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Audienz für Mitglieder des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben Audienz für Mitglieder des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben  (Vatican Media)

Papst: Nein zu klerikalen Laien - Ja zu Frauen in Führungsämtern

Ziel der Kirche soll es nicht sein, „klerikale Laien“ zu haben. Das betonte Papst Franziskus an diesem Samstag in einer Ansprache an die Teilnehmer der ersten Vollversammlung des Dikasteriums für die Laien, die Familie und das Leben. Der Papst sprach auch über die Rolle der Frau in der Kirche.

Mario Galgano und Emanuela Campanile - Vatikanstadt

Papst Franziskus beschäftigte sich in seiner Ansprache mit zwei Punkten, die für ihn sehr wichtig sind: die Gefahr der Klerikalisierung der Laien, indem man sie zu „Halbpriestern“ macht und „dem Platz der Frauen in der Kirche“. Hier gab der Papst einen aufrichtigen Rat an die Bischöfe:

„Bringt die Diakone vom Altar weg, damit sie zu ihrem eigentlichen Dienst gehen können. Sie sind die Hüter des Dienstes bei den Menschen und nicht einfach erstklassige Ministranten oder Priester zweiter Klasse.“

Zum Nachhören

Was die Rolle der Frauen in der Kirche betrifft, so verwies der Papst auf die Tatsache hin, dass eine Frau auch eine Kurienbehörde leiten könne. So hätten für die Stelle des Präfekten des Wirtschaftssekretariats zwei Kandidatinnen zur Auswahl gestanden. Bei solchen Aufgaben gehe es um „Funktionalität“. Franziskus drückte seine Ermutigung zur Frauenförderung aus: „Wir müssen da weitermachen“, sagt er. Es sollen „ohne Angst“, „immer mehr Frauen in die Ämter eines Rates, aber auch Führungspositionen einnehmen“. Es sei deshalb von grundlegender Bedeutung, dass Frauen in der Kirche verantwortungsvolle Ämtern einnähmen. Dies könnte beispielsweise die Leitung eines Rates sein, aber es sei wichtig, dass man ihre Rolle eben nicht nur in ihrer „Funktionalität“ betrachte, sondern vor allem in ihrer Eigenschaft:

„Die Rolle der Frauen in den kirchlichen Organisationen, in der Kirche selbst, geht darüber hinaus, und wir müssen an diesem „darüber hinaus“ arbeiten, denn die Frau ist das Bild der Mutter-Kirche, weil die Kirche Frau ist; sie ist nicht „der Kirche“, sie ist „die Kirche“. Die Kirche ist Mutter; die Kirche ist fähig, diese Realität zu verwirklichen. Es darf keine funktionale Arbeit geben, denn die Arbeit geht darüber hinaus. Es ist dieses marianische Prinzip, das den Frauen eigen ist; und eine Frau in der Kirche ist das Bild der Kirche als Braut und der Muttergottes.“

Der Papst und die Leiter des Dikasteriums
Der Papst und die Leiter des Dikasteriums

Seit etwa zwei Jahren habe das Dikasterium das Erbe des Päpstlichen Rates für die Laien und des Päpstlichen Rates für die Familie weitergeführt, so der Papst. In diesem Sinne öffnete er die Audienz für die Vertretern des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben anlässlich ihrer ersten Vollversammlung. Leiter ist der US-amerikanische Kardinal Kevin Farrell.

Die Perspektive der Mutter-Kirche

„Um einen Dienst an der universalen Kirche zu leisten“, erklärte Franziskus, sei es unerlässlich, „das Herz der Kirche zu eigen zu machen“. Dies sei aber nur möglich, wenn alle sich bemühten, „aus sich selbst herauszugehen und in eine neue Perspektive zu treten“:

„Die Kirche ist katholisch, sie ist universell und viel breiter, als man denkt kann; sie ist von einem größeren Geist her geleitet und deshalb großzügig, als mein individueller Standpunkt. Mit dem Herzen der Kirche zu fühlen, bedeutet daher, auf katholische, universelle Weise zu fühlen, indem man die ganze Kirche und die Welt betrachtet und nicht nur einen Teil.“

Die Laien, Familien und das Leben zu fördern und zu unterstützen, bedeute daher, „über die eigene spezifische persönliche Kompetenz hinauszugehen“, „die Perspektive der Mutter in der Kirche einzunehmen“ und sich in der Folge zu fragen, wie sie selbst die Realität „sieht“ und „fühlt“:

„Ihr seid aufgerufen, einen Schritt weiter zu gehen und euch angesichts eines pastoralen Projekts, einer Herausforderung, eines Problems zu fragen: Wie „sieht“ die Mutter Kirche diese Realität? Wie „fühlt“ es sich an? Dabei werdet ihr dem Dikasterium eine Hilfe sein, denn ihr werdet wissen, wie ihr der Kirche eine Stimme geben könnt, nachdem ihr bereits euer persönliches Denken und Fühlen in euch gereinigt und erhöht habt, bis es völlig der Kirche zugehörig wird.“

Die Mutter-Kirche macht keine Präferenzen

Wie eine Mutter, so fuhr der Papst fort, „hat die Kirche keinen Günstling und Vorliebe“, weil „sie vor allem Harmonie unter all ihren Kindern wünscht“. Folglich müssen alle auf die gleiche Weise handeln:

„Deshalb ist es auch für euch wichtig, immer wieder positive Modelle der Zusammenarbeit zwischen Laien, Priestern und Geweihten, zwischen Hirten und Gläubigen, zwischen Diözesan- und Pfarrgemeinden und Laienbewegungen und -vereinigungen, zwischen Jungen und Alten vorzuschlagen, sterile Kontraste und Gegensätze zu vermeiden und die geschwisterliche Zusammenarbeit zum Wohle der einen Familie, der Kirche, immer zu fördern.“

Die Mutter-Kirche lässt ihre Kinder wachsen

Unter den grundlegenden Merkmalen des Kirche-Seins und damit desjenigen der Mutter-Kirche wies der Papst auf den Wunsch hin, Kinder so aufzuziehen, dass sie nicht „kleinlich bleiben“, sondern ohne Angst „den Herausforderungen, die die heutige Welt stellt“, in allen Bereichen begegnen können:

„Die Kirche wünscht sich, wie jede Mutter, auch, dass ihre Kinder autonom, kreativ und unternehmungslustig aufwachsen und nicht, dass sie kindisch bleiben. Ebenso muss allen Laien, den Kindern der Kirche, geholfen werden, zu wachsen und „erwachsen“ zu werden, den Widerstand und die Angst zu überwinden und mutig hervorzugehen, ihre Talente in den Dienst neuer Missionen in der Gesellschaft, in der Kultur, in der Politik zu stellen und sich ohne Angst und ohne Komplexe den Herausforderungen zu stellen, die die heutige Welt stellt.“

(vatican news)

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Eindrücke von der Audienz im Vatikan
16 November 2019, 14:28