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Voller Wortlaut: Papst-Ansprache beim Angelusgebet

Hier finden Sie die Ansprache, die Papst Franziskus am dritten Adventssonntag beim Angelus gehalten hat, in vollem Wortlaut in einer Arbeitsübersetzung von Radio Vatikan.

Den offiziellen Text werden Sie demnächst auf der Homepage des Vatikans vorfinden.

„Liebe Brüder und Schwestern, guten Morgen!

An diesem dritten Adventssonntag, dem so genannten Sonntag der Freude, lädt uns das Wort Gottes einerseits zur Freude ein und macht uns auf der anderen Seite bewusst, dass die Existenz auch Momente des Zweifels miteinschließt, in denen es schwerfällt, zu glauben. Freude und Zweifel sind beides Erfahrungen, die Teil unseres Lebens sind.

Der ausdrücklichen Einladung des Propheten Jesaja zur Freude: ‚Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen, die Steppe soll jubeln und blühen‘ (35,1), stellt das Evangelium den Zweifel Johannes des Täufers gegenüber: ‚Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?‘ (Mt 11,3).

Tatsächlich sieht der Prophet über die Situation hinaus. Er hat entmutigte Menschen vor sich: schlaffe Hände, wankende Knie, verzagte Herzen (vgl. 35,3-4). Es ist die gleiche Realität, die zu jeder Zeit den Glauben auf die Probe stellt. Aber der Mann Gottes schaut darüber hinaus, denn der Heilige Geist lässt sein Herz die Kraft seiner Verheißung spüren, und er verkündet die Erlösung: ‚Mut, habt keine Angst! Seht, hier ist Euer Gott, … er kommt, um Euch zu retten‘ (V. 4). Und dann verwandelt sich alles: Die Wüste blüht, Trost und Freude überwältigen die Verzagten, die Lahmen, die Blinden, die Stummen werden geheilt (vgl. V. 5-6).

Das ist es, was durch Jesus geschieht: ‚Die Blinden gewinnen ihr Augenlicht zurück, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, die Toten stehen auf, den Armen wird das Evangelium verkündet‘ (Mt 11,5).

Diese Beschreibung zeigt uns, dass die Erlösung den ganzen Menschen umfasst und ihn wiederherstellt. Aber diese neue Geburt, mit der Freude, die sie begleitet, setzt immer voraus, dass wir uns selbst und der Sünde sterben. Daher der Ruf zur Umkehr, der die Grundlage für die Verkündigung sowohl des Täufers als auch Jesu ist; insbesondere geht es darum, unsere Vorstellung von Gott umzuwandeln. Und die Adventszeit spornt uns an, dies gerade mit der Frage zu tun, die Johannes der Täufer Jesus stellt: ‚Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?‘ (Mt 11,3).

Bedenken wir: Sein ganzes Leben lang hat Johannes auf den Messias gewartet; sein Lebensstil, sein Körper selbst, ist von diesem Warten geprägt. Deshalb preist Jesus ihn auch mit diesen Worten: ‚Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer‘ (vgl. Mt 11,11). Doch auch er musste sich zu Jesus bekehren. Wie Johannes sind auch wir aufgerufen, das demütige und barmherzige Antlitz zu erkennen, das Gott in Jesus Christus angenommen hat. Demütig und barmherzig!

Der Advent, eine Zeit der Gnade, sagt uns, dass es nicht genügt, an Gott zu glauben: Es ist notwendig, unseren Glauben jeden Tag zu reinigen. Es geht darum, sich darauf vorzubereiten, nicht eine Märchenfigur, sondern den Gott willkommen zu heißen, der uns herausfordert, uns einbezieht und vor dem man sich entscheiden muss. Das Kind, das in der Krippe liegt, hat das Gesicht unserer bedürftigsten Brüder und Schwestern, der Armen, die ‚die Privilegierten dieses Geheimnisses sind und oft diejenigen, die am fähigsten sind, die Gegenwart Gottes in unserer Mitte zu erkennen‘ (Apostolisches Schreiben Admirable signum, 6).

Möge uns die Jungfrau Maria helfen, dass wir uns auf dem Weg zu Weihnachten nicht von äußeren Dingen ablenken lassen, sondern in unseren Herzen Platz machen für denjenigen, der bereits gekommen ist und wiederkommen will, um unsere Krankheiten zu heilen und uns seine Freude zu schenken.

Nach dem Angelus

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Ich grüße euch alle, Familien, Pfarrgruppen und Verbände, die ihr aus Rom, Italien und vielen Teilen der Welt gekommen seid. Insbesondere begrüße ich die Pilger aus Korea, Valencia und die Gruppe aus Rotzo (VI).

Ich grüße euch, liebe Kinder, die ihr mit den Figuren des Jesuskindes für eure Krippen gekommen sind. Hebt die Figuren hoch! Ich segne sie von ganzem Herzen. Die Krippe ist wie ein lebendiges Evangelium. Wenn wir über die Weihnachtsszene nachdenken, sind wir eingeladen, uns geistlich auf den Weg zu machen, angezogen von der Demut des Einen, der Mensch wurde, um jedem Menschen zu begegnen. Und wir entdecken, dass Er uns so sehr liebt, dass er sich mit uns vereinigt, damit auch wir uns mit ihm vereinigen können.

In weniger als einem Jahr, vom 13. bis 20. September 2020, findet in Budapest der 52. Internationale Eucharistische Kongress statt. Seit mehr als einem Jahrhundert erinnern uns die Eucharistischen Kongresse daran, dass die Eucharistie im Mittelpunkt des Lebens der Kirche steht. Das Thema des nächsten Kongresses wird lauten: ‚Alle meine Quellen entspringen in dir‘ (Ps 87,7). Wir beten, dass ‚das eucharistische Ereignis in Budapest Prozesse der Erneuerung in den christlichen Gemeinschaften fördern kann, damit das Heil, dessen Quelle die Eucharistie ist, auch in die eucharistische Kultur übersetzt werden kann, die fähig ist, Männer und Frauen guten Willens in den Bereichen Liebe, Frieden, Familie, Fürsorge für die Schöpfung zu inspirieren‘ (Ansprache, 10. November 2018).

Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag und eine gute Weihnachts-Novene, die morgen beginnt. Ihr, liebe Kinder, bringt die Krippenfiguren zur Krippe… Und vergesst bitte nicht, für mich zu beten.
Buon Pranzo – und auf Wiedersehen.

(radio vatikan – claudia kaminski)
 

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15. Dezember 2019, 12:30