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Endspiel der Frauenfußball-EM in London Endspiel der Frauenfußball-EM in London 

Frauen-EM in London: Schade, aber toll...

Trotz großem Einsatz hat es dann doch nicht ganz zum Titel gereicht. Deutschland hat gegen England 2:1 im Finale der Frauen-EM verloren. Für die Olper Franziskanerin Katharina Hartleib schmälert das die Begeisterung aber kaum. Das sagte sie im Interview mit dem Kölner Domradio.

DOMRADIO.DE: Was war Ihr erster Gedanke als Fan nach dem Schlusspfiff?

Sr. Katharina Hartleib OSF (Olper Franziskanerin): Schade, aber toll! Weil: Wir haben ein so wunderbares Turnier gespielt. Zwischendurch hatte das ja mal eine der Spielerinnen so sehr drastisch gesagt, kein Schwein habe mit ihnen gerechnet. Bei den letzten Turnieren waren sie immer im Viertelfinale rausgeflogen und man dachte schon, die Dominanz ist vorbei. Alle anderen haben aufgeholt und wir treten auf der Stelle. Und das war dieses Jahr so anders, dass es einfach nur toll war.

DOMRADIO.DE: Das Endspiel haben viele auch als etwas unfair empfunden, Entscheidungen der Schiedsrichterin, Spiel auf Zeit der Engländerinnen. Was sagen Sie dazu?

Sr. Katharina: Sehe ich genauso. Ich habe gedacht: Hey, das ist ein Finale, da kann man doch nicht einfach so über Dinge hinweggehen. Was mich ein bisschen erschrocken hat, war die letzte Viertelstunde, die wirkliche Unfairness der Engländerinnen da in der rechten Ecke. Man könnte es aber auch Coolness nennen, das wird wahrscheinlich die Trainerin dem Team noch mal sehr deutlich gesagt haben. Aber ich fand das trotzdem nicht fair.

Hier das ganze Interview zum Nachhören

Aber insgesamt im Unterschied zu früheren Turnieren, auch zu früheren Spielen war doch erstaunlich, dass die Spielerinnen, auch die Deutschen, zwar unglaublich engagiert gespielt haben, aber nie unfair waren. Was ich im Männerfußball in den letzten Jahren schon lange nicht mehr schön finde, ist ja dieses Sauergemecker der Spieler an allem. Und dass die so lange liegen bleiben, bis sie die Entscheidung kriegen, die sie wollen und dass sie so lange meckern und schimpfen. Das war bei den Frauen nicht der Fall und das hat mich sehr beeindruckt.

„Die deutschen Spielerinnen sind immer fair geblieben - ihre Gegnerinnen nicht...“

DOMRADIO.DE: Ziehen wir mal eine Bilanz zur EM insgesamt. Frauenfußball ist präsenter geworden. Empfinden Sie das auch so in Ihrem Umfeld?

Sr. Katharina: Auf alle Fälle. Ich war die letzten beiden Tage in meinem Urlaub noch bei meinen Brüdern zu Hause. Und einer ist wirklich Fußballfan. Aber der sagte, Frauenfußball hat er nie geguckt, das war einfach nicht seins, wie man so sagt. Und der sagte mir dann, die Frauen hätten so einen tollen Fußball gespielt. Meine Nichten und Neffen sagen sowieso, dass es zwar einen Unterschied in der Spielweise gebe, das ist klar. Aber das sei mittlerweile ein so flotter Fußball, dass es einfach wunderbar sei, das anzuschauen. Und hier in Olpe haben wir im Garten geschaut und Public Viewing mit Grillen gemacht und man merkte, in der Stadt war es ganz still. Es waren ganz viele Leute am Fußball gucken.

DOMRADIO.DE: Die Quote sieht wirklich gut aus. Was würden Sie denn den deutschen Spielerinnen gerne sagen, wenn Sie jetzt eine Ansprache in der Kabine halten müssten?

Sr. Katharina: Ich würde sagen: „Ihr wart so unbeschreiblich gute Botschafterinnen dieses Fußballs. Und dieses Finale zu verlieren ist tragisch, aber es ist auch aufbauend, so wie ihr gespielt habt. Und wenn dann die beste des Turniers kurz vorher absagen muss, seid ihr alle dafür eingesprungen. Aber dann hat vielleicht so dieser letzte Kopfball von Alexandra Popp gefehlt und ihr braucht euch nicht genieren. Freut euch auf den Römer in Frankfurt.“

Das Interview führte Michelle Olion.

(domradio – mg)

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01. August 2022, 10:48