Suche

Das Kernkraftwerk Bugey in Saint-Vulbas in Ostfrankreich Das Kernkraftwerk Bugey in Saint-Vulbas in Ostfrankreich 

D/EU: „Uran und auch Erdgas sind keine grünen Energiequellen“

Die EU-Kommission hat die Energiegewinnung aus Erdgas- und Atomanlagen als klimafreundlich eingestuft. Das katholische Hilfswerk Misereor kritisiert dies: damit werde der Weg für erneuerbare Energien erschwert. Das sagt im Gespräch mit Radio Vatikan Madeleine Wörner, Referentin für Energiepolitik bei Misereor.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Vor allem Frankreich drang mit Nachdruck auf eine Einstufung der Atomkraft als nachhaltig. Auch Polen und weitere osteuropäische Länder bat die EU-Kommission, Atomstrom als klimafreundlich anzuerkennen. Ungeachtet massiver Kritik stufte deshalb die EU-Kommission Investitionen in neue Gas- und Atomkraftwerke unter bestimmten Auflagen als klimafreundlich ein. Entschieden dagegen ist Misereor, wie Madleine Wörner im Interview sagt. „Aus unserer Sicht ist das allerdings sehr gefährlich, denn es wird der Weg hin zu 100-prozentigen erneuerbaren Energien erschwert und außerdem entstehen auch unverantwortbar Risiken für die Schöpfung, also für uns alle“, erläutert die Fachfrau.

Hier das Interview mit Madleine Wörner von Misereor

Die Entscheidung der EU sei letztendlich eine Folge der lange verschleppten Energiewende, deshalb sei diese „strategische Entscheidung“ in Brüssel getroffen worden. „Die Mittel und die Zeit hin zu einer Energiewende und zu einer nachhaltigen Zukunft sind begrenzt“, betont Wörner. Es müssten jedoch die Mittel eigentlich dort eingesetzt werden, „wo sie am meisten wirken“, fügt sie an. „Und das müsste das sein, was die Märkte antreiben können und auch Zukunftstechnologien vorantreiben“, sagt Wörner.

Problem des Greenwashing

Gas und auch Atomkraft führten eher zu Greenwashing. Das bedeutet, dass ein Produkt nachhaltig und ökologisch angepriesen wird, obwohl es dann gar nicht so nachhaltig ist, wie zuvor beschrieben. Firmen wollen dadurch ihr ökologisches Image verbessern. Gerade im Winter seien Methanemissionen 20- bis 30-mal schlimmer als CO2-Emission und die Methanemissionen würden hierbei auch noch bei der Förderung höher sein.

Im Übrigen sei das auch ein schlechtes Zeichen für den Süden der Welt, hebt die Expertin hervor: „Das wäre eine sehr schlechte Signalwirkung, denn die massiven Menschenrechtsverletzungen und auch die Umweltverschmutzung sind ja bekannt. Zum Beispiel sehen wir das in Mosambik, in der es sogar Militärinterventionen gibt.“ Der Süden der Welt würden jetzt schon unter den Folgen des Klimawandels leiden. Wörner nennt die Dürren oder Überflutungen. „Und wir drängen nun natürlich darauf, dass der Vorschlag abgelehnt wird“, so die Referentin für Energiepolitik bei Misereor.

Der Beschluss der EU

Der nun angenommene Rechtsakt der EU sieht vor, dass Investitionen in neue Gaskraftwerke bis 2030 als nachhaltig gelten, wenn sie unter anderem schmutzigere Kraftwerke ersetzen und bis 2035 komplett mit klimafreundlicheren Gasen wie Wasserstoff betrieben werden. Theoretisch können die Mitgliedstaaten oder das Europaparlament das geplante Inkrafttreten der neuen Regeln 2023 noch verhindern. Allerdings gilt dies wegen der hohen Hürden als schwierig: So müssten mindestens 20 Mitgliedstaaten dagegen stimmen oder aber eine absolute Mehrheit im Europaparlament. Eine Ablehnung gilt daher als unwahrscheinlich.

(vatican news)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

05. Februar 2022, 11:50