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Vatican News
Kardinal Reinhard Marx bei einem Pressestatement zu seinem Rücktrittsangebot  Kardinal Reinhard Marx bei einem Pressestatement zu seinem Rücktrittsangebot   (AFP or licensors)

D: Gemeinden sind nicht am „toten Punkt“

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) ist nach Aussage ihres Sprechers, Matthias Kopp, „froh“, dass Kardinal Marx nun „weitermachen“ müsse. Das sagte Kopp nach der Ablehnung des Rücktrittsgesuch des Münchner Erzbischofs durch Papst Franziskus in der Sendung „Wortwechsel“ des Deutschlandfunks.

Der unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, sagte Kardinal Marx sei „eine starke Kraft, um unabhängige Aufarbeitung in der katholischen Kirche umzusetzen“.

Kardinal Marx hatte mit Blick auf die Missbrauchsaufarbeitung gesagt, die Kirche sei an einem „toten Punkt“ angelangt und umfassende Reformen gefordert. Die frühere Ratspräsidentin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, wies im Deutschlandfunk diesbezüglich auf die Arbeit vieler lebendiger katholischer Gemeinden hin:

„Es tut mir leid für die Katholikinnen und Katholiken vor Ort, die wacker in ihren Gemeinden Seelsorge betreiben, unter sehr schwierigen Umständen oft Gottesdienste aufrechterhalten, sich im besten Sinne um die Schwachen, auch um Kinder kümmern, wo Vertrauen möglich ist. Um die tut es mir leid, weil die sind an einem Punkt, an dem sie sehr belastet sind durch die öffentlichen Debatten um diesen unfassbaren Missbrauch, auch in der evangelischen Kirche.“

„Natürlich ist der Missbrauchsskandal ein gigantischer Skandal“

Dem stimmte DBK-Sprecher Kopp zu: „Natürlich ist der Missbrauchsskandal ein gigantischer Skandal, der uns in eine der tiefsten Kirchenkrisen geführt hat, aber gleichzeitig wird Großartiges in den Gemeinden geleistet und da haben wir keinen ‚toten Punkt‘. Da haben wir sogar eine erstaunlich gute Lebendigkeit.“

Christiane Florin vom Deutschlandfunk warnte davor, das Positive, was in den christlichen Kirchen getan werde, mit dem Schrecklichen, was an Missbrauch passiert sei, zu „verrechnen“:

„Die Tatsache, dass in beiden Kirchen sehr viel Gutes geschieht, dass dort auch gute Leute arbeiten, ehrenamtlich oder hauptamtlich, die kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Strukturen vergiftet sind. Ich glaube, man muss sich dieser Vergangenheit wirklich stellen und auch wirklich aussetzen.“

„Da gibt es kein Sonderrecht der Kirche“

Auch Käßmann betonte, das Leid der Opfer von Missbrauch sei „mit nichts zu verrechnen“. Florin kritisierte, dass politische Vertreter gegenüber den Kirchen auch beim Thema Missbrauch versuchten, ein „kooperatives Verhältnis“ zu wahren und forderte mehr staatliche Kontrolle ein. „Beim Thema Missbrauch ist doch Kooperation völlig falsch. Da braucht man doch Konfrontation, um irgendetwas rauszufinden.“

Der unabhängige Bundesbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, verwies darauf, dass es in Deutschland kein „Kirchenprivileg für sexuellen Missbrauch“ gebe. „Wenn Missbrauch noch nicht verjährt ist und das der Staatsanwaltschaft, der Polizei bekannt wird, dann wird ermittelt, dann wird durchsucht, dann wird beschlagnahmt. Da gibt es kein Sonderrecht der Kirche."

(deutschlandfunk - sst)

 

12 Juni 2021, 11:41