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Künstliche Intelligenz tritt nicht allein in Form von ausgefeilter Robotik auf, sondern schon als versteckter Algorithmus im Internet - alltäglich Künstliche Intelligenz tritt nicht allein in Form von ausgefeilter Robotik auf, sondern schon als versteckter Algorithmus im Internet - alltäglich  (REUTERS)

Papst Franziskus: Ethische Maßstäbe für neue Technologien

Papst Franziskus kritisiert einen unlauteren Einsatz digitaler Techniken und ruft zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz im Sinne des Gemeinwohls auf. In einem an diesem Freitag veröffentlichten Redetext erneuert er seinen Appell für eine „Algor-Ethik“, womit u.a. eine Verankerung ethischer Maßstäbe bei der Anwendung von Algorithmen gemeint ist. Der Vatikan veröffentlichte zugleich einen Ethik-Kodex zu Künstlicher Intelligenz, der u.a. Inklusion und Transparenz aufführt.

Anne Preckel – Vatikanstadt

Eigentlich wollte Franziskus seine Ansprache an diesem Freitag vor Mitgliedern der Päpstlichen Akademie  für das Leben im Vatikan vortragen. Seine Audienz für die Teilnehmer eines Workshop über Künstliche Intelligenz sagte der Papst aber ab, weil er sich - wie schon am Donnerstag - leicht unwohl fühlt. Der Vatikan veröffentlichte den vorbereiteten Text der Papstrede trotzdem.

Darin kommt Franziskus auf den Einsatz von Algorithmen für „kommerzielle oder politische Zwecke“ zu sprechen. Der Papst nennt das Beispiel des Internet, wo anhand von digitalen Spuren Profile von Internet-Nutzern erstellt werden. Mit Hilfe der gewonnenen Daten würden etwa Gewohnheiten und Beziehungen von Internet-Nutzern kontrolliert, so der Papst. Dies geschehe oft, ohne dass Menschen dies wüssten, und es entstehe eine „Asymmetrie“.

Zum Nachhören

„Diese Asymmetrie, die darin besteht, dass einige wenige alles von uns wissen, während wir nichts über sie wissen, schläfert kritisches Denken und das bewusste Ausüben von Freiheit ein. Ungleichheiten nehmen maßlos zu, Wissen und Reichtum werden in wenigen Händen angehäuft - mit großen Risiken für die demokratischen Gesellschaften.“

Wirtschaft und Politik nutzen Programme durchaus für ihre Zwecke

Aus Sicht der Wirtschaft und des Marktes würden Menschen vorrangig als Konsumenten wahrgenommen – laut Papst Franziskus eine Reduktion. Er wirbt stattdessen für eine ganzheitliche Wahrnehmung des Menschen. Der Einwurf des Papstes lässt an den Einsatz von Algorithmen im US-amerikanischen Wahlkampf denken, mit deren Hilfe Politiker das potentielle Wahlverhalten der Bürger auswerten.

Hinsichtlich des Einsatzes neuer Technologien und Anwendungen Künstlicher Intelligenz – Algorithmen sind nur ein Beispiel in diesem Bereich – sprach sich der Papst für die Ausbildung eines ethischen Bewusstseins aus. Produktion und Gebrauch Künstlicher Intelligenz enthielten eine „politische Dimension“ und berührten Fragen der Gesamtgesellschaft; die neuen Techniken müssten insgesamt und langfristig dem Gemeinwohl aller zugutekommen. Dazu gelte es, ethische Maßstäbe derjenigen stärker einzubeziehen, die diese Techniken nutzen. 

„Allein zu einem korrekten Gebrauch der neuen Technologien zu erziehen, reicht nicht. Das sind nicht einfach ,neutrale Instrumente‘ – denn wie wir gesehen haben, formen sie unsere Welt und nehmen die Gewissen auf Ebene der Werte in Anspruch. (…) Es reicht nicht, sich der moralischen Sensibilität derjenigen anzuvertrauen, die forschen und Dispositive und Algorithmen schaffen; es müssen dagegen soziale Zwischeninstanzen geschaffen werden, die von ethischer Sensibilität der Nutzer und Erzieher zeugen.“

Papst wirbt für „Algor-Ethik“

Der Papst dürfte sich hier an Eltern und alle mit Bildung beauftragten Instanzen gewandt haben, aber letztlich auch an Wirtschaft und Politik. In seiner Rede warb er erneut für eine Verankerung ethischer Prinzipien im technologischen Prozess. Er griff das Stichwort „Algor-Ethik“ auf, das er bereits im Zusammenhang mit Kinderschutz im Internet einmal genannt hatte.

Dabei geht es unter anderem um das Einschreiben von Regulierungsmechanismen nach ethischen Maßgaben im Bereich der Informatik. Konkret kann sich eine solche Ethik nach Vorschlag des Papstes durch das Zusammenwirken verschiedener Disziplinen ausbilden. Ethische Orientierung bei einer Regulierung neuer Technologien geben etwa die Menschenwürde, Gerechtigkeit, Transparenz und Solidarität.

Franziskus würdigte in seinem Redetext zugleich „das große Potential“ neuer Technologien. Diese „Gabe Gottes“ könne auch „Früchte des Guten“ tragen, betonte er.

Ethik-Kodex: Inklusion und Transparenz

Der Vatikan hat am Freitag einen Ethik-Kodex zu künstlicher Intelligenz (Artificial Intelligence, AI) veröffentlicht. Darin sind mehrere Prinzipien aufgeführt, die eine Nutzung moderner digitaler Technologien zum Wohle der Menschheit gewährleisten sollen. So müssten AI-Systeme transparent, inklusiv, unparteiisch, zuverlässig und sicher sein, heißt es in dem sechs Seiten umfassenden Dokument. Zudem seien die Verantwortlichkeiten klar zu regeln und die privaten Daten der Nutzer zu schützen. Diese Prinzipien seien „die fundamentalen Elemente für gute Innovationen“, so der Wortlaut des Textes.

Zu den Erstunterzeichnern des „Rome Call for AI Ethics“ gehören unter anderen Microsoft-Präsident Brad Smith und IBM-Vizepräsident John Kelly. Zur Erarbeitung des Leitfadens hatte die Päpstliche Akademie für das Leben seit Mittwoch einen hochkarätig besetzten Workshop mit Hunderten Experten und Unternehmern aus aller Welt veranstaltet. Beteiligt waren auch der Präsident des Europäischen Parlaments, David Sassoli, und der Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), Qu Dongyu.


(vatican news/kap – pr) 

28 Februar 2020, 13:38