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Buchtipp: Das neue Werk von Volker Reinhardt Buchtipp: Das neue Werk von Volker Reinhardt 

Buchtipp: Der nach den Sternen griff

Aus kirchenhistorischer Sicht war es keine Glanzleistung: Giordano Bruno gilt zusammen mit Galileo Galilei als Sinnbild für einen gescheiterten Umgang des Lehramtes mit der Wissenschaft. Der in der Schweiz dozierende Historiker Volker Reinhardt hat Giordano Brunos Schriften neu gelesen, ist seinen Spuren an den verschiedenen Aufenthaltsorten nachgegangen und hat neu entdeckte Dokumente zum Inquisitionsverfahren entschlüsselt, das sich als eiskalter Justizmord entpuppt.

Wäre Giordano Bruno doch nicht in die Lagunenstadt Venedig gereist… vielleicht wäre er um 1600 noch am Leben und hätte noch weitere Überlegungen verbreitet. Historiker arbeiten aber nicht mit dem hypothetischen Konjunktiv. Stattdessen gehört es zum guten Ton, in Archiven nach neuen Erkenntnissen zu suchen. Ein Meister der Dokumententenforschung und Auslegung historischer Fakten ist der an der Schweizer Universität Fribourg dozierende Historiker Volker Reinhardt. In seinem neuen Buch stellt er anhand der Biographie Giordano Brunos dar, wie in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts der Umgang mit „neuen Gedanken“ in Europa aussah. Fazit: gar nicht so schlecht, wie man heute üblicherweise über jene Zeit denkt. Klar, Giordano Bruno landete auf dem Scheiterhaufen. Die Biographie des faszinierenden Freigeistes ist zugleich das Porträt eines inquisitorischen, rechthaberischen Jahrhunderts, das uns gerade heute eine Mahnung sein sollte.

Zum Nachhören - der Buchtipp von Mario Galgano

Wie Reinhardt festhält, können sich zwar viele Legenden rund um Giordano Bruno auf einzelne biographische Fakten und aus dem Zusammenhang gerissene Textpassagen stützen. Manche Gegensätze bleiben aber auch bestehen, wenn man Brunos Gedankenwelt als ganze und zugleich näher und differenzierter betrachtet, hält der Historiker fest. Und da zählt Reinhardt auch gerne auf, wer Giordano Bruno – der von 1548 bis 1600 lebte – eigentlich war: ein begnadeter Satiriker und begeisterter Verkünder besserer Welten, nüchterner Rationalist und hochfliegender Phantast, präzise argumentierender Mathematiker und kühn spekulierender Philosoph, elitärer Verächter der ignoranten Masse und engagierter Verteidiger der kleinen Leute. Alle diese scheinbar unvereinbaren Gegensätze verschmolz Giordano Bruno in seinem Leben und Denken zu einem spannungsreichen Ganzen und wurde gerade dadurch zum exemplarischen Zeitzeugen, der Moden und Trends seiner Zeit aufnahm, bündelte, weiterentwickelte und zuspitzte, oft bis zum Extrem. Und so zeigt uns die neue Biographie, dass es sich auch heute noch lohnt, nach den Sternen zu greifen.

Zum Mitschreiben: Volker Reinhardt, Der nach den Sternen griff. Ein ketzerisches Leben. Erschienen im C.H. Beck-Verlag.

Eine Rezension von Mario Galgano.

(vatican news)

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08. April 2024, 10:01