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Papst Franziskus betet am Grab von Johannes Paul II. Papst Franziskus betet am Grab von Johannes Paul II. 

Vor 40 Jahren: Ein Heiliger tritt sein Amt an

Genau 40 Jahre ist es her, dass Papst Johannes Paul II. feierlich sein Pontifikat begann. Die Weltkirche gedenkt des Heiligen am 22. Oktober, dem Jahrestag der Antrittsmesse des Papstes aus Polen. Papst Franziskus hat an diesem Montag seines Vorvorgängers im Papstamt gedacht und sich für ein kurzes Gebet zu seinem Grab begeben.

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Christine Seuss - Vatikanstadt

„Habt keine Angst“: Diese Worte aus der ersten öffentlichen Predigt von Johannes Paul II. als Papst blieben vielen im Gedächtnis haften. Vor genau 40 Jahren, am 22. Oktober 1978, trat er feierlich sein Amt an. Abertausende von Menschen hatten sich auf dem Petersplatz versammelt, um den polnischen Papst willkommen zu heißen.

„Brüder und Schwestern! Habt keine Angst, Christus aufzunehmen und seine Herrschergewalt anzuerkennen! Helft dem Papst und allen, die Christus und mit der Herrschaft Christi dem Menschen und der ganzen Menschheit dienen wollen! Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus! Öffnet die Grenzen der Staaten, die wirtschaftlichen und politischen Systeme, die weiten Bereiche der Kultur, der Zivilisation und des Fortschritts seiner rettenden Macht! Habt keine Angst! Christus weiß, ‚was im Innern des Menschen ist‘. Er allein weiß es!“

 

Der Bischof, der kein Römer war

So wandte sich Papst Johannes Paul II. an die Menschen, die dicht gedrängt auf dem Petersplatz standen. Die Umwälzung, die sich die Weltkirche mit dem zweiten Johannes Paul erwarten durfte, war damals schon absehbar: Seit 455 Jahren war er der erste Nichtitaliener auf dem Stuhl Petri. Das thematisierte der Papst auch in seiner Ansprache:

„Die Kathedra des Petrus hier in Rom besteigt heute ein Bischof, der kein Römer ist, ein Bischof, der aus Polen stammt. Aber von jetzt an wird auch er zum Römer. Ja, Römer! Auch schon deshalb, weil er Sohn eines Volkes ist, dessen Geschichte von Anfang an und in tausendjähriger Tradition geprägt ist von einer lebendigen, starken, ununterbrochenen, bewußten und gewünschten Bindung an den Sitz des hl. Petrus, eines Volkes, das dieser römischen Kathedra immer treu geblieben ist. Oh, wie unerforschlich ist der Plan der göttlichen Vorsehung!“

Mehr als 26 Jahre lang sollte Karol Wojtyła die Geschicke der Weltkirche leiten; das war damals, nach den relativ kurzen Pontifikaten vor ihm, vielleicht nicht abzusehen – doch er sei sich der Größe des Amtes und der Anforderungen, die damit verbunden sein würden, bewusst, vertraute der Papst der Weltöffentlichkeit an:

 

Tiara? Entspricht nicht mehr der Zeit

„Heute nimmt wieder ein neuer Bischof Besitz von der römischen Kathedra des Petrus, ein Bischof, erfüllt von Furcht und Zagen, seiner Unzulänglichkeit bewußt. Wie sollte er nicht erschrecken vor der Größe seiner Berufung, vor der universellen Sendung, die mit diesem römischen Bischofssitz verbunden ist!“

Dabei wollte er auf die Zurschaustellung von Macht, die als weltlich missverstanden werden könnte, jedoch verzichten, gab er bekannt. Denn die Tiara, die bereits Papst Paul VI. abgelegt hatte, wollte auch er, wie sein Vorgänger Johannes Paul I., nicht tragen. „Es entspricht nicht mehr der Zeit“, erläuterte Johannes Paul II., „einen Ritus wieder aufzugreifen, der (wenn auch unberechtigterweise) als Symbol der weltlichen Macht der Päpste angesehen worden ist.“

„Lasst Christus zum Menschen sprechen!“

Bemerkenswert war, dass der Papst aus dem Ostblock sein Pontifikat mit einem dezidiert menschenrechtlichen Akzent startete. Heutzutage wisse der Mensch oft nicht, „was er in seinem Innern, in der Tiefe seiner Seele, seines Herzens trägt“, so die Diagnose des Polen, die vielleicht auch 40 Jahre danach noch aktuell ist. Deshalb sei der Mensch auch oftmals im „Ungewissen über den Sinn seines Lebens auf dieser Erde“: „Er ist vom Zweifel befallen, der dann in Verzweiflung umschlägt. Erlaubt also — ich bitte euch und flehe euch in Demut und Vertrauen an —, erlaubt Christus, zum Menschen zu sprechen! Nur er hat Worte des Lebens!“

Redemptor hominis, Erlöser des Menschen: So sollte bald darauf die erste Enzyklika heißen, in der Johannes Paul den menschenrechtlichen Kurs festklopfte – etwa mit der Bemerkung, der Mensch sei der „Weg der Kirche“.

 

Polyglotter Pole

Bereits in seiner ersten Predigt auf dem Petersplatz wurde eine weitere Konstante im Pontifikat des polyglotten Papstes festgelegt: seine Grüße in den wichtigsten Sprachen der Welt. Nach einem kurzen und persönlichen Gruß an seine polnischen Landsleute wandte er sich auf Englisch und Französisch an die Gläubigen, gefolgt von einem Gruß in deutscher und mehreren weiteren Sprachen:

„Einen herzlichen Gruß richte ich an die hier anwesenden Vertreter und alle Menschen aus den Ländern deutscher Sprache. Verschiedene Male – und erst kürzlich durch meinen Besuch in der Bundesrepublik Deutschland – hatte ich Gelegenheit, das segensreiche Wirken der Kirche und ihrer Gläubigen persönlich kennen – und schätzen zu lernen. Lassen Sie Ihren opferbereiten Einsatz für Christus auch weiterhin fruchtbar werden für die großen Anliegen und Nöte der Kirche in aller Welt. Darum bitte ich sie und empfehle meinen neuen Apostolischen Dienst auch Ihrem besonderen Gebet.“

 

Vater und Sohn

Der Dienst des polnischen Papstes Karol Wojtyla sollte als das zweitlängste nachweisbare Pontifikat in die Weltgeschichte eingehen – nur Papst Pius IX. saß mit 31 Jahren länger als er auf dem Stuhl Petri. Einer, der Papst Johannes Paul II. stets begleitet hat, war ein Fotograf des Osservatore Romano, Arturo Mari. Seit er 16 Jahre alt war, bereits unter Pius XII., arbeitete er für das Vatikanblatt. Mit Wojtyła verband ihn eine besondere Beziehung, nicht nur der Länge ihrer Zusammenarbeit geschuldet. „Er behandelte mich wie einen Sohn, und ich betrachtete ihn als meinen Vater", so Mari über ihr Verhältnis.

Über den damaligen Primas von Polen, Stefan Wyszyński, hatte er, Anfang 20, den jungen Bischof Wojtyla beim Zweiten Vaticanum kennengelernt. Im Gespräch mit der Sendereihe Witness des Priesters Thomas Rosica erzählte Mari, wie er den Moment erlebte, als die Wahl von Karol Wojtyla zum Papst bekannt gegeben wurde:

„Ich stand hinter der Tür des Konklave…“

„Ich stand hinter der Tür des Konklave, und als ich gehört habe: Habemus papam … Karol Wojtyła, da bin ich vor Freude in die Luft gesprungen. Und es hat zwei Gründe, aus denen ich so erfreut war. Der erste, ich kannte ihn, und er schien mir der richtige Papst zum richtigen Zeitpunkt zu sein. Er war so intelligent, ich habe mit ihm Zeit während des Konzils verbracht und auch danach, und ich habe wirklich gemerkt, dass er ein Mensch von außergewöhnlicher Intelligenz war.“

Der zweite Grund, aus dem er sich derart freute, erzählte der ehemalige Hoffotograf weiter, sei die Überraschung der Umstehenden gewesen. Die Menschen, die den Namen nicht richtig verstanden hätten, hätten sogar gedacht, Wojtyla sei Afrikaner, erinnerte er sich mit einem Lachen.

„Na, schau mal, wie ich jetzt aussehe“

„Und das Schönste war: Als sich die Tür des Konklaves geöffnet hat und er herausgekommen ist, da stand er auf einmal vor mir, und ich schließe nicht aus, dass ich Freudentränen in den Augen hatte. Wir haben uns angeschaut, und dann hat er eine sehr einfache Geste an sich herunter gemacht und gesagt: Na, schau mal, wie ich jetzt aussehe. Und dann hat er mich kurz berührt und umarmt, es war in ein paar Sekunden vorbei, denn natürlich muss in so einem Moment alles sehr schnell gehen, die Welt wartet auf Fotografien des neuen Papstes, auf seine Worte, den Segen vom Balkon…“

 

Das berühmteste Foto: Nach dem Attentat

Und von diesem Tag an ging es los, ein Arbeitstag von 6.30 Uhr bis oftmals spät in die Nacht, je nachdem, was der Terminplan des Papstes vorsah. Wie ein Schatten immer dabei: Arturo Mari, der wenige Jahre später, im Mai 1981, seine berühmteste Fotografie schießen sollte, Johannes Paul II. auf dem Krankenbett, kurz nach dem Attentat auf dem Petersplatz. Es war ein Vorschlag des Papstfotografen selbst, den genesenden Papst kurz zu besuchen, um der besorgten Weltöffentlichkeit ein Dokument über den sich verbessernden Gesundheitszustand des Papstes zukommen zu lassen.

Ein Dienst vom ersten bis zum letzten Tag, der mit dem Foto des aufgebahrten verstorbenen Papstes sein Ende fand. Im Jahr 2007, unter dem deutschen Nachfolger des Papstes aus Polen, verabschiedete sich Arturo Mari in den Ruhestand.

(vatican news/katholisch.de/salt&light)

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Photogallery

Johannes Paul II. - eines der spannendsten Pontifikate der neueren Geschichte
22. Oktober 2018, 14:53