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Trauer in Regensburg Trauer in Regensburg  (ANSA)

Benedikt XVI.: „Vergelt´s Gott, lieber Georg!“

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (93) hat die Totenmesse für seinen am 1. Juli verstorbenen Bruder Georg Ratzinger im Livestream mitverfolgt. Dadurch sei er mit der feiernden Gemeinde im Regensburger Dom verbunden, sagte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer am Mittwoch zum Auftakt des Requiems.

Bei der Totenmesse für den früheren Regensburger Domkapellmeister Georg Ratzinger am Mittwoch im Dom verlas der Privatsekretär des emeritierten Papstes, Erzbischof Georg Gänswein, ein Nachruf von Benedikt XVI. auf seinen Bruder. „Vergelt's Gott, lieber Georg, für alles, was Du getan, erlitten und mir geschenkt hast!“, heißt es in dem auf den 7. Juli datierten Schreiben des früheren Kirchenoberhaupts. Erzbischof Gänswein musste beim Verlesen mehrfach um Fassung ringen.

Zum Nachhören

In dem Nachruf gibt Benedikt XVI. unter anderem Einblick in seine überraschende Reise nach Regensburg ans Krankenbett seines Bruders am 18. Juni. „Er hat nicht um einen Besuch von mir gebeten. Aber ich spürte, dass es die Stunde war, um noch einmal zu ihm zu fahren. Für dieses innere Zeichen, das der Herr mir geschenkt hat, bin ich zutiefst dankbar.“ Als er sich am 22. Juni unmittelbar vor dem Rückflug nach Rom morgens bei ihm verabschiedete, hätten beide gewusst, „dass es ein Abschied aus dieser Welt für immer sein würde. Aber wir wussten auch, dass der gütige Gott, der uns auf dieser Welt dieses Zusammensein geschenkt hat, auch in der anderen Welt regiert und uns dort ein neues Miteinander schenken wird.“

Freude und Schmerz

Der emeritierte Papst bedankte sich beim Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer für dessen Einsatz „in diesen Wochen des Abschieds“. Benedikt XVI. erinnerte außerdem an die schwierigen Umstände bei Georg Ratzingers Wechsel auf die Stelle als Regensburger Domkapellmeister. Wäre ihre Mutter nicht kurz davor gestorben, „hätte er den Ruf nicht angenommen“, der ihm „Freude und Schmerz zugleich“ bereitet habe. „Feindseligkeit und Ablehnung haben vor allem anfangs nicht gefehlt. Aber zugleich ist er Vater für junge Menschen geworden, die ihm dankbar als seine Domspatzen zur Seite standen und stehen.“

Georg Ratzinger leitete den weltberühmten Knabenchor von 1964 bis 1994. Nach der Totenmesse wird er im Stiftungsgrab der Domspatzen auf dem Unteren Katholischen Friedhof in Regensburg beigesetzt.

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hatte zu Beginn des Requiems noch einmal an Benedikts überraschenden Besuch am Krankenbett seines drei Jahre älteren Bruders vom 18. bis 22. Juni erinnert. „Dieses Zeichen der Menschlichkeit hat viele berührt. Umso mehr nehmen wir Anteil an Ihrer Trauer“, sagte Voderholzer. Der Gottesdienst wurde auf der Bistums-Website aus dem Regensburger Dom übertragen. Es konzelebrierten Benedikts Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein und der deutsche Papstbotschafter, Erzbischof Nikola Eterović. Außerdem nahmen der frühere Regensburger Bischof Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der Münchner Kardinal Reinhard Marx und der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke teil. Musikalisch gestaltet wurde die Trauerfeier von einer Schola von 16 ehemaligen Domspatzen. 

(kna/vatican news - mg)

08 Juli 2020, 12:07