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Blick auf den Kölner Dom Blick auf den Kölner Dom 

D: Erzbistum Köln weist Vorwürfe zurück

Das Erzbistum Köln hat in der Missbrauchskrise Vorwürfe einer „Instrumentalisierung" des Betroffenenbeirats zurückgewiesen. „Es wurde die Be­hauptung aufge­stellt, dass im Oktober 2020 durch ein ,Drehbuch' einer Krisen­kommunika­tions­agen­tur der Betroffenen­beirat instru­mentali­siert werden sollte. Das ist definitiv falsch – wir haben nicht nach einem Dreh­buch Dritter gehandelt", heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben des Erzbistums.

Das Erzbistum Köln veröffentlichte auf seiner Internetseite ein von Generalvikar Guido Assmann unterzeichnetes Schreiben, das dieser am Mittwoch an die Mitarbeiter des Erzbistums gerichtet habe. Anlass sei, so heißt es in dem Text,  dass sowohl intern als auch in der Öffentlichkeit durch Medienberichte „Irritationen", Fragen und „falsche Schlüsse" entstanden seien.

Der Generalvikar betont, dass im Umgang mit Missbrauchsbetroffenen „ immer und ausschließ­lich die Be­troffenen­per­spektive" handlungsleitend gewesen sei, so wie es der Kölner Erz­bischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, vorgegeben habe. Es sei „niemals Druck auf ein­zelne oder mehrere Teil­nehm­er" des Betroffenenbeirats im Erzbistum Köln aus­geübt worden.

Radio Vatikan Podcast: Missbrauchsaufarbeitung - Erzbistum Köln weist Vorwürfe zurück

„Im Umgang mit Betroffenen noch sensibler werden“

Zuvor hatte der „Kölner Stadt-Anzeiger" über interne Unterlagen von Woelkis PR-Beratern berichtet. Demnach rieten die Fachleute dem Kardinal und seinem damaligen Generalvikar Markus Hofmann unter anderem, den Betroffenenbeirat des Erzbistums auf ihre Linie zu bringen, was einen Gutachter-Wechsel im Oktober 2020 anging. Die Berater sollen Tipps gegeben haben, wie dieses Ziel zu erreichen und die Betroffenen zu überzeugen seien. Später zogen sich mehrere Mitglieder des Betroffenenbeirats aus dem Gremium zurück. Sie seien bei der Zustimmung zu dem Gutachter-Wechsel überrumpelt worden und fühlten sich ein zweites Mal missbraucht. 

Der Bericht hatte Kritik auch aus den eigenen Reihen unter anderen von ranghohen Kirchenvertretern hervorgerufen, etwa bei den Stadtdechanten Frank Heidkamp in Düsseldorf, Robert Kleine in Köln, Wolfgang Picken in Bonn und Bruno Kurth in Wuppertal.

Kardinal Woelki
Kardinal Woelki

„Weder wollten wir in­strumen­talisieren, noch auch einen solchen Verdacht irgend­wie nähren“

Der Kölner Generalvikar Assmann nimmt mit folgenden Worten Stellung: „Jeder hatte die faire und rea­listische Mög­lich­keit, sich frei zu äußern. Wäre das Votum des Bei­rats anders ausge­fallen, wäre komplett neu nach­gedacht worden. Dass die Sitzung im Oktober 2020 im Nach­gang von den Be­troffenen, die an der Sitzung teil­genommen haben, unter­schied­lich bewertet wird und sich ein Be­troffener instrumen­talisiert fühlt, zeigt mir, dass wir im Umgang mit Be­troffe­nen noch sen­sibler werden müssen."

Wille, Straftaten akribisch aufzudecken

Eine externe Beratung sei in der Situation nötig gewesen, erklärt Assman weiter. Die Agentur habe „Handlungs­empfehlung­en mit auf den Weg gegeben, Vor­schläge gemacht und Szenarien entwickelt", wie es üblich sei bei einer Beratung. „Natürlich haben wir nicht alle Vor­schläge in Wort und Tat umge­setzt. Weder wollten wir in­strumen­talisieren, noch auch einen solchen Verdacht irgend­wie nähren. Letzteres ist leider nicht gelungen", so das Fazit des Generalvikars. Bei Ge­sprächen mit dem Be­troffenen­beirat seien übrigens keine Vertreter der Agen­tur dabei gewesen, betont er.

Assmann versichert mit Blick auf Missbrauch auch, das Erzbistum Köln werde „weiter keine Sekun­de darin nach­lassen, solche Straf­taten akri­bisch aufzu­decken", und sichert seine sowie Kardinal Woelkis „volle Unter­stützung"  dabei zu.

Kommunikation über Medien „unerfreulich"

Der Verwaltungschef des Erzbistums führt zudem aus, dass es seiner Meinung nach „nicht ziel­führend und sehr uner­freulich" sei, „zu glauben, dass man nicht mit­einander, sondern über­einander in den Medien" reden müsse. 

Das „Durch­stechen eines vertrau­lichen Papiers mit den an­schließen­den Speku­lationen und mitunter völlig falschen Inter­preta­tionen" habe Ver­dächtigung­en befördert. Daraus werde „in einigen Medien nun ein Riesen­skandal" - dies sei sachlich jedoch gar nicht gerechtfertigt, heißt es in dem Schreiben.

(erzbistum köln-sst)

 

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11. August 2022, 10:15