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Angelus: „Gott verurteilt die Sünde, versucht aber, den Sünder zu retten“

Verachtung und Ausgrenzung derjenigen, die Sünden begehen, führen nur dazu, dass diese in der Sünde beharren und darin bestärkt werden. Doch der barmherzige Blick Gottes führt zur Bekehrung und versetzt in die Lage, unentgeltliche Liebe und Solidarität für andere zu empfinden. Das betonte Papst Franziskus bei seiner Katechese vor dem Mittagsgebet an diesem Sonntag.

Bei seinen Überlegungen ging der Papst vom Evangelium des Tages nach Lukas aus (Lk 19, 1-10), in dem der Evangelist von der Begegnung Jesu mit dem Sünder Zachäus berichtet. Dieser kommt gemeinsam mit der Menschenmenge, die Jesus bei seinem Einzug in Jericho begrüßen möchte. Er ist, so liest man im Evangelium des XXXI. Sonntags im Jahreskreis, ein „Zöllner“, also ein Steuereintreiber, der sich auch durch Bestechung bereichert hat und deshalb äußerst schlecht angesehen ist. Zachäus war klein, aber „neugierig“, unterstreicht Franziskus, und so klettert er auf einen Baum, um Jesus sehen zu können. „Und als Jesus nahe kommt, schaut er auf und sieht ihn (vgl. V. 5)“, erläutert der Papst.

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„Das ist wichtig: Der erste Blick ist nicht der des Zachäus, sondern der des Jesus, der unter den vielen Gesichtern, die ihn umgeben, genau dieses sucht. Der barmherzige Blick des Herrn erreicht uns, bevor wir selbst erkennen, dass wir ihn für unsere Rettung brauchen. Und mit diesem Blick des göttlichen Meisters beginnt das Wunder der Bekehrung des Sünders von Jericho.“ 

Jesus kümmert sich nicht um das Missfallen der anderen

Tatsächlich rufe Jesus ihn bei seinem Namen, unterstreicht Franziskus. Weder halte er ihm eine Predigt, noch werfe er ihm irgendetwas vor. Ungeachtet der spürbaren Missachtung durch die Menschenmenge wende Jesus sich ihm zu und gebe ihm zu verstehen, dass er in seinem Haus einkehren müsse: 

„Auch wir wären von diesem Verhalten Jesu empört gewesen. Aber die Verachtung und das Ausgrenzen des Sünders isoliert ihn nur und stärkt ihn in dem Bösen, das er gegen sich selbst und gegen die Gemeinschaft tut. Stattdessen verurteilt Gott die Sünde, versucht aber, den Sünder zu retten, er sucht nach ihm, um ihn wieder auf den richtigen Weg zu bringen.“ 

“ Indem er entdeckt, dass er trotz seiner Sünden geliebt wird, wird er fähig, andere zu lieben ”

Es sei für diejenigen schwer, „die außergewöhnliche Größe der Gesten und Worte zu erfassen“, mit denen Jesus sich Zachäus nähre, die sich selbst „nie von der Barmherzigkeit Gottes gesucht gefühlt haben“. Doch genau dieses Verhalten der Akzeptanz und Zugewandtheit sei es, das letztlich zu einem radikalen Wandel in der Seele des Sünders führe, gibt Franziskus zu bedenken: 

„Er erkannte plötzlich, wie kleinlich ein vom Geld bestimmtes Leben ist, auf Kosten des Diebstahls von anderen und der Verachtung durch sie. Den Herrn dort zu haben, in seinem Haus, lässt ihn alles mit anderen Augen sehen, sogar mit ein wenig von der Zärtlichkeit, mit der Jesus ihn ansah.“ Dies schließe auch den Umgang mit Geld ein: statt weiterhin zu versuchen, dieses an sich zu raffen, werde er großzügig und beschließe nicht nur, die Hälfte seines Vermögens den Armen zu spenden, sondern auch das erpresste Geld mit Zinsen zurückzuzahlen: „Indem er der Liebe begegnet und entdeckt, dass er trotz seiner Sünden geliebt wird, wird er fähig, andere zu lieben und mit Geld ein Zeichen von Solidarität und Gemeinschaft zu setzen.“

Die Jungfrau Maria möge für uns die Gnade erhalten, „immer den barmherzigen Blick Jesu auf uns zu spüren, damit wir denen, die einen Fehler gemacht haben, mit Barmherzigkeit begegnen, damit auch diese Jesus aufnehmen können, der ,gekommen ist, um zu suchen und zu retten, was verloren ist‘ (V. 10)“, so die abschließende Bitte des Papstes, bevor er gemeinsam mit den anwesenden Besuchern den Engel des Herrn betete.

(vatican news - cs).

03 November 2019, 12:51