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Priester in der Ukraine zelebrieren das Begräbnis für einen jungen Mann, der während eines russischen Raketenangriffs getötet wurde Priester in der Ukraine zelebrieren das Begräbnis für einen jungen Mann, der während eines russischen Raketenangriffs getötet wurde 

D/Ukraine: Kirche hilft nach Kräften

Die Flüchtlinge so gut versorgen wie es geht, und den Menschen in den Schutzräumen beistehen: Die griechisch-katholische Kirche der Ukraine hilft nach Kräften. Klöster sind wichtige Zentren für Flüchtende. Die Ukrainerin Mariya Sharko arbeitet in der Fachstelle Weltkirche im Bistum Münster und hält Kontakt zu Priestern und Klöstern in der Ukraine. Sie berichtet im Interview mit dem Kölner Domradio, dass viele Priester und Priesteramtskandidaten trotz der Gewalt für die Gläubigen da sein wollen.

DOMRADIO.DE: Sie haben Kontakt mit dem griechisch-katholischen Priesterseminar in Lwiw, also in Lemberg, das ist im Westen der Ukraine. Wie ist dort die Situation im Moment?

Mariya Sharko (Fachstelle Weltkirche im Bistum Münster): „Ich habe regelmäßigen Kontakt zum Subregens des Priesterseminars und der berichtet mir auch ein wenig von den Priesteramtskandidaten. Der laufende Betrieb im Priesterseminar ist jetzt eingestellt und die 189 Priesteramtskandidaten, die da eigentlich studieren, durften eigentlich nach Hause zu ihren Eltern fahren. Die meisten aber sagen, sie bleiben doch im Priesterseminar und versuchen hier vor Ort zu helfen, soweit wir können.

Das heißt, die engagieren sich ehrenamtlich für die Flüchtlinge zum Beispiel, die im Priesterseminar untergebracht sind. Oder sie fahren zur ukrainisch-polnischen Grenze und versorgen da die Menschen, die über die Grenze fliehen wollen, mit Essen. Oder sie unterstützen die anderen Priester in den Gemeinden, wo sie auch mit Flüchtlingen arbeiten oder auch mit Obdachlosen draußen auf der Straße. Sie sind außerdem auf dem Lemberger Bahnhof, wo die meisten Flüchtlinge dann ankommen und helfen dort.“

Hier das Interview des Kölner Domradios mit Mariya Sharko zum Nachhören

Ehrenamtlicher Einsatz

DOMRADIO.DE: Das heißt, die Männer, die sich zu Gottesmännern ausbilden lassen möchten oder schon ausgebildet sind, die sind derzeit in humanitärer Hilfe engagiert. Jetzt ist ja die Frage, wie sich die Lage weiterentwickelt. Wenn es zu einer General-Mobilisierung kommt, müssten dann eigentlich auch die Priester und Priesteramtskandidaten an die Waffen?

Sharko: „Es ist so, dass sie vom Alter her eigentlich wehrpflichtig sind, aber da sie im Priesterseminar studieren, oder schon Priester sind, dürfen sie eigentlich keine Waffen in die Hand nehmen. Dafür bekommen sie eine bestimmte Bestätigung von der Leitung des Priesterseminars. Aber wenn es tatsächlich um die Gesamt-Mobilisierung gehen würde, was wir jetzt im Moment nicht hoffen, dann könnten sie auch einbezogen werden. Allerdings in andere Bereiche, zum Beispiel um die Verwundeten zu versorgen oder eben Essen zu kochen für Soldaten, die an der Front sind. Für solche Sachen könnten sie trotzdem mobilisiert werden.“

„Die Situation im Erzbistum Kiew ist natürlich sehr dramatisch, weil da die Lage von Tag zu Tag schlimmer wird“

DOMRADIO.DE: Sie sind auch in Kontakt mit dem Bistum in Kiew. Wie gestaltet sich dort die Situation?

Sharko: „Die Situation im Erzbistum Kiew ist natürlich sehr dramatisch, weil da die Lage von Tag zu Tag schlimmer wird. Die Stadt wird regelmäßig beschossen. Wir haben dort eine Ausgangssperre aktuell. Man darf gar nicht nach draußen gehen.

Es sind aber sehr viele Priester vom Erzbistum Kiew dort, die geblieben sind. Und die gehen weiterhin ihren seelsorgerischen Tätigkeiten nach. Das heißt, zum Beispiel in der Kathedrale in Kiew wird regelmäßig Gottesdienst gefeiert, der wird sogar live gestreamt. Man kann sich täglich die Gottesdienste online angucken. Viele der Priester sind mit den Menschen in den Kellern, in den Bunkern und versuchen da die Menschen zu beruhigen.

Sie feiern mit ihnen Gottesdienste, die hören die Beichte und versuchen auf diese Art und Weise zu helfen. Die sind einfach für die Menschen da. Viele Priester in der Ukraine sind ja verheiratet. Ich kenne einen Priester, der hat seine Familie, seine Frau und vier Kinder weggeschickt und hat gesagt: Ihr müsst ausreisen. Er ist aber vor Ort geblieben.“

Bombardierung in Kiew, Bild vom 18. März
Bombardierung in Kiew, Bild vom 18. März

DOMRADIO.DE: Dann gucken wir mal noch in die Klöster, die es ja auch in der Ukraine an verschiedenen Orten gibt. Wissen Sie, wie die Situation dort ist?

Sharko: „Ja, die Klöster sind jetzt momentan tatsächlich die Anlaufsorte für Flüchtlinge. Die Menschen suchen Schutz in den Klöstern, weil sie hoffen, dass solche Orte nicht unter Beschuss geraten. Wir haben zum Beispiel jetzt aktuell vom Bistum Münster ein Kloster im Westen der Ukraine unterstützt. Die haben jetzt schon über 200 Flüchtlinge aufgenommen und versuchen ihnen zu helfen und zu unterstützen. Also, fast alle Klöster in der Ukraine leisten im Moment unglaubliche Flüchtlingsarbeit.“

DOMRADIO.DE: Und das, was Sie jetzt von Münster aus tun können, ist, Sie haben es gerade schon angerissen, dass Sie Spenden sammeln und so die Menschen unterstützen. Gibt es noch mehr, was Sie tun können?

Sharko: „Spenden sammeln ist das eine, aber wir unterstützen auch regelmäßig seit Jahren schon unsere Partner in der Ukraine. Es gibt bestimmte Gelder, die von der Fachstelle Weltkirche vom Bistum Münster zur Verfügung gestellt werden, mit denen wir unsere Partner vor Ort unterstützen.

Vom Bistum Münster sind es also aktuell tatsächlich finanzielle Hilfen. Ich bin auch stark in der ukrainischen Gemeinde in Münster engagiert, da sammeln wir tatsächlich Spenden und wir kaufen zum Beispiel medizinische Sachen und schicken sie in die Ukraine. Wir sammeln auch Sachspenden wie Hygieneartikel oder Lebensmittel. Wir tun eigentlich alles, was wir können, was möglich ist.“

„Wir tun eigentlich alles, was wir können, was möglich ist“

DOMRADIO.DE: Sind nach Münster viele Menschen aus der Ukraine geflüchtet?

Sharko: „Münster als Stadt hat aktuell 890 Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen. Es sind enorm viele Menschen, da hat die ukrainische Gemeinde momentan nicht zu allen Menschen Kontakt. Aber wir versuchen nach und nach in die Flüchtlingsunterkünfte zu gehen und die Menschen nach Möglichkeit zu betreuen. Wir haben hier sehr viele ehrenamtliche Ukrainerinnen und Ukrainer, die sich abwechseln, um den Menschen zu helfen, etwa bei Behördengängen, bei Übersetzungen, bei der Kinderbetreuung oder wenn irgendetwas gebraucht wird, zum Beispiel bestimmte Kleidergrößen für Kinder oder für Frauen.“

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(domradio - cs)

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18. März 2022, 15:18