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Papst Franziskus feiert Messe in Nagasaki

Der hl. Johannes Paul II. hat das KZ Auschwitz einmal „das Golgota des 21. Jahrhunderts“ genannt. Sein Nachfolger Franziskus hingegen hat an diesem Sonntag eine Parallele zwischen Golgota und Nagasaki gezogen, der Stadt also, in der die Atombombe 1945 Zehntausende von Menschenleben auslöschte.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Im modernen Baseballstadion der Stadt in der Provinz, die über tausend Kilometer von der Hauptstadt Toko entfernt ist, feierte Franziskus am zweiten Tag seines Japanbesuchs gemeinsam mit etwa 35.000 Menschen eine Heilige Messe. Dabei mahnte er, Christen dürften angesichts des Bösen nicht aufgeben, sondern sollten für das Leben kämpfen. „Wir glauben an den Gott der Lebenden.“

Der Papst zelebrierte die Eucharistiefeier zum Christkönigfest auf Latein; doch bei den Lesungen kam auch Japanisch zum Zug, und Fürbitten gab es auch auf Koreanisch, Vietnamesisch und Tagalog, der Sprache philippinischer Einwanderer. Überflüssig zu erwähnen, dass Franziskus seine Predigt auf Spanisch hielt, der Sprache des ersten Japan-Missionars Franz Xaver.

„Nagasaki trägt in seiner Seele eine schwer zu heilende Wunde“

Golgota, so predigte der Papst, sei ein „Ort der Verlorenheit und Ungerechtigkeit“ gewesen. Doch dann habe der mit Jesus gekreuzigte Räuber zu einem „mutigen Glaubensbekenntnis“ ausgeholt. Franziskus fuhr fort: „Liebe Brüder und Schwestern, Nagasaki trägt in seiner Seele eine schwer zu heilende Wunde, ein Zeichen für das unerklärliche Leid so vieler Unschuldiger; Opfer, die durch die Kriege von gestern getroffen wurden, aber noch heute wegen des stückweisen dritten Weltkriegs leiden.“

Er sei nach Nagasaki gekommen, um zu beten, dass immer mehr Menschen wie der gute Schächer „fähig sind, nicht zu schweigen und nicht zu verhöhnen, sondern mit ihrer Stimme ein Reich der Wahrheit und der Gerechtigkeit, der Heiligkeit und der Gnade, der Liebe und des Friedens zu prophezeien“.

„Das Himmelreich ist unser gemeinsames Ziel; dieses Ziel gilt nicht erst für morgen“

Japan habe „wie kaum ein anderes die Zerstörungskraft erfahren, zu der der Mensch gelangen kann“. Umso wichtiger sei es, auf den Spuren der japanischen Märtyrer zu bekennen, „dass die von Christus am Kreuz geschenkte Liebe imstande ist, jede Art von Hass, Egoismus, Spott oder Nichtbeachtung zu überwinden“.

„Das Himmelreich ist unser gemeinsames Ziel; dieses Ziel gilt nicht erst für morgen, sondern schon heute erflehen wir es und beginnen wir, es zu leben.“

Neben dem Altar war während der Messfeier eine besondere Statue ausgestellt: Der Kopf einer Madonnen-Statue, der erst kürzlich unter den Trümmern der einst größten Kirche Asiens, der Urakami-Kathedrale von Nagasaki, aufgefunden wurde. Durch den Abwurf der Atombombe wurde die Kirche vollständig zerstört - wundersamerweise widerstand ein Teil der Statue aber der Hitze der Bombe. Der Legende nach soll die Statue ein Geschenk des heiligen Maximilian Kolbe aus dem Jahr 1930 sein, während er sich auf Mission in Japan aufhielt.

„Nagasaki zum letzten Ort machen, an dem die Atombombe einschlug“

Nagasaki zum letzten Ort zu machen, an dem je eine Atombombe einschlagen sollte, ist der Wunsch des gesamten japanischen Volkes - und insbesondere derjenigen, die die Atomkatastrophe überlebt haben. Das unterstrich der Erzbischof der Stadt und Vorsitzende der japanischen Bischofskonferenz, Joseph Takami, zum Ende der Heiligen Messe mit Papst Franziskus. Er wolle dem Papst dafür danken, dass er mit seinem beherzten Appell für eine weltweite Bannung von Atomwaffen am Friedensdenkmal dazu beigetragen habe, diesem Ziel ein wenig näher zu kommen.

Doch auch der Besuch am Heiligtum der Märtyrer von Nishizaka sei eine große Inspiration und Stütze für den Glauben und den missionarischen Einsatz der Katholiken im Land gewesen, würdigte Takami: Während des Zeitraums, in dem das Christentum in Japan verboten war, hatten zehntausende von Menschen, darunter Missionare, Geistliche und Laien, das Martyrium erlitten, erinnerte der Erzbischof. „Sie haben ihr Leben gegeben, um ihren Glauben zu bezeugen.“ 

(vatican news)
 

24 November 2019, 06:39