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Anglikaner-Primas Justin Welby Anglikaner-Primas Justin Welby 

Anglikaner beim Weltkirchenrat in Karlsruhe: Trennung überwinden

Der Ehrenprimas der Anglikaner, Erzbischof Justin Welby von Canterbury, hat die Christen der Welt eindrücklich zur Einheit aufgerufen. In einer Zeit der weltweiten Krise könnten sie sich den „Luxus der Trennung" nicht länger leisten, sagte Welby am Mittwoch in Karlsruhe vor der Vollversammlung des Weltkirchenrats (ÖRK).

„Die Zeit des ökumenischen Winters ist vorbei", fügte er hinzu. Es gebe eine „Ökumene des Leidens", denn vielerorts würden Menschen getötet, „weil sie Christen sind", nicht weil sie einer bestimmten Konfession angehörten.

Welby sagte, ökumenische Einheit bedeute nicht Uniformität, sondern Einheit in Vielfalt. Vor Journalisten erläuterte der Erzbischof: „Wir müssen lernen, einander die Füße zu waschen, und nicht, Anweisungen zu erteilen."

„Wir müssen lernen, einander die Füße zu waschen, und nicht, Anweisungen zu erteilen“

Der Sekretär des Vatikanischen Einheits-Dikasteriums, Bischof Brian Farrell, sagte, die jahrzehntelange Zusammenarbeit der katholischen Kirche mit dem ÖRK sei inzwischen zu einer Partnerschaft geworden. Die nächste große Herausforderung werde darin bestehen, nicht nur nach Gemeinsamkeiten der verschiedenen Konfessionen zu suchen, sondern die Unterschiede näher zu betrachten und zu erkennen, ob sie kirchentrennend seien oder nicht. Dies könne die ökumenischen Beziehungen vertiefen.

Der Vertreter des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel beim ÖRK, Metropolit Job von Pisidien, sagte mit Blick auf den Krieg in der Ukraine, hier greife ein christliches Land ein anderes christliches Land an, und Christen töteten andere Christen. „Ist das wirklich das christliche Zeugnis, das wir der säkularen Welt geben wollen?", fragte er. Versöhnung sei eine zentrale Aufgabe der Christen, so der Metropolit: „Versöhnung innerhalb unserer Kirchen, zwischen den Kirchen, mit dem Rest der Menschheit und mit der Schöpfung." Zugleich begrüßte Job die Entscheidung des ÖRK, die russisch-orthodoxe Kirche nicht auszuschließen. „Wenn wir Dialog wollen, dann brauchen wir alle am Tisch."

Gemeinsame „Erklärung zur Einheit" geplant

Der Vollversammlung liegt eine „Erklärung zur Einheit" zur Abstimmung vor. Sie legt das Leitwort „Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt" auf die zwischenkirchlichen Beziehungen hin aus und spricht sich für eine „Ökumene des Herzens" aus. Die Versammlung mit rund 4.000 Teilnehmenden aus 120 Staaten endet am Donnerstag.

(kna - sst)

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07. September 2022, 13:56