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Papst: Lateinamerikaner leiden an Entwurzelung

Nicht nur Europa hat ein Problem mit den eigenen Wurzeln, auch der Heimatkontinent des Papstes ist davor nicht gefeit. In einer Ansprache an die Mitglieder des römischen Lateinamerika-Kollegs an diesem Donnerstag ging der Papst auf die Herausforderungen des südamerikanischen Kontinents ein.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Eines der Phänomene, das den Kontinent derzeit hart treffe, sei die „kulturelle Zergliederung“, so der Papst vor etwa hundert Mitgliedern des päpstlichen Priesterkollegs, das junge Lateinamerikaner in Rom beherbergt. Die Auflösung des sozialen Gefüges und der Verlust der Wurzeln sei ein Problem, mit denen der gesamte Kontinent sich auseinandersetzen müsse, fuhr Franziskus fort. Ein einer solchen Lage sei es besonders gefählich, „wenn Diskurse gefördert werden, die den Konflikt und den Hass auf Mitmenschen verbreiten“. Dies fördere eine Spaltung der Gesellschaft.

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Es sei aber auch falsch, kulturelle Modelle zu importieren, „die wenig oder gar nichts mit unserer Geschichte und Identität zu tun haben und die weit davon entfernt sind, in neuen Zusammenschlüssen eingefügt zu werden“. Auch dies führe zum Ende der Kulturen. Und der Papst erinnerte daran, dass Lateinamerika „reiche und autochthone Traditionen“ vorweise.

Entwurzelung und Fragmentierung der Kulturen

Die Gefahr bestünde in der Entwurzelung und Fragmentierung dieser Kulturen. „Die Kirche ist der Situation nicht fremd und dieser Versuchung ausgesetzt; unter der gleichen Umgebung läuft sie Gefahr, desorientiert zu werden, indem sie der einen oder anderen Polarisierung zum Opfer fällt oder entwurzelt wird, wenn ihre Berufung, ein Land der Begegnung zu sein, vergessen wird. Auch in der Kirche gibt es das Eindringen der ideologischen Kolonisierung“, wiederholte der Papst eine Warnung, die er bereits mehrmals ausgesprochen hatte.

Lateinamerika sei „von alten und neuen Wunden geprägt“, erinnerte der Papst an die leidvolle Geschichte des Kontinents und der Gegenwart. Deshalb brauche es „Handwerker der Beziehung und Gemeinschaft“ und da käme ein Priesterkolleg, wie jenes in Rom, ins Spiel. Ein solcher Bildungsort soll „offen und zuversichtlich gegenüber der Neuheit des Evangeliums“ sein. Wichtig sei, dass ein Priester sich als Teil einer Gemeinschaft betrachte und auch konkret sei:

„Ein Priester in seiner Pfarrei, in seiner Diözese, kann viel tun - und das ist gut so -, aber er läuft auch Gefahr, sich selbst zu verbrennen, sich zu isolieren. Das Gefühl, Teil einer priesterlichen Gemeinschaft zu sein, in der alle wichtig sind, nicht weil sie die Summe der Menschen sind, die zusammenleben, sondern wegen der Beziehungen, die sie schaffen, dieses Gefühl, Teil dieser Gemeinschaft zu sein, gelingt nur, wenn man sich einbringt.“

Sich nicht isolarien

Er bat deshalb die Priester, „sich niemals in persönliche oder gemeinschaftliche Isolation“ zu begeben. Stattdessen riet er ihnen, mit den Gläubigen das Leben zu teilen und auf ihre Anliegen hören. Es sei wichtig, sich mit denen zu freuen, „die glücklich sind, mit denen zu weinen, die weinen“.

Zum Schluss grüßte er besonders eine Gruppe lateinamerikanischer Jesuiten; der Orden, dem der Papst angehört, führt das Priesterkolleg seit Jahrzehnten. 

(vatican news)

15 November 2018, 13:49