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D/Ukraine: Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen ist groß

Immer mehr Menschen aus der Ukraine flüchten in die umliegenden Länder. Wie wird mit ihnen umgegangen und welche Maßnahmen ergreifen die Länder? Die Hilfsbereitschaft sei groß, sagt Stefan Keßler vom Jesuitenflüchtlingsdienst gegenüber dem Kölner Domradio.

Die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine sind in Deutschland angekommen. „Im Moment funktionieren alle nur und gucken, dass sie den Alltag schaffen“, so Irene Porsch, die Flüchtlingsbeauftragte des Kölner Diözesan-Caritasverbandes. Generell seien die Hilfswerke in Deutschland gut aufgestellt in Zusammenarbeit mit den Kommunen und den Wohlfahrtsverbänden.

Zum Nachhören - wie groß die Hilfsbereitschaft für die Ukraine ist

Mit bis zu vier Millionen Flüchtlingen aus der Ukraine rechnen die Vereinten Nationen. Bis jetzt sind wohl schon über eine halbe Million Menschen aus der Ukraine in umliegende Länder geflüchtet, darunter Polen, Ungarn, Rumänien, die Slowakei und auch Russland. Stefan Keßler, stellvertretender Direktor des Jesuitenflüchtlingsdienstes in Deutschland, sagt dazu: „Wir hören überall von einer großen Hilfsbereitschaft, gerade auch von der jeweiligen Bevölkerung. Gerade bei Polen ist es besonders nachvollziehbar, weil ja zum Teil die Menschen aus der Ukraine die Vettern und Cousinen der Menschen in Polen sind. Wir hoffen, dass die Europäische Union am kommenden Donnerstag beschließen wird, einen Mechanismus in Gang zu setzen, der den Menschen aus der Ukraine einen Status zum vorübergehenden Schutz ermöglichen würde. Das würde viele Fragen und viele Probleme zumindest zeitweise erst einmal lösen.“

Sieben Minuten Glockengeläut für den Frieden

Verschiedene Religionsgemeinschaften haben ihre Solidarität mit den Menschen in der Ukraine bekräftigt. So sollten in vielen Kirchen Europas am Donnerstagmittag die Glocken sieben Minuten lang für den Frieden läuten. Derweil riefen die deutschen katholischen Bischöfe zur Unterstützung für die Menschen in der Ukraine auf. „Öffnen wir Flüchtlingen unsere Türen und Herzen“, forderte der Augsburger Bischof Bertram Meier. Er beging den Aschermittwoch gemeinsam mit seinem Amtsbruder für die katholischen Ukrainer des ostkirchlichen Ritus in Deutschland und Skandinavien, Bischof Bohdan Dzyurakh. Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker sagte zu Aschermittwoch mit Blick auf den Krieg: „Wirklicher Friede erwächst aus einem echten Miteinander und aus Respekt vor der Andersheit der Mitmenschen, vor der Andersheit unserer nächsten Nachbarn.“

Friedensdemo
Friedensdemo

Es gebe noch offene rechtliche Fragen. Es sei jetzt aber erst mal die große Unsicherheit, welchen Aufenthaltsstatus die Menschen aus der Ukraine denn in der Europäischen Union bekommen würden, erläutert Keßler. „Im Augenblick haben sie keinen anderen Status als Touristen. Das hätte natürlich zur Folge, dass die Menschen zum Beispiel nicht arbeiten dürfen. Wenn sie einen Status als vorübergehend Geschützte bekommen, dann haben sie das Recht, auch erst mal zu bleiben, bekommen eine Aufenthaltserlaubnis und haben das Recht, sich eine Arbeit zu suchen und zu arbeiten. Das wäre eine große Hilfe für die Integration in die jeweilige Aufnahmegesellschaft.“ Am Ende entscheide die EU, dass Menschen aus der Ukraine Flüchtlinge sind und als solche anerkannt würden. Keßler: „Es würde jetzt nicht eine Anerkennung als Flüchtling bedeuten, sondern es wäre ein eigener Status. Es gibt seit 2001 eine europäische Richtlinie zum vorübergehenden Schutz. Die ist bisher nie angewandt worden. Das wäre also jetzt das erste Mal. Diese Richtlinie sieht vor, dass solche Menschen einen eigenen Status unabhängig vom Asylverfahren und unabhängig von der Flüchtlings-Anerkennung bekommen, mit dem sie dann eine Aufenthaltserlaubnis haben und arbeiten dürfen.“

Die Hilfsmaßnahmen sollten sich seiner Meinung nach zudem nicht nur auf Ukrainerinnen und Ukrainer beschränken, also solche mit ukrainischer Staatsangehörigkeit, sondern auch auf Menschen, die zum Beispiel wegen der Diktatur in Belarus in die Ukraine geflohen waren und jetzt wieder fliehen müssen. Auch die können nirgendwohin zurück. Und auch für die muss gesorgt werden.

(domradio – mg)

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03. März 2022, 14:01