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Sonnenuntergang über Berlin - Aufnahme von diesem Wochenende Sonnenuntergang über Berlin - Aufnahme von diesem Wochenende  (ANSA)

D: „Ich freue mich auf dieses Weihnachten“

Kann man sich auf Weihnachten im Lockdown freuen? Doch, man kann, sagt der Dominikaner Albert Seul, Wallfahrtsdirektor von Klausen in der Moseleifel.

Schließlich bringe der Corona-Lockdown doch die Entschleunigung, die die Kirchen immer angemahnt haben. Und zusätzlich bekommen die Kirchen unter diesen Umständen eine „neue Relevanz“. Das sagte der Dominikaner im Gespräch mit dem Kölner Domradio.

DOMRADIO.DE: Wie empfinden Sie das erneute Abriegeln des Landes?

Seul: Für mich hat es zwei Aspekte. Zum einen entspricht es, ich denke mal, dem Sicherheitsbedürfnis vieler Menschen. Die andere Seite ist: Es gibt auch viele Dinge, die ich nicht nachvollziehen kann in diesem erneuten Lockdown. Meine Gedanken gehen an die Künstler, Gastronomen, Einzelhändler, etc. Da denke ich: Ja, das kann man jetzt nochmal machen, aber irgendwann muss es da auch eine andere Perspektive geben und vielleicht ein anderes Instrumentarium, um die Krise zu beherrschen, als einen Lockdown.

Hier zum Nachhören: Der Dominikaner Albert Seul im Gespräch mit dem Kölner Domradio.

DOMRADIO.DE: Die Evangelische Kirche in Westfalen hat jetzt in der vergangenen Woche ihren Gemeinden empfohlen, keine Präsenz-Weihnachtsgottesdienste zu feiern. Wie wird Ihr Heiligabend in der Klausener Wallfahrtskirche aussehen? Werden Sie eine Christmette anbieten?

Seul: Zwei sogar. Also wenn alles so bleibt, wie es ist, wenn die gesetzlichen Gegebenheiten, oder unser Bistum auch, so weiter handelt, dann werden wir zwei Christmetten in der Klausener Wallfahrtskirche halten. Eine um 18 Uhr und eine um 23 Uhr.

„Ein Gottesdienst ist eben keine Veranstaltung wie andere“

DOMRADIO.DE: Und wenn sich jetzt jemand darüber wundert, dass er keine Kulturveranstaltungen besuchen darf, dass er nicht ins Stadion kann, dass er Freunde nicht treffen darf. Wie erklären Sie ihm, dass Kirche da einen Sonderweg gehen kann?

Seul: Ich würde mal sagen: Kirche hat vielleicht doch nochmal einen anderen Stellenwert. Und das ist ganz schön, dass sich das in der Krise so zeigt. Auch die Politik sagt: Ein Gottesdienst ist eben keine Veranstaltung wie andere, sondern ein Gottesdienst ist eben mehr, bringt Hoffnung. Er gibt Perspektive, er schenkt Trost. Das wäre vielleicht etwas, was ich diesen anderen Betroffenen sagen würde. Aber ich weiß natürlich auch und bin mir auch bewusst, dass Kirchen und Religionsgemeinschaften hier privilegiert sind.

DOMRADIO.DE: Christmetten sind traditionell voll im Vergleich zu manch anderer Messe sonst im Jahr. Und dieses Mal sind sie besonders schnell ausgebucht aufgrund der begrenzten Platzangebote. Nun gibt es Stimmen, die fordern, den Gläubigen das Feld zu überlassen, die auch sonst die Sonntagspflicht ernst nehmen. Oder überspitzt ausgedrückt: Nehmt den echten Katholiken bitte nicht die Plätze in der Christmette weg. Was sagen Sie dazu?

Seul: Ich würde sagen, ich kann dieses Anliegen verstehen, aber ich weiß nicht, wie man es handhaben kann. Also ich finde es einfach praktisch schwer umzusetzen. Ich kann das verstehen. Aber auch hier gilt vielleicht - und das entdecke ich auch jetzt im Advent, das muss ich sagen - dass die Kirche eine neue Relevanz gewinnt. Also unsere Gottesdienste sind auch im Advent schon voll und ich entdecke auch im Advent, jetzt in diesem besonderen Advent, viele Menschen, die ich sonst nicht in der Kirche sehe.

„Es ist tatsächlich ein Advent, wie er ein bisschen sein sollte“

DOMRADIO.DE: Die vergangenen Jahre haben ja viele Konsumterror und Geschenkestress kritisiert, sicherlich auch zu Recht. Hat also der Lockdown in der Adventszeit etwas Entschleunigendes?

Seul: Das finde ich schon. Das ist das einzig Positive, in gewisser Weise, was ich diesem Lockdown sowohl im ersten, als auch jetzt mit diesem etwas härteren Lockdown, abgewinnen kann. Das merke ich bei mir persönlich. Und ich denke, ich merke das auch bei anderen. Es ist tatsächlich ein Advent, wie er ein bisschen sein sollte. Ein bisschen ruhiger, ein bisschen besinnlicher, frei vom üblichen Adventstress.

Und ja, das tut gut. Das gewinne ich dem positiv ab. Und meine Hoffnung ist eben auch für Weihnachten, dass es vielleicht eben auch nochmal eine wirklich besinnliche Weihnachtszeit wird. Und irgendwie freue ich mich auch auf dieses Weihnachten. Das muss ich echt sagen. Ich schaue sehr hoffnungsvoll auf die Tage, von Weihnachten, und auch auf die Tage zwischen den Jahren. Die sind normalerweise bei mir geprägt von Reisen und Besuchen. Das wird dieses Jahr nicht sein. Und ja, ich freue mich einfach, die Weihnachtsstimmung länger genießen zu können.

(domradio – sk)
 

21 Dezember 2020, 09:20