Suche

Vatican News
Erster afrikanischer Preisträger: der Jesuit Paul Béré Erster afrikanischer Preisträger: der Jesuit Paul Béré  (Vatican Media)

Franziskus würdigt Ratzinger-Preisträger und Benedikt XVI.

Erstmals ist der Ratzinger-Preis an einen afrikanischen Wissenschaftler verliehen worden. Es handelt sich um den Bibelwissenschaftler und Jesuiten Paul Béré. Ein weiterer Preisträger ist der kanadische Politikwissenschaftler und Philosoph Charles Taylor. Bei der Preisverleihung an diesem Samstagmittag im Vatikan würdigte Papst Franziskus auch ausdrücklich seinen Vorgänger Benedikt XVI.

Anne Preckel - Vatikanstadt

Mit Blick auf die Verdienste des aus Burkina Faso stammenden Bibelwissenschaftlers und Jesuiten Paul Béré ermutigte der Papst in seiner Laudatio zu einer Inkulturation des Glaubens in Afrika.

Afrikanische Theologie „dynamisch und vielversprechend“

In den ersten Jahrhunderten des Christentums im nördlichen Afrika habe es in der Kirche bedeutsame Kirchenschriftsteller bzw. –Lehrer wie Tertullian (150-220 n.Chr.), Cyprian (200-258 n.Chr.) und  Augustinus (354-430 n.Chr.) gegeben. Allerdings sei mit der Verbreitung des Islam und „Jahrhunderten des Kolonialismus“ eine „wahre afrikanische Inkulturation der christlichen Botschaft“ bis in die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts unterbunden worden, so Franziskus. Die zeitgenössische afrikanische Theologie sei vor diesem Hintergrund zwar „noch jung“, aber zugleich „dynamisch und vielversprechend“, so der Papst.

Hier zum Nachhören

„Pater Béré gibt uns dafür ein Bespiel. Er arbeitet an der Interpretation der Texte des Alten Testamentes im Kontext einer oralen Kultur, und macht damit die Erfahrung der afrikanischen Kulturen fruchtbar. Zugleich setzt er sich für das Wissen, Verständnis und die Rezeption der Synoden im afrikanischen Kontext ein, an denen er auch selbst teilnahm.“

Säkularisierung nüchtern und tiefgehend betrachten

Der Philosoph Charles Taylor habe mit seinen Forschungen zur Säkularisierung, die als Forschungsfeld heute weniger  Beachtung finde, Großes geleistet, fuhr Franziskus fort. Er habe aufmerksam die Entwicklung der westlichen Kultur und Geistesgeschichte nachgezeichnet und die komplexen Ausdrucksweisen der Modernität mit all ihren „Licht- und Schattenseiten“ charakterisiert. Damit habe Taylor die Gründe dargelegt, die zu einem Wandel in der religiösen Praxis führten und zugleich den Blick für neue Wege der Transzendenz im menschlichen Leben und unerwartete Räume des Heiligen Geistes geöffnet, sagte der Papst sinngemäß. Und er folgerte:

„All dies erlaubt uns, uns mit der westlichen Säkularisierung auf nicht oberflächliche Weise oder mit einer fatalistisch-entmutigten Haltung zu konfrontieren. Und dies ist nicht nur notwendig für ein Nachdenken über die zeitgenössische Kultur, sondern vor allem für einen Dialog und eine tiefgehende Unterscheidung in diesem Kontext, um den Glauben in unserer Zeit auf angemessene Weise zu leben, zu bezeugen, auszudrücken und zu verkünden.“

Theologie im Dialog mit sich wandelnden Kulturen

Es sei Pflicht der Theologie sowie Grundbedingung für einen lebendigen Glauben und für den Auftrag zur Evangelisierung, „im aktiven Dialog mit den Kulturen zu sein und zu bleiben, die sich im Lauf der Zeit wandeln und die sich in unterschiedlichen Teilen der Welt unterschiedlich ausprägen“, hielt Papst Franziskus grundsätzlich fest. Die beiden Ratzinger-Preisträger hätten in dieser Hinsicht einen bemerkenswerten Beitrag geleistet.

Zu Beginn seiner Rede würdigte Franziskus ausdrücklich das Wirken seines Vorgängers: „Wir sind ihm für sein Lehren und sein Zeugnis im Dienst an der Kirche dankbar“.

Benedikt XVI. habe „reflektierend, denkend, studierend, zuhörend, Dialog führend, betend“ zur Erhaltung eines lebendigen und bewussten Glaubens beigetragen, so Franziskus. Tiefes Anliegen des „Theologen und Hirten Joseph Ratzingers“ sei gewesen, die Gläubigen zum konkreten Glaubenszeugnis und zum Dialog mit ihren Zeitgenossen zu befähigen.

Benedikt XVI. „nie in rein konzeptuelle Kultur eingeschlossen"

Dabei  habe sich der emeritierte Papst „nie in eine rein konzeptuelle und blutleere Kultur eingeschlossen“, formulierte der amtierende Papst. Er stehe hingegen für eine Wahrheitssuche, „bei der Vernunft und Glaube, Intelligenz und Spiritualität beständig integriert“ gewesen seien.

Der Joseph-Ratzinger-Preis wird seit 2011 jährlich von der vatikanischen Stiftung „Benedikt XVI.- Joseph Ratzinger“ vergeben. Ausgezeichnet werden besondere wissenschaftlich-theologische Leistungen im Kontext des Gegenwartsdiskurses. Der Stiftungsfonds wird aus den Erlösen der Werke Joseph Ratzingers sowie aus öffentlichen und privaten Spenden gespeist.

(vatican news – pr)

09 November 2019, 13:25