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Kirchtürme in Wien - Aufnahme durch ein regennasses Fenster Kirchtürme in Wien - Aufnahme durch ein regennasses Fenster  (AFP or licensors)

Wiener Priesterseminar: Größter Zuwachs seit Jahren

Vierzehn neue Priesteramtskandidaten gibt es seit diesem Herbst im Wiener Priesterseminar. Elf davon gehören zur Erzdiözese Wien, die drei übrigen zu den Diözesen St. Pölten und Eisenstadt. Das Haus ist seit 2012 die gemeinsame Ausbildungsstätte der drei osttösterreichischen Diözesen.

Die Eintrittszahl sticht aus dem allgemeinen Trend im gesamten deutschen Sprachraum deutlich heraus. Mit den Neuzugängen zählt das Seminar in Wien 52 Kandidaten für das Priesteramt. 35 von ihnen bereiten sich auf den Dienst in der Erzdiözese Wien vor, neun für die Diözese St. Pölten, sechs für die Diözese Eisenstadt und zwei sind Gäste der ukrainisch-katholischen Kirche.

Bunt wie die Gesellschaft und die Kirche

In vielerlei Hinsicht spiegelt das Priesterseminar die gesellschaftliche und religiöse Großwetterlage wider. Längst hat das klassische System, ein Priesterseminar in „Jahrgängen“ zu führen, ausgedient. Zu breit ist allein das Altersspektrum. Der älteste der 52 Priesteramtsanwärter ist Jahrgang 1946, der Jüngste wurde im Jahr 2000 geboren. Dementsprechend unterschiedlich sind auch ihre Biographien. Es finden sich unter ihnen frühere Beamte, Musiker, Chemiker, Führungskräfte in internationalen Unternehmen, Lebensmitteltechniker, Krankenpfleger genauso, wie ein Universitätsassistent.

Ebenso vielfältig wie ihr beruflicher Werdegang ist ihre Herkunft: 25 Seminaristen stammen aus verschiedenen Bundesländern Österreichs, zwölf aus Deutschland, sechs aus Polen, zwei aus der Ukraine, zwei aus Kroatien, sowie jeweils einer aus Montenegro, Indien, Sri Lanka, und Nigeria. Manche der Nichtösterreicher sind bereits im Land geboren, andere leben seit Jahren dort und einige unter ihnen haben sich aufgrund familiärer oder freundschaftlicher Beziehungen zu Österreich entschlossen, dort Priester werden zu wollen.

Sehr unterschiedlich sind auch die persönlichen Berufungsgeschichten. Für manche führte der Weg über Entfremdung oder gar Kirchenaustritt und schließlich starke, persönliche Gotteserfahrungen ins Priesterseminar. Andere bringen Vorerfahrungen in Orden oder neuen geistlichen Gemeinschaften mit.

Bewusste Entscheidung für Wien

„Ich habe mich für den Eintritt ins Wiener Priesterseminar entschieden, weil die Wiener Ortskirche im deutschen Sprachraum durch eine unglaubliche Vielfalt in geistlicher Hinsicht hervorsticht“, so Matthias Ruzicka, der vor einem Jahr ins Seminar eingetreten ist. Die Vielfalt der Biographien, Kulturen und persönlichen Glaubensgeschichten seiner Kollegen nimmt der 25-jährige Niederösterreicher als „echte Bereicherung“ war.

Innerkirchlichen Vorbehalten, die neue Generation der Priesteramtskandidaten sei tendenziell konservativ, kann der junge Seminarist nicht nachvollziehen. „Konservativ“ oder „liberal“ seinen keine Kategorien mehr. Die Glaubensgeschichten von Seminaristen heute sind viel zu bunt. Allen gemeinsam ist eine bewusste, reife Glaubensentscheidung. Das entspricht auch der Wahrnehmung von Vizeregens, Markus Muth. „Wenn vor zwanzig Jahren das Kollar (der klassische Priesterkragen) noch ein konservatives Statement war, so stehen heutige Seminaristen auf dem Standpunkt: „Warum sollen wir das den Traditionalisten überlassen?“, so Muth. Ein Seminarist komme im Gegensatz zu den Generationen vor ihm durchwegs nicht mehr aus dem klassisch kirchlichen Umfeld, sondern sei oft von einen individuellen Glaubensweg geprägt.

(erzbistum wien – sk)
 

29 Oktober 2020, 12:40