Beta Version

Cerca

Vatican News

Papst an Eltern: Schätzt die Arbeit der Lehrer

Viele schätzen die Arbeit der Lehrer nicht mehr so wie früher und es kommt sogar dazu, dass Eltern die Lehrer als Gegner betrachten. Das sagte der Papst an diesem Freitagmittag bei einer Audienz für Vertreter des italienischen Elternvereins „AGe“.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Etwa 1.400 Eltern aus ganz Italien waren in der Audienzhalle. Die katholische Vereinigung feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Der rote Faden in der Ansprache des Papstes waren die Prinzipien der christlichen Ethik bei der Erziehung der Kinder. „Viele eurer Energien widmen sich der Unterstützung anderer Eltern bei ihrem Bildungsauftrag, insbesondere im Hinblick auf die Schule, die seit jeher der wichtigste Partner der Familie bei der Erziehung von Kindern ist“, so der Papst. Es sei sehr lobenswert, was Elternvereine in diesem Bereich tun. Franziskus ging hierbei auf das Bildungsbündnis zwischen Schule und Familie ein. Darüber spreche man heutzutage jedoch nur dann, um vor allem sein angebliches Scheitern zu verurteilen: „Dieser Bildungspakt scheint immer weniger wichtig zu sein. Die Familie schätzt die Arbeit der Lehrer – die oft schlecht bezahlt werden – nicht mehr so wie früher, und die Lehrer ihrerseits empfinden die Anwesenheit der Eltern in der Schule als lästige Aufdringlichkeit. Das führt dazu, dass die Lehrer dann die Eltern ausschließen wollen oder sie als Gegner betrachten.“

“ Deshalb lade ich Sie ein, immer das Vertrauen in Schulen und Lehrer zu pflegen ”

Man müsse und könne diese Situation ändern, fuhr Franziskus fort. Der Papst-Tipp: Jeder soll seine Hand großzügig ausstrecken. „Deshalb lade ich Sie ein, immer das Vertrauen in Schulen und Lehrer zu pflegen: Ohne sie riskieren Sie, in Ihrem pädagogischen Handeln allein gelassen zu werden und sich immer weniger den neuen pädagogischen Herausforderungen zu stellen, die sich aus der zeitgenössischen Kultur, der Gesellschaft, den Massenmedien und den neuen Technologien ergeben.“

Lehrer sind wie die Eltern, da sich beide Seiten jeden Tag im Bildungsdienst für die Kinder engagieren, erinnerte der Papst.

Zum Nachhören

Als Franziskus als kleiner Junge einem Lehrer etwas Schlechtes gesagt hatte...

 

Es sei zwar richtig und wichtig, sich auch kritisch über Erziehungsmethoden zu äußern, aber es gelte hier immer die Regel der aufbauenden Kritik.

„Ich will eine Anekdote dazu erzählen. Als ich etwa zehn Jahre alt war, habe ich einmal dem Lehrer etwas Schlechtes gesagt. Der Lehrer rief meine Mutter an. Am nächsten Tag kam meine Mutter, und der Lehrer ging, um sie zu empfangen; sie sprachen, und dann rief sie mich zu sich und vor dem Lehrer tadelte sie mich. Sie sagte zu mir: ,Entschuldige dich beim Lehrer.´ Das habe ich dann auch getan. ,Umarme deinen Lehrer´, sagte Mama zu mir. Und das tat ich ebenfalls, und dann ging ich zurück in das Klassenzimmer und war glücklich. So war die Geschichte dann vorbei. Nein, es war noch nicht vorbei.... Das zweite Kapitel war dann, als ich nach Hause kam... Das nennt man ,Zusammenarbeit´ bei der Erziehung eines Kindes: zwischen der Familie und den Lehrern.“

Eltern brauchen die Lehrer und umgekehrt, fügte Franziskus an. Wichtig sei ein konstruktiver Dialog zum Wohle der Kinder. Auch zitierte Franziskus aus dem Schreiben „Amoris Laetitia“, in dem daran erinnert wird, dass die Schule nicht die Eltern ersetzt, „sondern sie ergänzt“. Das sei ein Grundprinzip: Jeder Mitarbeiter im Bildungsprozess müsse im Namen der Eltern handeln, mit ihrer Zustimmung und bis zu einem gewissen Grad auch in ihrem Namen (vgl. Nr. 84).

Im zweiten Teil seiner Ansprache ging der Papst auf die Bedeutung des Elternvereins als Vereinigung an sich ein. Diese assoziative Erfahrung lehre sie, „auf gegenseitige Hilfe zu vertrauen“. Der Papst zitierte ein afrikanisches Sprichwort: „Um ein Kind zu erziehen, braucht man ein Dorf.“ Daher dürfe es in der Schulbildung nie an der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Teilen der Bildungsgemeinschaft mangeln. „Ohne häufige Kommunikation und ohne gegenseitiges Vertrauen wird keine Gemeinschaft aufgebaut und ohne Gemeinschaft ist keine Bildung möglich“, so der Papst.

Und im dritten Teil seiner Ansprache ging Franziskus dann auf die Rolle der Kirche ein. Ihre Aufgabe sei es, sowohl die Eltern als auch die Lehrer und die Kinder zu begleiten. Es gehe darum, „die wahren Werte“ zu vermitteln, damit die Kinder „das Beste für ein gemeinsames Wachstum“ erhalten. Die Eltern hätten eine doppelte Stärke: einerseits jene Kraft aus der Verbundenheit zueinander. Sie seien also Menschen, die sich nicht gegen jemanden, sondern zum Wohle aller vereinen. Und die zweite Kraft sei jene, die die Eltern aus ihrer Verbundenheit mit der christlichen Gemeinschaft erhalten würden.

Zum Schluss erinnerte der Papst die Eltern daran, dass Kinder „das wertvollste Geschenk, das Sie erhalten haben“ seien. Es sei wichtig, für die Kinder zu sorgen und auch die nötige Freiheit zu gewähren, „damit die Kinder als Menschen wachsen und reifen können“. Auf diese Weise könnten auch sie eines Tages in der Lage sein, „sich dem Geschenk der Weitergabe des Lebens zu öffnen“.

(vatican news)

07 September 2018, 12:18