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Die Vorwürfe gegen den Bischof von Osorno, Juan Barros (im Bild), sollen durch Erzbischof Scicluna überprüft werden Die Vorwürfe gegen den Bischof von Osorno, Juan Barros (im Bild), sollen durch Erzbischof Scicluna überprüft werden  (AFP or licensors)

Papst schickt erfahrenen Missbrauchsankläger nach Chile

Der Papst sendet einen erfahrenen Missbrauchsankläger nach Chile, um den Vorwürfen gegen Bischof Juan del la Cruz Barros Madrid nachzugehen. Das gab der vatikanische Pressesaal an diesem Dienstag bekannt.

Christine Seuss

Er solle „diejenigen anhören, die den Wunsch vorgetragen hätten, Elemente vorzulegen, die sich in ihrem Besitz befinden“, führt das knappe Vatikanstatement weiter aus. Es handelt sich bei dem Gesandten um den maltesischen Erzbischof Charles Scicluna, seines Zeichens Vorsitzender des Kollegs, das an der Glaubenskongregationen für die Untersuchung von schwerwiegenden Delikten wie Missbrauch zuständig ist. Das Gremium wurde durch den Papst vor vier Jahren eingerichtet. 

Der Papst reagierte mit diesem Schritt auf einen Sturm der Entrüstung, den seine Verteidigung des chilenischen Bischofs Barros ausgelöst hatte. Barros wird vorgeworfen, von Missbrauch durch seinen Freund und Mentor, Pater Fernando Karadima, in dessen Diözese gewusst zu haben, diesen aber stillschweigend geduldet zu haben. Der „Fall Karadima“, der im Jahr 2004 öffentlich wurde, hat die Kirche in Chile schwer getroffen, noch immer ist sie mit der Aufarbeitung beschäftigt.

Dass der Papst nun ausgerechnet Charles Scicluna auf Mission nach Chile schickt, darf als starkes Zeichen gewertet werden. Der jetzige Erzbischof von Malta war von 2002 bis 2012 vatikanischer Chefermittler für Missbrauchsfälle und gilt als ausgewiesener Experte auf diesem heiklen Feld. Im Jahr 2014 hatte Papst Franziskus an der Glaubenskongregation ein Gremium aus Bischöfen und Kardinälen eingerichtet, um die Aufklärung von „delicta graviora“ (lat. für „schwerwiegendere Vergehen“) zu unterstützen. Sciclana ist Vorsitzender des Gremiums.

Papst Franziskus hatte bei seiner jüngsten Lateinamerika-Reise große Anerkennung dafür erhalten, dass er bei seiner ersten Ansprache auf chilenischem Boden für sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche um Verzeihung gebeten hatte. Nur wenig später jedoch hatte er Opfer damit vor den Kopf gestoßen, dass er Vorwürfen gegen Barros eine Absage erteilt und diese als „Verleumdungen“ bezeichnet hatte. Er werde erst über den Fall reden, wenn es „Beweise“ gegen Barros gebe, hatte der Papst gegenüber Journalisten gesagt. Nach öffentlicher Kritik auch durch den Vorsitzenden der vatikanischen Kinderschutzkommission Kardinal Sean O´ Malley hatte sich der Papst auf dem Rückflug nach Rom für seine Wortwahl entschuldigt.

(vatican news - cs)

30 Januar 2018, 15:56