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Theodore McCarrick Theodore McCarrick  (AFP or licensors)

Theodore McCarrick ist nicht mehr Kardinal

Der wegen Missbrauchs angeklagte emeritierte Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick, gehört nicht mehr dem Kardinalskollegium an. Papst Franziskus hat ein Rücktrittsgesuch McCarricks angenommen, wie der vatikanische Pressesaal an diesem Samstag mitteilte.

Mario Galgano – Vatikanstadt

McCarrick darf ab sofort auch keine öffentlichen Auftritte mehr wahrnehmen und soll als Buße und im Gebet an einem Ort verweilen, den der Vatikan noch bestimmen wird. Dort soll der ehemalige Erzbischof von Washington solange bleiben, bis der Prozess gegen ihn eröffnet wird. Gegen McCarrick soll ein kirchenrechtlicher Prozess geführt werden. Wie der vatikanische Pressesaal weiter bekanntgab, ging das Rücktrittsgesuch McCarricks anhand eines Briefes am Freitag ein.

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McCarrick ist 88 Jahre alt. Ihm wird vorgeworfen, als Pfarrer einen Minderjährigen sexuell missbraucht zu haben. Die Taten ereigneten sich der Anklage nach in der Diözese New York und sollen vor etwa dreißig Jahren passiert sein. Laut Medienberichten soll McCarrick, der von 2001 bis 2006 die Erzdiözese Washington leitete, auch junge Priesteranwärter zum Sex genötigt sowie mindestens zwei Minderjährige missbraucht haben.

 

Ähnlicher Fall 2015

 

Einen ähnlichen Fall gab es zuletzt 2015. Damals verlor der frühere Erzbischof von Edinburgh, Keith Michael Patrick O'Brien, seine Rechte und Privilegien als Kardinal, die in den Kanones 349, 353 und 356 des Kirchenrechts festgehalten sind, trat allerdings nicht aus dem Kardinalskollegium aus. O'Brien hatte 2013 die sexuelle Belästigung von Priesteramtskandidaten zugegeben und kurz darauf sein Amt als Erzbischof der schottischen Diözese niedergelegt. Wenig später zog sich O'Brien in Abstimmung mit dem Papst für mehrere Monate zu geistlicher Erneuerung, Gebet und Buße ins Ausland zurück. Zu dem 2015 eingereichten Verzicht auf die Privilegien der Kardinalswürde hieß es wörtlich aus dem Vatikan, diesen habe O'Brien am Ende eines langen Weges des Gebets eingereicht. O'Brien starb im März 2018.

Ein Austritt aus dem Kardinalskollegium ist in der jüngeren Kirchengeschichte extrem selten. 1927 trat der französische Kardinal und Jesuit Louis Billot (1846-1931) nach einem Streit mit Papst Pius XI. (1922-1939) zurück. Grund war Billots Unterstützung für die rechtsextreme und monarchistische Bewegung Action Francaise, die der Papst verurteilte. Pius XI. nahm Billots Ausscheiden aus dem Kardinalskollegium eine Woche später an, veröffentlichte dies jedoch erst zwei Monate später. Billot, ein renommierter Theologie-Professor, der nie zum Bischof geweiht wurde, verbrachte seine letzten Lebensjahre als einfacher Pater in einem Jesuitenhaus bei Rom.

Mit dem Rücktritt McCarricks gibt es in der katholischen Kirche derzeit 224 Kardinäle. Davon sind 124 unter 80 Jahre alt und damit zu einer Papstwahl berechtigt.

(vatican news/kna)

28 Juli 2018, 12:44