Das war der erste und grundlegende Akzent des Pontifikats von Papst Franziskus, das vor ziemlich genau sieben Jahren begann. 2015 und 2016 hat er sogar ein außerordentliches Heiliges Jahr der Barmherzigkeit durchgeführt. An diesem Mittwoch nun kam Franziskus bei seiner Generalaudienz im Vatikan wieder auf sein ‚Lieblingsthema‘ zu sprechen.

Stefan von Kempis - Vatikanstadt

Anlass dazu bot seine Katechesen-Reihe über die Seligpreisungen; diesmal war die fünfte dran, sie lautet ‚Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden‘ (Mt 5,7).

Franziskus machte darauf aufmerksam, dass die Jesusworte von einer Wechselseitigkeit ausgehen: „Diejenigen, die Barmherzigkeit ausüben, werden Erbarmen finden, sie werden sozusagen verbarmherzigt werden.“ Das ist ein Wortspiel, das sich so ähnlich auch auf Latein in seinem (schwer ins Deutsche zu übersetzenden) Pontifikatsmotto „eligendo atque miserando“ findet.

„Die Barmherzigkeit ist das Herz Gottes selbst“

„Dieses Thema der Gegenseitigkeit der Vergebung ist in dieser Seligpreisung nicht nur präsent, sondern wiederkehrend im Evangelium. Und wie könnte es anders sein? Die Barmherzigkeit ist das Herz Gottes selbst!“ Der Papst erinnerte an die Vaterunser-Bitte ‚Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern‘ (Matth. 6,12) und bekräftigte: „Es gibt zwei Dinge, die sich nicht trennen lassen: die gewährte Vergebung und die empfangene Vergebung.“

Die Perspektive umkehren

„Aber viele Menschen sind in Schwierigkeiten, sie können nicht verzeihen. Das erlittene Übel ist so oft so groß, dass die Fähigkeit zu verzeihen wie die Besteigung eines sehr hohen Berges erscheint. Eine enorme Anstrengung! Und da denkt man: Das geht nicht, das schaffe ich nicht… Diese Tatsache der Wechselseitigkeit der Barmherzigkeit zeigt, dass wir die Perspektive umkehren müssen. Aber alleine können wir das nicht, wir brauchen die Gnade Gottes dazu – um die müssen wir bitten.“

Zum Nachhören

Wir alle seien „Schuldner“ und blieben hinter dem, was wir „vor Gott und vor unseren Geschwistern“ eigentlich sein müssten, zurück.

„Barmherzigkeit ist nicht eine Dimension unter anderen, sie ist das Zentrum des christlichen Lebens“

„Jeder Mensch weiß, dass er nicht der Vater oder die Mutter ist, die er sein sollte, der Bräutigam oder die Braut, der Bruder oder die Schwester, die er sein sollte. Wir alle sind im Defizit, im Leben. Und wir brauchen Barmherzigkeit. Wir wissen, dass selbst wenn wir nichts Böses getan haben, immer etwas an dem Guten fehlt, das wir hätten tun sollen. Aber gerade diese unsere Armseligkeit wird zur Kraft, zu verzeihen!“ Wer Gottes Vergebung empfange, werde auch seinerseits fähig, anderen zu vergeben.

„Die Barmherzigkeit ist nicht eine Dimension unter anderen, sie ist das Zentrum des christlichen Lebens: Es gibt kein Christentum ohne Barmherzigkeit. Wenn unser ganzes Christentum uns nicht zur Barmherzigkeit führt, haben wir den falschen Weg eingeschlagen, denn die Barmherzigkeit ist das einzig wahre Ziel jedes geistlichen Weges.“

Erinnerung an den ersten Angelus als Papst

Franziskus erinnerte sich an sein erstes Angelusgebet als Papst; damals, im März 2013, hatte er ebenfalls von Barmherzigkeit gesprochen. „Und das ist tief in mir eingeprägt geblieben als Botschaft, die ich als Papst immer überbringen will – eine Botschaft, die täglich wichtig ist: die Barmherzigkeit.“

Wegen der Corona-Krise wurde auch diese Generalaudienz ohne Teilnehmer von außen durchgeführt. Die Rede des Papstes wurde nur per Video-Stream aus dem Apostolischen Palast im Vatikan übertragen.

Für alle beten, die wegen der Pandemie in Bedrängnis sind

In einem Appell stellte sich Franziskus hinter die Initiative „24 Stunden für den Herrn“, die eigentlich am Freitag und Samstag stattfinden sollte, wegen Corona aber in Rom, Italien und anderen Ländern nur sehr eingeschränkt stattfinden kann.

„In allen anderen Teilen der Welt wird diese schöne Tradition jedoch fortgesetzt. Ich ermutige die Gläubigen, sich der Barmherzigkeit Gottes in der Beichte aufrichtig zu nähern und besonders für diejenigen zu beten, die wegen der Pandemie in Bedrängnis sind! Wo es nicht möglich sein wird, 24 Stunden für den Herrn zu feiern, bin ich sicher, dass dieser Moment der Busse durch persönliches Gebet gelebt werden kann.“

(vatican news - sk)
 

18 März 2020, 11:50