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Papst Franziskus bei der Heiligen Messe auf dem Petersplatz Papst Franziskus bei der Heiligen Messe auf dem Petersplatz  (AFP or licensors)

Franziskus über Leid der Migranten: „Wir können nicht umhin zu reagieren"

Papst Franziskus hat dazu aufgerufen, Migranten zu helfen und zugleich über die Ungerechtigkeiten nachzudenken, die Ausschluss bewirken. „Wir können nicht umhin zu weinen. Wir können nicht umhin zu reagieren“, predigte er an diesem Sonntag bei einer Heiligen Messe auf dem Petersplatz zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge.

Besonders nachzudenken gelte es über „die Privilegien weniger, die, um aufrechterhalten zu werden, zum Nachteil vieler gereichen“, sagte der Papst. „Die heutige Welt ist von Tag zu Tag elitärer und grausamer gegenüber den Ausgeschlossenen“, zitierte er aus seiner Botschaft zum diesjährigen Weltmigrantentag.  „Die Entwicklungsländer werden zugunsten einiger weniger privilegierter Märkte weiterhin ihrer besten natürlichen und menschlichen Ressourcen beraubt. Kriege betreffen nur bestimmte Regionen der Welt, aber die Waffen zu ihrer Herstellung werden in anderen Regionen produziert und verkauft, die sich dann jedoch um die aus diesen Konflikten hervorgehenden Flüchtlinge nicht kümmern wollen. Immer sind es die Kleinen, die den Preis dafür zahlen, die Armen und die am meisten Schutzbedürftigen, die man hindert, am Tisch zu sitzen und denen man die Reste des Banketts übriglässt.“

Hier zum Hören:

Eindringlich rief der Papst dazu auf, nicht gleichgültig zu bleiben „angesichts des Dramas der alten und neuen Arten der Armut, der dunkelsten Formen der Einsamkeit, der Verachtung und der Diskriminierung derer, die nicht zu ,unserer´ Gruppe gehören“. Das Schicksal der Armen und Ausgegrenzten dürfe Christen nicht unberührt lassen. „Wir können nicht umhin zu weinen. Wir können nicht umhin zu reagieren“, verdeutlichte Franziskus.

Spenden allein genügt allerdings nicht, fuhr der Papst fort. Es gehe auch um Einsatz für globale Gerechtigkeit. „Den Nächsten wie sich selbst zu lieben bedeutet auch, sich ernsthaft darum zu bemühen, eine gerechtere Welt aufzubauen, wo alle Zugang zu den Gütern der Erde haben, wo alle die Möglichkeit haben, sich als Personen und als Familien zu verwirklichen, und wo die Grundrechte und die Würde für alle gewährleistet sind.“

Der Weihrauch und die Sänger

Bei der Messe sang und musizierte ein buntgemischter Chor. Die Männer und Frauen trugen farbenfrohe T-Shirts mit dem aufgedruckten Titel der diesjährigen Papstbotschaft zum Weltflüchtlingstag: „Es geht nicht nur um Migranten“. Die Sänger und Sängerinnen stammten unter anderem aus Sri Lanka, Indien, Indonesien, den Philippinen, Mexiko, Kongo, Peru und Italien. 

Der Weihrauch, der beim Gottesdienst zum Himmel stieg, kam aus einem afrikanischen Flüchtlingslager. In Bokolmanyo in Äthiopien leben rund 40.000 Menschen. Die örtliche Bevölkerung und die Flüchtlinge ließen die mehrere Jahrhunderte zurückreichende örtliche Tradition des Sammelns von hochwertigem Weihrauch wieder aufleben, hieß es in einer vom Vatikan verbreiteten Mitteilung. So erinnere dieser Weihrauch daran, dass „auch Flüchtlinge gedeihen und nicht nur überleben" könnten.

In den Vatikan kam der äthiopische Weihrauch als Geschenk des Prinzen Jaime de Bourbon de Parme. Der frühere niederländischer Botschafter beim Heiligen Stuhl wirkt derzeit beim UNO-Flüchtlingshochkommissariat.

(vatican news – gs)

29 September 2019, 10:48