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Papst Franziskus bei der Frühmesse im vatikanischen Gästehaus Santa Marta an diesem Dienstag Papst Franziskus bei der Frühmesse im vatikanischen Gästehaus Santa Marta an diesem Dienstag  (Vatican Media)

Papst Franziskus in Santa Marta: Das Gegenteil der Liebe ist die Gleichgültigkeit

Nicht der Hass, sondern die Gleichgültigkeit ist das Gegenteil der Liebe. Wie oft sähen wir die Not der anderen nicht, weil unser Herz gleichgültig sei. Das Mitleid Jesu aber zeige uns, dass wir unser Herz auf die anderen ausrichten müssten. Das sagte Franziskus bei der Frühmesse an diesem Dienstag, bei der er auch des ehemaligen Leiters der Diplomatenakademie und Apostolischen Nuntius in Österreich, Georg Zur, gedachte. Dieser war Montagabend verstorben.

 

Silvia Kritzenberger und Alessandro Di Bussolo - Vatikanstadt

„Wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott,“ zitierte Franziskus zum Auftakt seiner Predigt im vatikanischen Gästehaus Santa Marta aus dem Johannesbrief (1 Joh 4,7). „Darin offenbarte sich die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben“: In diesen Worten des Johannes stecke das ganze Geheimnis der Liebe, unterstrich der Papst: Gott hat uns zuerst geliebt. Er habe den ersten Schritt gemacht, einen Schritt auf eine Menschheit zu, die nicht zu lieben verstehe, die die Zärtlichkeit, das Zeugnis Gottes brauche, um zu lieben. „Und dieser erste Schritt, den Gott getan hat, ist sein Sohn: Er hat ihn gesandt, um uns zu retten, um unserem Leben einen Sinn zu geben.“

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Das Mitleid Jesu

Ausgehend vom Bericht aus dem Markusevangelium über die wundersame Brot- und Fischvermehrung erläuterte der Papst das Mitgefühl Jesu: „Warum hat Jesus das getan?“ fragte er, und gab gleich selbst die Antwort: aus Mitgefühl. Jesus habe Mitleid mit den vielen Menschen am Ufer des Sees von Tiberias gehabt, weil sie allein waren: „Denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.“

„Das Herz Gottes, das Herz Jesu, war gerührt“, stellte Franziskus fest. „Es sah all diese Menschen und konnte nicht gleichgültig bleiben. Die Liebe ist unruhig, sie toleriert keine Gleichgültigkeit. Die Liebe hat Mitleid. Aber Mitleid bedeutet, dass man sein Herz auf die Probe stellt; es bedeutet Barmherzigkeit. Sein Herz auszurichten auf andere: das ist Liebe. Liebe ist, wenn du dein Herz für andere auf die Probe stellst.“

Die Jünger lässt das Schicksal dieser Menschen kalt

Die Jünger aber habe das Schicksal dieser Menschen kalt gelassen: „Es ist schon spät. Schick sie weg, damit sie in die umliegenden Gehöfte und Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können,“ zitierte der Papst weiter aus dem Markusevangelium. „Was im Klartext heißt: sollen sie doch sehen, wo sie bleiben! Dabei wussten sie, dass sie Brot hatten. Aber sie wollten es für sich behalten. Das ist Gleichgültigkeit.“

„Die Jünger waren nicht an den Menschen interessiert: Sie waren an Jesus interessiert, weil sie ihn liebten. Sie waren nicht schlecht: Sie waren gleichgültig. Sie wussten nicht, was es bedeutet zu lieben. Sie wussten nicht, was Mitgefühl ist. Sie wussten nicht, was Gleichgültigkeit ist. Sie mussten erst sündigen, den Meister verraten, den Meister im Stich lassen, um zu verstehen, was Mitgefühl und Barmherzigkeit wirklich bedeuten,“ stellte Franziskus fest. „Und die Antwort Jesu ist scharf: Gebt ihr ihnen zu essen! Kümmert euch um sie. Das ist der Kampf zwischen dem Mitgefühl Jesu und der Gleichgültigkeit, der Gleichgültigkeit, die sich in der Geschichte immer und überall wiederholt.... Viele Menschen sind gut, verstehen die Bedürfnisse anderer aber nicht, sind nicht fähig zu Mitgefühl. Gute Menschen... Vielleicht ist die Liebe Gottes nur nicht in ihre Herzen eingedrungen – oder vielleicht haben sie sie auch nur nicht eintreten lassen.“

Einfach nicht hinsehen...

Abschließend gab der Papst noch ein sehr anschauliches Beispiel für die heutige Kultur der Gleichgültigkeit: ein Foto, das ein junger Römer gemacht hat. Daniele Garofani ist heute Fotograf des Osservatore Romano. Er war an einem kalten Winterabend gerade auf dem Nachhauseweg, als es ihm gelang, folgenden Moment auf Zelluloid zu bannen: in warme Wintermäntel gepackte Menschen, die fröhlich lachend aus einem Restaurant kommen, in dem sie gerade gegessen haben – und den frierenden und hungrigen Obdachlosen bewusst übersehen, der in der kalten römischen Nacht bittend seine Hand ausstreckt. „Sie vermeiden jeden Blickkontakt,“ unterstrich Franziskus. „Und genau das ist die Kultur der Gleichgültigkeit. Genau das haben auch die Apostel getan: sollen sie doch sehen, wo sie bleiben. Sollen sie hungern und frieren, was geht es uns an! Es ist ihr Problem.“

Die Kultur der Gleichgültigkeit: die Krankheit unserer Tage

„Das alltäglichste Gegenteil der Liebe Gottes, des Mitgefühls Gottes, ist die Gleichgültigkeit“, beklagte Franziskus. „Ich bin zufrieden, mir fehlt es an nichts. Ich habe alles, dieses Leben und auch das ewige Leben sind mir sicher… schließlich gehe ich jeden Sonntag zur Messe, ich bin ein guter Christ. Aber wenn ich aus dem Restaurant komme, dann schaue ich lieber in die andere Richtung… Dieser Gott, der Mitgefühl, Barmherzigkeit hat, macht den ersten Schritt, denken wir. Doch wir sind oft gleichgültig. Lasst uns zum Herrn beten, dass er die Menschheit heilt – ausgehend von uns selber: Möge der Herr mein Herz von dieser Krankheit heilen, die die Kultur der Gleichgültigkeit ist.“

Die Geburtstagswünsche für Kiko Argüello

Am Ende der Messe war es Papst Franziskus ein Anliegen, einen Gruß an Kiko Argüello zu senden, der seinen 80. Geburtstag feiern kann. Er dankte dem Gründer des Neokatechumenalen Wegs „für seinen apostolischen Einsatz für die Kirche.“

(vatican news)

08 Januar 2019, 13:01
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