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Die Frühmesse in der Casa Santa Marta am Donnerstag Die Frühmesse in der Casa Santa Marta am Donnerstag  (Vatican Media)

Frühmesse: „Das Volk wird zum Mob degradiert“

Das Volk, das Jesus erst als Heiland zujubelte, hat ihn – instrumentalisiert durch Andere - am Karfreitag ans Kreuz gebracht. Dieses Phänomen der „Gehirnwäsche“ wiederhole sich bis in unsere heutige Zeit, dank der Taktik der Verleumdung und der Spaltungen, mahnte der Papst bei seiner Frühmesse an diesem Donnerstag.

Silvia Kritzenberger und Debora Donnini - Città del Vaticano

In seiner Predigt am Donnerstagmorgen erläuterte der Papst ausgehend vom Tagesevangelium, dass es zwei Arten von Einheit gebe: die wahre Einheit, also die „Einheit des Heils“, von der Jesus im Evangelium spricht (Joh 17,20-26), und die „geheuchelte“ Einheit. Letztere zeigt sich, wie es in der Tageslesung (Apg 22,30; 23,6-11) heißt, bei den Richtern des Paulus. „Anfänglich sind sie noch als gemeinsame Front gegen ihn aufgetreten. Paulus aber war schlau, hatte die Schlauheit des Heiligen Geistes,“ unterstrich der Papst. Er habe gewusst, wie er seine Richter – Sadduzäer und Pharisäer – „spalten“ könne.

Zum Nachhören

„‚Wegen der Hoffnung und wegen der Auferstehung der Toten stehe ich vor Gericht‘, rief er vor dem Hohen Rat aus. Die Sadduzäer behaupten nämlich, es gebe weder Auferstehung noch Engel noch Geister, die Pharisäer dagegen bekennen sich zu all dem.“ Daraufhin habe sich großes Geschrei erhoben und die Versammlung, die Paulus verurteilen wollte, habe sich aufgelöst, führte Franziskus weiter aus.

Wenn das Volk zum Mob wird

 

Bei anderen Verfolgungen des Paulus könne man dagegen sehen, dass das gegen ihn aufgebrachte Volk gar nicht wusste, worum es wirklich ging, von den „Mächtigen“ nur instrumentalisiert worden sei:

„Diese Instrumentalisierung des Volkes lässt auch eine Missachtung des Volkes erkennen, da das Volk hier zum Mob degradiert wird. Es ist ein Phänomen, das sich oft wiederholt, von den Anfängen bis in unsere Zeit,“ sagte der Papst. „Denken wir nur an den Palmsonntag: alle jubeln ihm zu, ‚Gesegnet sei der, der da kommt im Namen des Herrn‘. Doch schon am Karfreitag ruft dieselbe Menge: ‚Ans Kreuz mit ihm! ‘. Was ist passiert? Man hat sie einer Gehirnwäsche unterzogen, das Volk zu einem entfesselten Mob gemacht, der nur noch zerstören will!“

Tratschen, um zu verurteilen: eine noch heute übliche Methode

 

Um jemanden verurteilen zu können – so Franziskus – müsse man zuerst „gemeinsame Front“ machen. Und wenn das gemeinsame Ziel erreicht sei, ginge jeder wieder seiner Wege. Genau das habe man auch bei Jesus, Paulus, Stephanus, bei allen Märtyrern, allen Verfolgungen getan. Und man tue es noch heute, gab der Papst zu bedenken:

„Was passiert in der Gesellschaft, in der Politik, wenn man einen Staatsstreich plant? Die Medien beginnen, über jemanden herzuziehen, über Führungspersonen; sie werden verleumdet, gnadenlos durch den Schmutz gezogen,“ führte Papst Franziskus aus. „Dann schaltet sich die Justiz ein: man verurteilt sie, und schon hat man seinen Staatsstreich!“

Vorsicht vor destruktiver Kritik in den Pfarrgemeinden!

 

Diese Negativ-Spirale der Verleumdung sei leider überall zu finden, beklagte Franziskus:

„Genau das passiert im Kleinen auch in unseren Pfarrgemeinden: Wenn zum Beispiel zwei oder drei auf einmal anfangen, an einem anderen kein gutes Haar zu lassen, über ihn herzuziehen… Sie machen gemeinsame Front, damit sie den Stab über ihn brechen können; in ihrer geheuchelten Gemeinsamkeit fühlen sie sich sicher und brechen den Stab über ihn. In ihren Köpfen haben sie ihn längst verurteilt… Dann geht jeder seiner Wege…. und einer zieht über den anderen her, weil sie ja jetzt getrennt sind.“ Das zeige – so Franziskus –, dass Tratschen eine todbringende Haltung sei, eine, die zerstöre, absichtlich das Ansehen anderer schädige: „Rufmord“, wie es nicht umsonst heißt!

Den Weg der wahren Einheit gehen

 

„Geschwätz ist auch die Waffe, die sie gegen Jesus benutzt haben: erst haben sie ihn in Misskredit gebracht… und als das geschafft war, wurde er beseitigt,“ sagte Franziskus und gab den Gläubigen abschließend noch folgenden Trost mit auf den Weg:

„Denken wir nur an die große Berufung, die uns bestimmt ist: die Einheit mit Jesus, dem Vater! Genau diesen Weg müssen wir gehen; Männer und Frauen, die sich vereinen und immer versuchen, auf dem Weg der Einheit voranzugehen. Keine geheuchelte Einheit, die keine Substanz hat, nur dazu dient, gemeinsame Front zu machen gegen andere, um den Stab über sie zu brechen; keine Einheit, die Interessen vertritt, die nicht die unseren sind, sondern Interessen des Fürsten dieser Welt, der zerstört. Möge uns der Herr die Gnade geben, immer den Weg der wahren Einheit zu gehen!“

17 Mai 2018, 13:13