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D: 40 „Pastorale Räume“ für Würzburg

Auch das Bistum Würzburg erfindet sich neu: Bischof Franz Jung stellte bei einem Diözesanforum am Samstag einen Plan für das Bistum der Zukunft vor. Danach wird sich die Seelsorge für die rund 720.000 Katholiken künftig in 40 „Pastoralen Räumen“ organisieren.

Großpfarreien werde es in der Diözese Würzburg nicht geben, hob der Bischof hervor. Die etwa 600 Pfarreien des Bistums, die mehrheitlich in etwa 160 Pfarreiengemeinschaften zusammengefasst sind, bleiben bestehen. Bis 2025 sollen die „Pastoralen Räume“ erprobt, überprüft und gegebenenfalls optimiert werden.

Die Leitung der 40 „Pastoralen Räume“ sollen sich jeweils drei bis vier Priester solidarisch teilen. Bistums-Offizial Stefan Rambacher erklärte, diese Möglichkeit der Leitung „in solidum“ sei ausdrücklich im Kirchenrecht vorgesehen. Die gleichberechtigten Priester sprechen die Schwerpunkte dann untereinander ab, einer von ihnen, der zum Moderator ernannt oder gewählt werde, entscheide als „primus inter pares“ in Streitfragen.

Ein „Gesicht vor Ort“

Die weiteren hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger im Team des „Pastoralen Raums“ sollen diese dabei unterstützen, damit es jeweils ein „Gesicht vor Ort“ gibt. Zudem soll jede Person im Team zielgruppenspezifische Angebote machen, zum Beispiel für Jugendliche nach der Firmung, junge Paare auf dem Weg zur Ehe oder Trauernde.

Domkapitular Christoph Warmuth von der Hauptabteilung Seelsorge und Programmverantwortlicher erklärte, bis 2022 seien die „Pastoralen Räume“ aufgefordert, in der sogenannten Gestaltungsphase ein pastorales Konzept für ihren Bereich zu umschreiben und Formen der verbindlichen Zusammenarbeit zu etablieren. Ende 2022 werde dann bei einem weiteren Diözesanforum ein Zwischenfazit gezogen, die Implementierungsphase dauere dann bis Ende 2025.

Bischof Jung beim Diözesanforum, das live im Internet übertragen wurde
Bischof Jung beim Diözesanforum, das live im Internet übertragen wurde

 

Und die Dekanate?

Für die Teambildung in den Pastoralen Räumen, aber auch für die Gemeinden und Pfarreiengemeinschaften, die Hilfe beim Einfinden in die neuen „Pastoralen Räume“ brauchen, gibt es begleitende Angebote von Gemeindeberatung, dem Fortbildungsinstitut sowie von Supervision und Coaching, die alle in der Hauptabteilung „Bildung und Kultur“ angesiedelt sind. Noch offen ist unter anderem, wie künftig eine mittlere Ebene – die bisherigen Dekanate – zugeschnitten sein und welche Aufgabe sie haben wird.

Eine gewisse Ungleichzeitigkeit im laufenden Prozess und auch einige Fehler attestierte Pastoralreferentin Monika Albert von der Gemeindeentwicklung, bei der die Fäden für „Pastoral der Zukunft“ seit Anfang an zusammenlaufen. Sie sei positiv überrascht vom hohen Grad der Zustimmung, der bei den Voten aus den Seelsorgekonferenzen und den Dekanaten gekommen sei. „Es liegen noch wichtige Klärungen und Beratungen vor uns – was die Gliederung der Räume und die Leitungsmodelle betrifft.“ Dafür sei es wichtig, sich ausreichend Zeit zu nehmen. Sie lobte die Kreativität und Experimentierfreude, die durch die Rückmeldungen aus dem Bistum deutlich geworden sei. Das lasse zuversichtlich und gelassen in die Zukunft blicken.

Die Urpfarrei von 742

Domkapitular Thomas Keßler gab 2016 als Generalvikar den Anstoß zur Pastoral der Zukunft. Er verwies im Burkurdushaus auf die 742 erstmals urkundlich erwähnte Pfarrkirche von Brendlorenzen in der Pfarreiengemeinschaft, in der er ab November tätig sein wird. Der romanische Kirchenbau sei zentraler Ort einer Urpfarrei gewesen, deren geographisches Ausmaß gewaltig gewesen sei. Zwar lebten damals deutlich weniger Personen in diesem Einzugsgebiet. Entscheidend sei nach Keßlers Worten aber die Erkenntnis: „Es waren Menschen, die den Glauben weitergetragen haben, auch wenn Priester und Ordensleute damals oft ganz weit weg waren. Dieses Bewusstsein wünsche ich mir für die Zukunft.“

Die geplanten Pastoralen Räume
Die geplanten Pastoralen Räume

Glückskekse und offene Kirchentüren

Vier positive Beispiele wurden dem Forum vorgestellt: So wurden in der Pfarreiengemeinschaft „Heilig Geist, Rauhenebrach“ in einer Gemeinschaftsaktion als Antwort auf die Coronapandemie besondere Glückskekse mit aufmunternden Bibelversen gebacken, liebevoll verpackt, mit einem kleinen Gruß versehen und in allen zugehörigen 15 Ortschaften verteilt. Die Pfarreiengemeinschaft „12 Apostel am Tor zum Spessart, Lohr“ erarbeitete das Konzept einer Willkommenskirche. Dazu gehört ein Informationsvideo über die Pfarrkirche und eine umfangreiche Beschilderung. Der Austausch zwischen Kirchenmitgliedern und Touristen soll zudem künftig verstärkt in den Blick genommen werden.

Im „Pastoralen Raum“ Sankt Benedikt im Landkreis Kitzingen wurde 2018 bei einer Adventstour durch die 24 damals beteiligten Kirchorte an jedem Tag eine andere Kirchentür geöffnet. Ehrenamtliche gestalteten jeweils einen spirituellen Impuls und boten im Anschluss Gelegenheit zur Begegnung. Im künftigen Raum Bad Kissingen hat das Leitungsteam aus drei Pfarrern, einer Pastoralreferentin und einem Pastoralreferenten aus der personellen Not eine Tugend gemacht: Dort ist seit 2019 durch diese fünf Personen jede der Pfarreiengemeinschaften des Pastoralen Raums im Team repräsentiert.

(bistum würzburg – k)
 

25 Oktober 2020, 10:24