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Gut aufgelegt: Franziskus antwortete spontan auf Fragen Gut aufgelegt: Franziskus antwortete spontan auf Fragen  (AFP or licensors)

Franziskus warnt vor Populismus

Papst Franziskus hat eindringlich dazu aufgerufen, den „negativen Schatz“ der Erfahrungen von zwei Weltkriegen im 20. Jahrhundert an junge Leute von heute weiterzugeben.
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Stefan von Kempis – Vatikanstadt

„Das müssen sie wissen – es ist wichtig, damit sie nicht wieder dieselben Fehler begehen. Und damit sie sehen, wie Populismus entsteht.“ Das sagte Papst Franziskus an diesem Dienstagabend bei einem „Treffen der Generationen“ in Rom. Als Beispiel für Populismus nannte Franziskus Hitler; doch zur Zeit der Reformation habe auch die katholische Kirche „Hass gesät“.

„Hass zu säen, ist einfach – nicht nur auf internationaler Ebene, sondern auch im eigenen Stadtviertel… Ich komme da von den großen Kriegen auf die üble Nachrede in der Familie oder im Stadtviertel, aber sie sind von der gleichen Art: Sie töten!“ Übrigens könne er nicht verstehen, warum es in einer „Welt der Menschenrechte“ noch so viel Folter gebe.

„Bitte, keinen Hass säen!“

Angesprochen auf die Migrationskrise in Europa vermied es der Papst spürbar, auf die derzeitige italienische Innenpolitik der geschlossenen Häfen einzugehen. Ihm gehe es da „nicht um Politik, sondern um Menschlichkeit“. Doch man dürfe sich nicht damit abfinden, dass das Mittelmeer zu einem „Friedhof“ geworden sei. „Ich leide, bete und erhebe die Stimme. Wir dürfen dieses Leiden nicht akzeptieren, etwa indem wir sagen: Naja, Leid gibt es so vieles… Nein, heute gibt es längst den Dritten Weltkrieg in Stücken. Fehlen von Menschlichkeit, Aggression, Hass.“

Früher habe man von „Rassenreinheit“ gesprochen, heute wende man sich gegen Migranten. „Man sollte daran denken, dass Europa von Migranten gebildet wurde und dass die Kulturen gemischt sind!“ Er selbst sei ja „Sohn von Migranten“, so der Papst, dessen Vorfahren im 20. Jahrhundert von Italien nach Argentinien ausgewandert sind. Es sei sehr wichtig, dass „ganz Europa“ die Migrationsfrage einvernehmlich angehe. „Aber bitte: Keinen Hass säen! Und bitte, schaut auf den neuen europäischen Friedhof – das Mittelmeer und die Ägäis.“

Wenn Jugendliche sich vom Glauben entfernen

Glaube ist „nicht nur Inhalt“ oder „Lesen im Katechismus“, „da geht es um ein ganzes Leben“, sagte der Papst auf eine andere Frage hin. „Der Glaube wird immer im Dialekt weitergegeben – in der Sprache von zuhause, in der Sprache der Freundschaft.“

Franziskus tröstete ein Ehepaar aus Malta, das ihm erklärte, es sei ihnen nicht gelungen, allen ihren Enkeln den Glauben weiterzugeben. „Das Leben ist so – ihr habt den Glauben weitergegeben, aber dann macht die Welt den Kindern andere Angebote, und viele entfernen sich deswegen vom Glauben. Gar nicht unbedingt aus Bosheit…“

„Wer nichts riskiert, reift nicht“

Für Großeltern oder Eltern, denen es nicht gelungen sei, den Glauben in der nächsten oder übernächsten Generation zu verankern, bedeute das „kein Scheitern“. „Lasst euch nicht erschrecken!“ Er rate ihnen dazu, „viel Geduld und Gebet“ aufzubringen, „nie zu streiten“, ihre Kinder und Enkel „zu begleiten und sie nicht zu verurteilen“. Was Menschen vom Glauben entferne, sei immer „das schlechte Vorbild“, etwa von Priestern, die ein Doppelleben führten.

Einmal mehr kritisierte der Papst die „Wegwerfgesellschaft“ und den „Markt der Heuchelei“: „Was zählt, ist der persönliche Erfolg – selbst wenn man dabei auf anderen herumtrampeln muss.“ Er rate dazu, die Hand zu anderen hin auszustrecken, „auch wenn man sich dabei mal die Hände schmutzig macht“. Auch von einer „Kultur der Versicherung“ halte er nicht viel: „Wenn du im Leben nie etwas riskierst, dann wirst du nie reifen.“ Jugendliche sollten Mut zum Träumen haben und „den Traum der älteren Menschen weitertragen“.

Auch US-Regisseur Scorcese stellte eine Frage

Das „Treffen der Generationen“ mit dem Titel „Weisheit der Zeit“ sollte der Startpunkt einer weltweiten „Allianz zwischen Jung und Alt“ sein. Es wurde von der CNN-Korrespondentin Delia Gallagher moderiert. Junge und alte Menschen aus Kolumbien, Malta, den USA und Italien durften dem Papst Fragen stellen; unter ihnen war auch der US-Regisseur Martin Scorcese, der u.a. „Gangs of New York“ drehte, aber auch den Film „Die letzte Versuchung Christi“, der 1988 zu einer heftigen Kontroverse führte.

Im Vatikan beschäftigt sich noch bis Sonntag die Bischofssynode mit dem Thema Jugend, Glauben und Erkenntnis der Berufung.

(vatican news)
 

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Fragen und Antworten mit Papst Franziskus
23 Oktober 2018, 18:01