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Die Zahl der von Missbrauch Betroffenen in der evangelischen Kirche und Diakonie ist weitaus höher als bisher angenommen Die Zahl der von Missbrauch Betroffenen in der evangelischen Kirche und Diakonie ist weitaus höher als bisher angenommen 

D: Missbrauchsstudie entlastet katholische Kirche nicht

Nach Vorstellung der Studie zu sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche in Deutschland sieht Studienleiter Martin Wazlawik auch die katholische Kirche weiter gefordert. „Unsere Studienergebnisse entlasten die katholische Kirche in keiner Weise", sagte er im Interview der „Zeit"-Beilage „Christ und Welt" am Donnerstag.

Die erste bundesweite Missbrauchsstudie für die evangelische Kirche und Diakonie (ForuM) wurde letzte Woche in Hannover vorgestellt. Wissenschaftler aus acht verschiedenen Institutionen, koordiniert von Martin Wazlawik, haben daran gearbeitet. Gemäß ihren Erkenntnissen ist das Ausmaß sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche größer als bisher bekannt. Eine wesentliche Ursache für viele Taten ist die besondere Machtposition der Geistlichen. 

Reformdebatten also Irrweg?

Die Behauptung, dass Reformdebatten in der katholischen Kirche ein Irrweg sind, weil auch in der evangelischen Kirche Missbrauch stattfindet, weist Wazlawik zurück.  „Das in unsere Studie hineinlesen zu wollen, wäre eine grobe Verzerrung und falsch." Eine Erkenntnis nicht nur der aktuellen Studie lautet:  „Sowohl strikt hierarchisch organisierte als auch föderale Laisser-faire-Organisationen haben ein Risiko für Machtmissbrauch und benötigen ihre eigenen Reformen, um das Risiko zu minimieren." Außerdem sagte er: „Vergleiche, bei wem es nun besser läuft oder schlechter ist, sind zynisch und betroffenenfeindlich."

Risiko für Machtmissbrauch minimieren

Für die evangelische Kirche in Deutschland ist die neue Studie nach Ansicht des Forschers nur der Beginn der Aufarbeitung. Es steht noch viel Arbeit für die Landeskirchen und die EKD bevor.  „Einer der nächsten Schritte muss sein, dass es zu einer systematischen Aufbereitung der einzelnen Fälle kommt." Dann könnte es auch um individuelle Verantwortung von Amtsträgern gehen. Das sei ein großes Anliegen der Betroffenen. Wazlawik betonte: „Der schnellste Weg aus der Krise ist, der Wirklichkeit ins Auge zu sehen. Eine stückweise Aufklärung führt nur dazu, dass die Krise zum Dauerzustand wird."

(kna - sb)

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01. Februar 2024, 13:37