Beta Version

Cerca

Vatican News
Bei der Frühmesse am Dienstag Bei der Frühmesse am Dienstag  (Vatican Media)

Frühmesse: „In schwierigen Momenten aufs Kreuz schauen“

Papst Franziskus lädt dazu ein, in schwierigen Momenten oder in Augenblicken der Erschöpfung auf das Kreuz zu schauen. Das sagte er an diesem Dienstag bei seiner Frühmesse in der Casa Santa Marta im Vatikan.

Stefan von Kempis - Vatikanstadt

Ausgangspunkt für die Überlegungen des Papstes war die Lesung aus dem Buch Numeri (21,4-9), die von der Mutlosigkeit des Volkes Israel in der Wüste erzählt, und wie Mose eine Kupferschlange an einer Fahnenstange aufrichtet. Ein schwieriger Text. Die Leute seien kleinmütig gewesen, sagte Franziskus, weil sie nur an ihre eigene Kraft gedacht und die Kraft des Herrn, und wie er ihrer Sklaverei in Ägypten ein Ende machte, vergessen hätten.

Jeder von uns, der einen Weg mit dem Herrn beginne, komme wohl mal an einen solchen Punkt, wo er sage: „Jetzt reicht’s mir, ich drehe um!“ Und wo er voller Wehmut an früher denke: „Was haben wir da doch Fleisch und Zwiebeln gegessen!“ Aber ein solches Gedächtnis sei „krank“, weil partiell – es blende die Härten der Knechtschaft aus.

„Das sind die Illusionen, die der Teufel mit sich bringt: Er zeigt dir, wie schön die Sache war, die du hinter dir gelassen hast, und er nutzt den Moment der Mutlosigkeit unterwegs aus, wenn du noch nicht beim vom Herrn Versprochenen angelangt bist. Auch der Weg der Fastenzeit verläuft ein bisschen auf diese Weise, ja – oder wir können auch das ganze Leben als eine Art Fastenzeit ansehen. Denn die Prüfungen und auch den Trost durch den Herrn gibt es immer, auch das Manna, das Wasser, die Wachteln, die er uns zu essen gibt… Aber das Essen damals war besser… Aber vergiss doch nicht einfach, dass du es damals am Tisch der Sklaverei gegessen hast!“

“ Schau auf die Wunden ”

Es komme immer wieder mal vor, dass wir müde würden im Dienst am Herrn, fuhr Papst Franziskus fort. Das Volk Israel rede in diesem Moment schlecht von Gott, und das sei schwerwiegend, das vergifte die Seele. Die Schlangen, von denen die Lesung erzähle, seien ein Symbol für diese Vergiftung: für den Mangel an Konstanz beim Gehen auf dem Weg des Herrn.
Mose habe auf Anordnung Gottes hin eine Kupferschlange an einen Fahnenmast gehängt – und wer zu ihr aufsah, starb nicht an Schlangenbissen. Diese Schlange sei „prophetisch“ gewesen, sagte der Papst, sie habe vorausverwiesen auf Jesus am Kreuz.

„Hier ist der Schlüssel zu unserem Heil, der Schlüssel zu unserer Geduld auf dem Weg des Lebens, der Schlüssel, um unsere Wüsten zu überwinden: Auf das Kreuz schauen! Auf den gekreuzigten Christus schauen. – Und was muss ich tun, Padre? – Schau auf ihn. Schau auf die Wunden. Tritt ein in seine Wunden… Durch diese Wunden sind wir geheilt. Fühlst du dich vergiftet, traurig, fühlst du, dass etwas nicht stimmt in deinem Leben, dass es voller Schwierigkeiten und auch Krankheit ist? Schau dorthin!“

 

Das hässliche Kreuz

 

Das Kreuz sei nicht schön, sondern „hässlich“, denn es sei „wirklich“. Wenn Künstler schöne Kreuze herstellten, „künstlerische“, dann sei das oft ein Zeichen für „Weltlichkeit“. Allerdings nicht immer – manchmal weise es hin auf „die Glorie des Kreuzes, die Glorie der Auferstehung“ nämlich. Doch wir sollten, so insistierte er, in schwierigen Momenten auf das „hässliche“ Kreuz schauen, „das vor der Glorie“.

Als Kind habe ihn seine Großmutter in Buenos Aires mitgenommen zur Lichterprozession am Karfreitag. Dabei sei ein steinerner, toter Christus in Lebensgröße mitgeführt worden. „Schau ihn dir gut an“, habe seine Großmutter gesagt, „aber morgen wird er wieder auferstehen!“ Das sei in der Zeit vor der Liturgiereform gewesen, damals habe man die Auferstehung am Morgen des Karsamstag gefeiert, nicht erst am Ostersonntag.

„Bringen Sie Ihren Kindern bei, auf das Kreuz zu schauen und auf die Glorie Christi! Wenn wir schwierige, hässliche Momente haben, wenn wir innerlich aus Enttäuschung etwas Giftiges gegen Gott gesagt haben, schauen wir auf die Wunden! Christus, erhöht wie die Kupferschlange: Denn er ist zur Schlange geworden, er hat sich entäußert, um die böse Schlange zu besiegen. Möge das Wort Gottes uns heute diesen Weg lehren: Auf das Kreuz schauen. Vor allem in dem Moment, wenn wir, wie das Volk Gottes, auf der Reise des Lebens müde werden.“

Zum Nachhören
20 März 2018, 11:53
Alles lesen >