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Kardinal Woelki Kardinal Woelki  (AFP or licensors)

Vertrauenskrise im Erzbistum Köln: Es braucht Dialog

Am Wochenende kamen Bistumsspitze und Gremien in Köln zusammen. Thema war die Krise im Erzbistum; auch die Vertrauensfrage gegenüber der Bistumsleitung um Kardinal Rainer Maria Woelki kam auf. Deutlich wurde aber auch ein gemeinsames Interesse aller, diese Krise zu überwinden.

Am Freitag und Samstag tagte in Bensberg das wichtigste Beratungsgremium für den Erzbischof: der Diözesanpastoralrat. Gerade in der aktuellen Krise war dies eine mit Spannung erwartete Zusammenkunft der 75 Delegierten. Unter ihnen sind neben Führungskräften der Erzdiözese Vertreter der Priester, Diakone, Orden und pastoralen Mitarbeiter sowie zehn Laien aus dem Diözesanrat. Mit dabei war auch der Bonner Stadtdechant, Wolfgang Picken. Er berichtete anschließend im Kölner Domradio:

„Es waren sehr heiße Tage. Die Mitglieder des Diözesanpastoralrats haben schon zu Beginn in sehr bewegenden Beiträgen ein erschreckendes Bild davon gezeichnet, wie überwältigend groß die Krise im Erzbistum Köln ist. (…) Unter den Mitgliedern war also schon zu Beginn eine Einigkeit darüber zu spüren, dass es so wie bisher nicht weiter geht. Können Bistumsleitung und Diözese, das war die Frage, die im Raum stand, weiterhin die Zukunft miteinander gestalten? Und eindeutig war auch die Forderung nach Veränderung, nach mehr Vertrauen und Dialog, nach - ja, man könnte sagen - mehr Beteiligung und Transparenz.“

Hier im Audio: Vertrauenskrise im Erzbistum Köln - Es braucht Dialog

„Forderung nach Veränderung, nach mehr Vertrauen und Dialog, nach - ja, man könnte sagen - mehr Beteiligung und Transparenz“

Bei der Sitzung des Beratungsgremiums äußerte ein Großteil der Delegierten, dass ihr Vertrauen in den Erzbischof erschüttert sei, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Der Vertrauensfrage sei schon am ersten Abend ein Spitzname gegeben worden, nämlich „der weiße Elefant", berichtete Picken. 

Interesse aller, die Krise zu überwinden

„Es wäre nach meinem Empfinden deshalb klug gewesen, wenn die Verantwortlichen das wahrgenommen und ausgesprochen hätten. Aber ich finde es in jedem Fall ein gutes Zeichen, dass die Mitglieder dann den Mut aufgebracht haben, das scheinbar Unaussprechliche auch einmal auszusprechen. Auch war als verbindendes Element zu spüren, wie groß das Interesse aller daran ist, die Kirche von Köln aus dieser gravierenden Krise herauszuführen.“

Der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, hatte zum Auftakt der Sitzung dazu aufgerufen, angesichts der konträren Positionen und Spannungen „in kleinen Schritten" aufeinander zuzugehen. Am Sonntag äußerte er sich zudem öffentlich im „Wort des Bischofs“ im Domradio. Woelki antwortete dort auf den Vorwurf, er würde keine Verantwortung übernehmen:

„Ja, diese Leute haben eigentlich völlig Recht – es geht um Verantwortung. Und die übernehme ich, indem ich versuche, vergangenes Unrecht wieder gut zu machen. Das gehört zur Umkehr, zur Buße dazu, wie wir sie in der Kirche seit jeher kennen. Dazu gehört es für mich auch, stellvertretend Verantwortung für vergangenes Unrecht zu übernehmen. Immerhin geht es um ein gutes Stück Gerechtigkeit für die Betroffenen.“

„Stellvertretend Verantwortung für vergangenes Unrecht übernehmen“

Der Kölner Kardinal ging auch konkret auf das Thema Missbrauch ein. Im Erzbistum Köln gibt es Kritik am Umgang mit Missbrauchsfällen und der Aufarbeitung dieser, auch der Erzbischof ist betroffen. Als „großen Fehler" bezeichnete Woelki vor dem Diözesanrat Berichten nach die Beförderung des Düsseldorfer Pfarrers D. 2017 zum stellvertretenden Stadtdechanten. Dieser hatte vor 20 Jahren sexuellen Kontakt zu einem 17-jährigen Prostituierten. Bislang hatten Woelki und sein Generalvikar Markus Hofmann die Personalentscheidung mit der Begründung verteidigt, es habe sich um einen einmaligen und bereuten Vorfall gehandelt. In seinem Wort des Bischofs bekräftigte Woelki, es gehe darum, auch für die Zukunft Verantwortung zu übernehmen:

„Für die geschehenen Untaten an betroffenen sexualisierter Gewalt übernehme ich also auch Verantwortung, indem ich mich für eine bessere Zukunft engagiere. Als Bischof, als Christ, als Mensch. Denn Verantwortung heißt, sich in die Pflicht nehmen lassen. Das sind Pflichten, denen sich jeder - je nach Rolle in der Gesellschaft und in der Familie, auch in der Kirche – zu stellen hat. Nicht die Hände in den Schoß legen, sondern besser machen, mit aller Kraft.“

„Nicht die Hände in den Schoß legen, sondern besser machen, mit aller Kraft“

Die nächsten Schritte

Wie mit dem Konflikt besser umgegangen werden kann und wie gemeinsam Lösungen gefunden werden können, dabei soll bei der nächsten Sitzung des Diözesanpastoralrats im September auch ein externer Berater für Konfliktbesprechung helfen. Diesen hinzuzuziehen, war bei der Sitzung dieses Wochenende vereinbart worden. Der Bonner Stadtdechant Picken erinnerte im Interview mit dem Kölner Domradio  zudem daran, dass die von Papst Franziskus beauftragten Apostolischen Visitatoren ihren Besuch in Köln erst jüngst abgeschlossen hatten und das Ergebnis noch aussteht:

„Zunächst warten wir alle ja mal gespannt darauf, wie der Heilige Vater nach der Apostolischen Visitation die Lage bewertet - und wenn es dann zur Sitzung im September kommt, soll in der Tat ein externer Moderator eine tabulose Analyse ermöglichen. Wenn die Verantwortlichen da mitgehen und zu deutlichen Veränderungen bereit sind, könnte das wirklich ein Weg der kleinen Schritte sein, von dem der Kardinal spricht. Sicher ist aber das nicht... Es ist ja leider, das muss man sagen, ein Ausdruck unserer Krise, dass wir in ihr feststecken und keiner wirklich weiß, wo ein Ausweg ist. Also bleibt in gewisser Hinsicht - das gehört ja zur Kirche und zum Glauben dazu - nur hoffen und beten. “

(domradio/kna - sst)

21 Juni 2021, 13:10