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St. Johann im Lateran: Papst Franziskus bei der traditionellen Bußliturgie mit dem Klerus der Diözese Rom St. Johann im Lateran: Papst Franziskus bei der traditionellen Bußliturgie mit dem Klerus der Diözese Rom  (Vatican Media)

Papst zu Priestern: Hütet euch vor Selbstzufriedenheit!

Wir sind fast schon Meister darin, uns die Situationen „schön zu schminken“, auf die grenzenlose Barmherzigkeit Gottes zu vertrauen. Nur wer Gott in den Mittelpunkt stellt, und nicht sich selber, kann wahrer Diener seines Versöhnungswerkes sein. Das sagte Papst Franziskus in der Bußliturgie mit den römischen Priestern an diesem Donnerstag.

Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt

Um 11 Uhr vormittags hat Papst Franziskus in der Lateranbasilika unter Ausschluss der Öffentlichkeit die traditionelle Bußliturgie zu Beginn der Fastenzeit gefeiert. Nach der Meditation von Kardinalvikar Angelo De Donatis nahm der Papst einigen Priestern die Beichte ab.

In seiner weitgehend aus dem Stegreif gehaltenen Rede meditierte er über die Bedeutung der Fastenzeit und die Kraft der Vergebung, die die Gemeinschaft auf allen Ebenen wiederherstellt. Gleichzeitig warnte er aber auch vor der Versuchung der Selbstzufriedenheit. Man müsse lernen, Gott in den Mittelpunkt zu stellen und nicht sich selber, so Franziskus. Nicht wegen unserer persönlichen Verdienste seien wir sein Volk, sondern aus Gnade, weil er uns gesagt habe: „Ohne mich kannst du nichts tun.“

Das geduldige Versöhnungswerk des Herrn...

Ausgehend vom Buch Exodus erläuterte Franziskus das „geduldige Versöhnungswerk“ des Herrn, seine weise Pädagogik, mit der er drohe und tröste, uns die Folgen unserer bösen Taten bewusst mache und dann beschließe, unsere Sünde zu vergessen. Man dürfe also keine Angst haben vor Momenten geistiger Betrübnis, wie sie das Volk Israel erlebt habe, sondern sollte die vorübergehende Abwesenheit Gottes als Geschenk leben.

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„Denn der Herr ist klug! Die Versöhnung, die Er dem Volk anbietet, wird eine Lektion sein, an die sich die Israeliten für immer erinnern werden. Gott gebärdet sich wie ein verschmähter Liebhaber: Wenn du mich nicht willst, dann gehe ich eben! Und er lässt uns in Ruhe. Es ist wahr, wir können es allein schaffen: ein Jahr, zwei Jahre, drei Jahre, auch länger. Doch wenn wir unseren Weg allein gehen, verfallen wir irgendwann in Selbstgenügsamkeit, in die Selbstzufriedenheit der Einsamkeit.“

An dieser Stelle führte der Papst das Beispiel eines brillanten, von seinen Vorgesetzten hochgeschätzten Priesters an, der aber dem „heiligen Spiegel“ verfallen gewesen sei. Erst als Gott ihm die Gnade gewährt habe, zu erfahren, was Verzweiflung ist, habe er verstanden, wie viel Zeit er in der Einsamkeit seiner Selbstzufriedenheit vergeudet habe. So habe dieser Priester wahre Demut gelernt.

„Es ist gut, ein wenig Angst vor sich selbst zu haben, vor unserer “Allmacht“, vor unserer Verschlagenheit, unseren doppelten Spielen. Wir sollten mehr Angst davor haben als vor den Schlangen, denn das ist das wahre Gift.... Erst durch die Erfahrung der Sünde und der Vergebung konnte Israel ein wenig mehr das Volk werden, das zu Gott gehört.“

Wir verbergen unsere Sünden nicht nur vor Gott, sondern auch vor uns selbst...

Wie oft würden wir unsere Sünden nicht nur vor Gott, sondern auch vor uns selbst verbergen, gab Franziskus zu bedenken. Wir seien fast schon Meister darin, uns die Situationen einfach „schön zu schminken“, alles Hässliche zu „übertünchen“ – und uns dabei darauf zu verlassen, dass die Barmherzigkeit Gottes keine Grenzen kenne. Deshalb müssten die Priester in der Fastenzeit zwar die leidenschaftliche Liebe predigen, die Gott für sein Volk hat, sich aber auch der Rolle bewusst sein, die sie in der Kirche spielen. Sie müssten sich als Diener betrachten, die keine Korruption akzeptieren, und nicht als Verwalter, so die Ermahnung des Papstes an die Priester.

„Die Sünde entstellt uns, und diese schmerzliche und demütigende Erfahrung machen wir immer dann, wenn wir selbst oder einer unserer Brüder im Bischofs- oder Priesteramt in den bodenlosen Abgrund des Lasters, der Verderbtheit oder – schlimmer noch – des Verbrechens stürzen, das das Leben anderer zerstört,“ erinnerte Franziskus an die Übel, die dem Ansehen der Kirche schaden.

Die Reue ist der Beginn unserer Heiligkeit

Ein Verweis auf die schwere Sünde des Missbrauchs durch Geistliche konnte an dieser Stelle natürlich nicht fehlen: „Ich habe das Bedürfnis, mit euch den unerträglichen Schmerz zu teilen, den die Welle von Skandalen, von denen inzwischen die Zeitungen der ganzen Welt voll sind, uns und dem Leib der Kirche zufügt,“ sagte Franziskus. Es sei offensichtlich, dass dahinter der Geist des Bösen stecke, der sich in seinem Hochmut als der Herr der Welt wähne. Der Herr lasse uns Prüfungen erleben, damit wir verstehen, dass wir ohne ihn Staub sind.

Grundlegend sei die Reue, sie sei der Beginn unserer Heiligkeit, so der Papst.

Abschließend bat er die Priester Roms, keine Angst zu haben, ihr Leben in den Dienst der Versöhnung zwischen Gott und den Menschen zu stellen, auch wenn das Leben eines Priesters oft von Missverständnissen und Leid, ja manchmal auch Verfolgung und Sünde geprägt sein könne.

„Die Risse unter den Brüdern unserer Gemeinschaft, die Nichtannahme des Wortes des Evangeliums, die Verachtung der Armen, der Skandal durch das schändliche Verhalten einiger unserer Mitbrüder: all das kann uns den Schlaf rauben, uns ein Gefühl der Ohnmacht geben. Lasst uns stattdessen an die geduldige Führung Gottes glauben, der die Dinge in seiner Zeit tut, lasst uns unser Herz weit machen und uns in den Dienst des Wortes der Versöhnung stellen.“

(vatican news)

 

07 März 2019, 20:11