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Die zwei Schweizer Bundesräte Guy Parmelin (rechts) und Alain Berset Die zwei Schweizer Bundesräte Guy Parmelin (rechts) und Alain Berset  (AFP or licensors)

Schweiz: Caritas schlägt Alarm wegen Covid-Armut

Caritas Schweiz hat dringend dazu aufgerufen, dass die Hilfsmaßnahmen für sozial schwächer Gestellte bis zum Ende der Krise aufrecht erhalten werden sollten, damit sie ihre Existenz sichern könnten. Die sozialen Folgen der Corona-Krise seien noch lange nicht ausgestanden. Die Situation spitze sich weiter zu, so das katholische Hilfswerk in einer Stellungnahme.

Die Zahl der Hilfsgesuche und Anfragen in den Sozialberatungen der Caritas seien im vergangenen Jahr deutlich über den Durchschnitt normaler Jahre geklettert, berichtet Caritas Schweiz. Mit der sogenannten „zweiten Welle der Pandemie“ seien die Zahlen „noch einmal angestiegen“. Die Corona-Maßnahmen träfen vor allem Geringverdienende besonders hart. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter - insbesondere Selbstständige - hätten alles versucht, um aus eigenen Kräften durch die Krise zu kommen, berichtet das Hilfswerk. Hilfe zu suchen, sei ihr letztes Mittel.

Bei der staatlichen Unterstützung bestünden gravierende Lücken, bemängelt die Caritas. Hilfswerke wie die Caritas sehen sich in der Pflicht, diese Lücke schließen zu müssen. Die Bearbeitung von Hilfsgesuchen für die Sozialhilfe oder für Prämienverbilligungen dauere zu lange. Der Zugang sei meist nur telefonisch oder gar nur online möglich und damit erschwert. Betroffene seien jedoch auf rasche Hilfe angewiesen. So hat die Caritas schweizweit seit Beginn der Krise vor einem Jahr bis heute 17.000 Personen mit Direkthilfe in einem Gesamtumfang von über 6 Millionen Franken (etwa 5,4 Millionen Euro) unterstützt – unter anderem dank der Gelder der Glückskette.

Haushalte knapp über der Grenze der Sozialhilfe erhielten bei öffentlichen Stellen oft keine Beratung zu finanziellen und administrativen Fragen und sind ebenfalls auf Hilfswerke angewiesen. Ausländerinnen und Ausländer verzichten nicht selten auf Sozialhilfe, weil sie fürchten, ihren Aufenthaltsstatus zu gefährden, so das Hilfswerk.

Aufruf an die Politik

Der Bundesrat (Schweizer Regierung) und das Parlament würden in diesen Tagen wichtige Entscheide fällen. Um die Existenzsicherung möglichst vieler Menschen zu garantieren, sei es aus Sicht der Caritas unerlässlich, dass die Kurzarbeitsentschädigung zu 100 Prozent für tiefere Einkommen bis zum Ende der Pandemie verlängert werden müsse und nicht wie geplant Ende März auslaufen dürfe. Der Zugang zu Sozialhilfe und Beratung müsse niederschwelliger werden, damit die Hilfe ankomme, fordert die Caritas. Bei Betroffenen knapp über der Armutsgrenze dürfe nicht einfach abgewartet werden, bis sie sich auf Sozialhilfeniveau befinden, „denn so müssen sie sämtliche Reserven aufbrauchen“. Auch sei die Grenze der Sozialhilfe heute zu tief angesetzt und verhindere eine soziale Teilhabe.

Direktzahlungen nach dem Modell der Ergänzungsleistungen und eine temporäre Erhöhung der Prämienverbilligung könnten dazu beitragen, einen sprunghaften Anstieg bei der Sozialhilfe zu verhindern. Bei den Sozialversicherungen und der Sozialhilfe brauche es zudem vermehrt Begleitung und Coaching, damit die Menschen nicht allein blieben mit ihren Sorgen und Nöten, sondern Perspektiven erhielten.

(vatican news/pm – mg)

25 Februar 2021, 09:21