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Katholische Osterprozession in Tomsk Katholische Osterprozession in Tomsk 

Russland: Neue Hürden für ausländische Geistliche

Die katholische Kirche in Russland kritisiert neue Hürden für ausländische Geistliche im Land. Ein kürzlich von Staatspräsident Wladimir Putin unterzeichnetes Gesetz erlaubt eine dauerhafte Tätigkeit als Seelsorger nur noch Personen, die in Russland eine entsprechende Ausbildung absolviert und ein Zertifikat erworben haben.

„Natürlich sind wir besorgt; aber wir haben selbstverständlich angefangen, Studienprogramm und Prüfungen vorzubereiten“, sagte der Generalsekretär der Russischen Bischofskonferenz, der Jesuit Stephan Lipke, der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Das Gesetz bedeute ein zusätzliches Hindernis für Geistliche, die neu einreisen. „Es sollte aber zu meistern sein“, so der Generalsekretär. Ein neu beginnender Seelsorger müsse sich in seiner ersten Zeit in Russland zunächst auf seine hiesige Prüfung vorbereiten.

Schon im Land arbeitende Kirchenleute nicht betroffen

Letztlich könne sich das laut Lipke „sogar positiv auswirken, indem es uns zwingt, mehr die Kultur, Sprache, Geschichte und Grundzüge der Orthodoxie kennenzulernen und - hoffentlich - darauf einzugehen“.

Das Gesetz betrifft nach seinen Worten alle Personen, die in Gottesdienst und Katechese tätig werden wollen. Von der russischen Zertifikatspflicht sind die bereits im Land arbeitenden Geistlichen befreit; ebenso Personen, die nur einmalig einen Gottesdienst feiern.

Gesetz soll Handhabe gegen Extremismus liefern

Jährlich kamen zuletzt etwa 20 katholische Geistliche und Ordensfrauen aus dem Ausland nach Russland. Die Prüfungen sollen laut Lipke die vier katholischen Diözesen abnehmen. Das Konzept dafür erarbeite die einzige religiöse Ausbildungsstätte der katholischen Kirche im Land, das Priesterseminar in Sankt Petersburg.

Das russische Parlament will mit dem Gesetz verhindern, dass im Ausland ausgebildete Geistliche eine „religiös-extremistische Ideologie“ verbreiten, wie es in der Begründung heißt. Kirchengemeinden müssen den Behörden künftig jedes Jahr einen Rechenschaftsbericht vorlegen; bislang waren sie dazu nur alle drei Jahre verpflichtet. Das Gesetz tritt nach Angaben der Nachrichtenagentur Tass im Oktober in Kraft.

Nur etwa 0,5 Prozent der Bürger Russlands sind katholisch. Wegen des Mangels an einheimischen Priestern stammt die Mehrheit der katholischen Geistlichen dort aus dem Ausland.

(kna – sk)
 

09 April 2021, 12:59