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Papst Franziskus bei einer Audienz an diesem Montag Papst Franziskus bei einer Audienz an diesem Montag  (Vatican Media)

Papst an Finanzminister: Klimaabkommen COP21 überlebensnotwendig

Von den Verpflichtungen des Pariser Klimaabkommens COP21 hängt das Überleben der Menschheit ab. Davon ist Papst Franziskus überzeugt und darauf ging er an diesem Montag bei einer Audienz für Finanzminister verschiedener Nationen ein. Das Treffen fand im Rahmen einer Konferenz der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften statt.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Nachhaltigkeit und Umweltschutz seien für die Menschheit „und die gesamte Schöpfung“ von großer Bedeutung, so der Papst in seiner Rede. „Wir leben in einer Zeit, in der Gewinne und Verluste höher bewertet zu sein scheinen als Leben und Tod, und in der der wirtschaftliche Wert eines Unternehmens Vorrang vor dem unendlichen Wert unserer Menschheitsfamilie hat“, fuhr Franziskus fort.

Doch das Treffen im Vatikan sei ein guter Anlass, um darüber nachzudenken, „wie diese tiefe Krise, die durch eine Verwechslung unseres Moralbuchs mit unserem Finanzbuch verursacht wurde, behoben werden kann“, erläuterte der Papst. Sie seien zusammengekommen, um zu helfen, eine Krise zu stoppen, welche die Welt in eine Katastrophe führe.

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Seine Enzyklika Laudato Si' zitierend erläuterte Franziskus, die heutige globale Interdependenz zwinge alle mit einem gemeinsamen Plan zu denken. Er erinnerte an das im Jahr 2015 geschlossene Abkommen der Nationen, welches die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung verfolge. Als Finanzminister seien sie für die Erreichung dieser Ziele verantwortlich, so der Papst. Es seien schließlich Ziele, die sich die Regierungen gesetzt hätten, um der Menschheit eine Zukunft zu garantieren. „Wir müssen das erreichen, worauf wir uns geeinigt haben, denn davon hängen unser Überleben und unser Wohlbefinden ab“, so der Papst.

Die Zeichen heute seien nicht gut. Die Investitionen in fossile Brennstoffe stiegen weiter an, so Franziskus, auch wenn Wissenschaftler sagten, dass fossile Brennstoffe unter der Erde bleiben sollten. Er verwies darauf, dass die Internationale Energieagentur kürzlich berichtet habe, dass die Investitionen in saubere Energien im zweiten Jahr in Folge wieder gesunken seien, obwohl Experten immer wieder den Nutzen von sauberer Energie aus Wind, Sonne und Wasser für die menschliche Umwelt nachgewiesen hätten. „Wir gehen alte Wege weiter, weil wir durch unsere fehlerhafte Buchführung und in Eigeninteressen gefangen sind. Wir betrachten immer noch als Gewinn, was unser Überleben bedroht.“

Untätigkeit ist erschreckend

Die Auswirkungen der globalen Untätigkeit seien erschreckend. Vor etwa zwei Wochen registrierten mehrere wissenschaftliche Forschungszentren die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre - eine der wichtigsten Ursachen der globalen Erwärmung im Zusammenhang mit menschlichen Aktivitäten - mit 415 ppm, dem höchsten jemals registrierten Wert. Auf der ganzen Welt würde man derzeit Hitzewellen, Dürren, Waldbrände, Überschwemmungen und andere extreme meteorologische Ereignisse, steigende Meeresspiegel, das Auftreten von Krankheiten und weitere Probleme sehen, „die nur eine schreckliche Vorahnung der Dinge sind, die noch viel schlimmer werden, wenn wir nicht dringend handeln“.

Während des Treffens im Vatikan hätten die Finanzminister Reden von führenden Klimatologen und Experten gehört. „Ihre Botschaft war klar und eindringlich“, so der Papst. „Wir müssen entschlossen handeln, um alle Treibhausgasemissionen bis spätestens Mitte des Jahrhunderts zu beenden, und noch mehr tun.“

Die Kohlendioxidkonzentration müsse deutlich sinken, „um die Sicherheit unseres gemeinsamen Hauses zu gewährleisten“. Auch hätten sie gehört, dass dies durch den Einsatz sauberer Energie und die Verbesserung der Energieeffizienz kostengünstig erreicht werden könne. „Die Vernunft selbst macht dies deutlich und sollte als Grundlage für unser gemeinsames Handeln dienen. Lassen Sie uns daher beschließen, gemeinsam für diese Ziele zu arbeiten: um das Wichtige zu schätzen, nicht das Überflüssige; unsere volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen und unsere Geschäftskonten zu korrigieren, um nicht mehr an Aktivitäten teilzunehmen, die unseren Planeten zerstören; um die globale Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu beenden; ein neues Kapitel sauberer und sicherer Energie zu eröffnen, die zum Beispiel erneuerbare Ressourcen wie Wind, Sonne und Wasser nutzt; vor allem, in unseren Volkswirtschaften umsichtig und verantwortungsbewusst zu handeln, um die Bedürfnisse der Menschen tatsächlich zu befriedigen, die Menschenwürde zu fördern, den Armen zu helfen und vom Götzendienst des Geldes zu befreien, das so viel Leid verursacht.“

Es sei seine Hoffnung, dass die Finanzminister sich als Verwalter der Weltfinanzen auf einen gemeinsamen Plan einigen würden, welcher der Klimawissenschaft, dem neuesten Stand der Technik für saubere Energien und vor allem der Ethik der Menschenwürde entspräche. Deshalb bitte er sie, ihre Kollegen aus den Finanzministerien auf der ganzen Welt einzuladen, sich ihren Bemühungen und Plänen anzuschließen. „Möge Ihre Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern, Technikern und den Völkern Ihrer Nationen, insbesondere der Ärmsten, die Ziele der nachhaltigen Entwicklung und das Pariser Klimaabkommen erreichen.“

Sobald der gemeinsame Plan von den Regierungen vereinbart sei, hoffe er, „dass wir uns wieder treffen können, um Gott für seine Barmherzigkeit zu danken, die es uns ermöglicht, unseren Weg zu korrigieren, bevor es zu spät ist“. Die Zeit sei von wesentlicher Bedeutung. „Wir erwarten Ihr entschlossenes Handeln zum Wohle der gesamten Menschheit“, schloss der Papst seine Rede.

(vatican news)

27 Mai 2019, 17:20