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Der verborgene Schatz Der verborgene Schatz 

Unser Sonntag: Der Schatz im Acker

Im Kommentar zum Evangelium über den Schatz im Acker zeigt Sr. Elisabeth Kampe, dass wir unverhofft und unverdient mit dem Himmelreich beschenkt werden. Das kann auch unser Leben auf den Kopf stellen - und es ist Jesus, der uns schon immer nachgegangen ist und uns gesucht hat.

Sr. Elisabeth Kampe CJ

Mt 13, 44-46 Das Gleichnis vom Schatz und von der Perle

An diesem Sonntag hören wir das Gleichnis vom Schatz im Acker und von der kostbaren Perle. Es sind nur die Verse 44 bis 46 aus dem 13. Kapitel des Matthäusevangeliums. Ich beschränke mich in meinen Ausführungen auf diese Kurzfassung.

Unser Sonntag - hier zum Nachhören

Der Ausdruck Schatz weckt Neugier. Legenden und Sagen kreisen um geheimnisvolle Schätze. Menschen machen sich auf den Weg, lassen alles zurück, um das große Glück zu finden. Entbehrungen auf dem Weg gehören dazu. Sie haben nur das eine Ziel, den Schatz zu finden. Sie sind erfüllt von der Hoffnung, dass danach alles anders, alles besser wird und dass sie aller Sorgen und Mühsal enthoben sind.
Eine Perle ist ein ganz besonderer Schatz. Es braucht viele Jahre bis sich in der Muschel die Perle bildet. Schicht für Schicht ummantelt die Muschel einen Fremdkörper in ihrem Inneren mit Perlmutt, der dann in den herrlichsten Farben schimmert. Eine Perle ist immer von makelloser Schönheit. Sie ist etwas Einmaliges, Seltenes, Wunderbares.

Zur Zeit Jesu musste man Schätze gut verstecken

Im heutigen Evangelium hören wir von einem Schatz, der in einem Acker vergraben ist und wir hören von einer kostbaren Perle, die ein Kaufmann findet. Zur Zeit Jesu musste man seine Schätze gut verstecken, um sie vor Räubern in Sicherheit zu bringen. Palästina war ein wichtiges Durchzugsgebiet zu den Kontinenten Europa, Asien und Afrika. Eroberungen und Plünderungen waren an der Tagesordnung. Die Leute haben sich zu helfen gewusst. Sie haben ihren Schatz häufig vergraben. Und es geschah nicht selten, dass ein anderer so einen Schatz fand. Reichtum in der Antike machte sich nicht unbedingt am dicken Geldkonto fest, sondern an kostbaren Sachen, die man besaß. Dazu gehörten auch Perlen. Dementsprechend war der Perlenhändler ein angesehener Beruf und die Suche nach einer kostbaren Perle lag im Trend der Zeit.

Einen Schatz zu finden, ist ein Geschenk

Interessant in diesem Gleichnis ist, dass der Schatz im Acker von einem Mann gefunden wird, obwohl dieser Mann gar nicht danach gesucht hat. Der Kaufmann dagegen sucht aktiv und findet die kostbare Perle. So ist es mit dem Himmelreich. Ich kann mich darum bemühen, alles dran setzen um es zu finden. Aber das Finden des Schatzes kann auch ganz unerwartet geschehen. Es liegt nicht in meiner Hand. Es ist Geschenk. Und dann geschieht das Unerwartete: In seiner Freude verkauft der Mann alles was er besitzt und kauft den Acker. Auch der Kaufmann verkauft alles was er besitzt, um die kostbare Perle erwerben zu können. Die Freude über das gefundene Außerordentliche, Unerwartete ist der Grund, alles zu verkaufen. Die Freude, das Glücksempfinden ist so total, das alles andere in den Hintergrund tritt. 

„Unverhofft und unverdient sind sie mit dem Himmelreich beschenkt worden.“

Unverhofft und unverdient sind sie mit dem Himmelreich beschenkt worden. Hier geht es um etwas, was das ganze bisherige Leben der beiden Männer auf den Kopf stellt. Alles ist wie umgewandelt. Hier wird keine Kosten-Nutzen-Analyse angestellt. Alles, was sie bisher als wertvoll erachtetet haben, können sie ohne Zögern lassen. Es hat seinen Wert verloren.
Mich fasziniert die Haltung dieser beiden Menschen, weil sie so klar und radikal ist. Da gibt es kein Zögern und Zweifeln. Hier wird eine Kraft spürbar, die das ganze Leben verändert und neuen Schwung bringt. Etwas ganz Neues beginnt.
Ich könnte mir vorstellen, dass jetzt alles andere wie berufliche Karriere, gesichertes Leben, Reichtum, Macht und Einfluss mit einem Schlag seine Faszination verloren hat. Plötzlich wissen sie wofür sie leben und was ihre Aufgabe im Leben ist. Kehrtwende um 180 Grad. Sie sehen ihr Leben aus einem anderen Blickwinkel.

Der Schatz: die Begegnung mit dem lebendigen Du

Die Freude darüber, endlich den verborgenen Schatz gefunden zu haben, ist das, was allein einen Menschen erfüllen kann. Es ist die Begegnung mit einem lebendigen Du, mit einer Person, die einen ansieht, ruft und liebt. Der Schatz ist Jesus Christus, seine Botschaft, sein Wort, seine Zuwendung, seine bedingungslose Hingabe und Liebe.
Mir fallen dazu eine ganze Reihe von Menschen ein, die auch eine solche Erfahrung gemacht haben. Irgendwann in ihrem Leben: unverhofft und unerwartet sind Jesus Christus begegnet, der sie angeschaut hat und dessen liebevoller Blick ihr Herz so erfüllt hat, so dass sie alles stehen und liegen ließen um ihm nachzufolgen.

Sr. Elisabeth Kampe Congregatio Jesu
Sr. Elisabeth Kampe Congregatio Jesu

Denken wir an Paulus. Er war ein frommer Jude. Er hat sich sklavisch an das Gesetzt gehalten und war bei den Menschen geachtet und geehrt. Mit vollem Eifer hat er die Anhänger Jesu verfolgt. Doch dann ist ihm Jesus begegnet auf dem Weg nach Damaskus. Jesus hat ihn angesprochen, ganz persönlich. Warum verfolgst Du mich? Diese Begegnung war die Kehrtwende. Paulus hat gespürt, dass er von Gott angenommen und geliebt ist, trotz allem Versagen und trotz aller Schuld. Das hat seinem Leben eine völlig andere Richtung gegeben. Die Begegnung mit Jesus hat ihn verwandelt. Der, den er zuvor verfolgt hat, wird jetzt der, dem er folgt. (Apg 9,1ff)

Ignatius von Loyola: Christusnachfolge statt Heldentaten

Auch der Hl. Ignatius von Loyola, der von einer ruhmreichen Karriere als Soldat träumte, erfuhr eine tiefe Bekehrung in seinem Leben. Bei der Verteidigung der Zitadelle von Pamplona zerfetzte eine Kanonenkugel sein Bein. Während der langen Monate seines Krankenlagers war er zunächst daran interessiert Ritterromane zu lesen. Da diese Lektüre im Hause Loyola nicht vorhanden war, gab man ihm ein „Leben Christi“ und eine Sammlung von Heiligenlegenden. Im Lesen und Reflektieren machte er eine Entdeckung. Wenn er sich mit weltlichen Gedanken beschäftigte, hatte er zwar großen Gefallen daran, als er aber davon abließ, fand er sich wie ausgetrocknet und missgestimmt. Wenn er sich jedoch vorstellte, barfuß nach Jerusalem zu gehen, war er nicht nur von Trost erfüllt, sondern er blieb zufrieden und froh auch nachdem er die Lektüre beiseitegelegt hatte. Nach und nach wurde ihm klar: Nicht kriegerische Heldentaten sind die Erfüllung meines Lebens sondern die Christusnachfolge. Er hatte den wahren Herrn gefunden, in dessen Dienst er sich mit ganzer Hingabe stellte. (vgl. Der Bericht des Pilgers, Nr. 5-9)
Auch Ruth Pfau, die erst von 3 Jahren gestorben ist, spürte in der Begegnung mit Leprakranken in Pakistan plötzlich was ihre eigentliche Lebensaufgabe ist: Die Oberin der Gemeinschaft, der sie angehörte, gab ihr die Sendung in Indien als Ärztin zu arbeiten. Aufgrund von Visaproblemen musste sie ihre Reise nach Indien in Karatchi unterbrechen. Eine Mitschwester nahm sie mit in eine Bretterbude, es war eine Lepra-Ambulanz in einem Slum. Dort lebten unter schrecklichen Bedingungen etwa 150 aussätzige Bettler. Nachdem Ruth Pfau dieses Elend gesehen hatte, entschied sie sich, zu bleiben. Diese Begegnung mit leprakranken Menschen war bestimmend für ihr ganzes weiteres Leben. Ihrem unermüdlichen Einsatz ist es zu verdanken, dass diese Krankheit heute weitgehend besiegt ist.

...und stille Helden

Es gibt aber auch die leisen und stillen Kehrtwenden von Menschen mitten im Alltag. Sie sind nicht spektakulär. Man findet sie weder in Zeitungen noch in den Tagesnachrichten oder im Internet. Ich möchte kurz von einer Frau erzählen, die so eine Wende in ihrem Leben erfahren hat. Während der schwierigen Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg hat es sie mit ihrem Mann in ein kleines nordhessisches Dorf verschlagen. „So habe ich mir Sibirien vorgestellt“, hat sie immer wieder gesagt. In ihrer Jugend hatte sie in Berlin und Rio de Janeiro gelebt. Jetzt lebte sie in einem Dorf mit 12 Häuser. Alles Bauern. Gesellschaftliches Leben gab es nicht. Der Ehemann war oft auf Montage. Die Eltern und Geschwister waren in Brasilien Sie fühlte sich total allein gelassen, wie in der Verbannung, wie im Exil. In ihrer Not wandte sie sich an den Gemeindepfarrer, der ihr zum geistlichen Begleiter wurde. Er half ihr eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus zu finden. Damit hatte sie den Schatz ihres Lebens gefunden. Im Gebet fand sie Trost und Hilfe. Und die Gottesmutter wurde ihre ganz persönliche Freundin und Fürsprecherin. Von da an gehörte das Gebet zu ihrem Alltag und die Mitfeier der Eucharistie war ihr ein Bedürfnis. Das blieb für den Rest ihres Lebens so. Und sie entwickelte ein sehr feines Gespür dafür, wer in ihrer unmittelbaren Umgebung in Not war. „Es war gut, dass ich immer anderen geholfen habe“, das sagte sie im Blick zurück auf ihre Leben.

„Der Schatz, das bin ich auch selber.“

Zum Schluss möchte ich noch auf einen ganz anderen Aspekt eingehen. In der Vorbereitung für diese Auslegung des heutigen Sonntagsevangeliums habe ich bei einer gemeinsamen Mahlzeit meine Mitschwestern gefragt, was ihnen zum Thema Schatz im Acker und kostbare Perle einfällt. Eine Mitschwester sagte ganz spontan. „Na, ich bin doch der Schatz.“
Stimmt. Der Schatz, das bin ich auch selber. Das ist jeder von uns. Gott hat Sehnsucht nach diesem Schatz. Im Philipperbrief heißt es: Er hält nicht daran fest wie Gott zu sein. Er wollte leben, so wie die Menschen leben. Es ist ihm ein Anliegen bei den Menschen zu sein, ihnen nah zu sein. (vgl. Phil 2,7)
Wir bekennen es im Glaubensbekenntnis: Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel herabgestiegen.
Gott sagt zu mir: dass ich seine große Liebe bin, dass er glücklich ist, wenn er mich findet. Ich bin das verlorene Schaf, dem er nachgeht, bis er es findet, um es dann freudig auf seine Schultern zu legen. (Lk 15,3ff)

Das Reich Gottes ist unter uns

Wer den Schatz im Acker oder die kostbare Perle entdeckt hat, der hat das Himmelreich gefunden. Es ist nah. Es ist mitten unter uns. Die Lebensbeispiele, die wir gerade gehört haben, geben uns einen Eindruck wie es geschehen kann. Es ist nichts Mühsames, nicht das Ergebnis harter Arbeit, großer Anstrengung oder Askese. Mag sein, dass es verdeckt ist zugeschüttet unter dem Ballast von Sorgen, Konflikten und Nöten. Wir sind eingeladen es zu suchen: Augen Herz und Ohren offen zu halten. Dann kann es passieren, dass wir ganz unerwartet und unverhofft, den Schatz unseres Lebens entdecken - das Himmelreich – die Begegnung mit Jesus Christus, der uns schon immer nachgegangen ist und uns gesucht hat.

(radio vatikan - claudia kaminski)
 

25 Juli 2020, 08:30