Suche

Vatican News
Eichstätter Kathedrale Eichstätter Kathedrale 

D: Gemischte Reaktionen auf Vatikan-Instruktion

„Viele wertvolle Impulse“ für einen missionarischen Aufbruch der Pfarrgemeinden sieht der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke im jüngsten Vatikanpapier zu Gemeindereformen und Pfarrleitungen. Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige befürchtet, die Vatikan-Instruktion könne den Einsatz von Gläubigen in der Kirche weiter gefährlich schmälern.

„Das Dokument ermutigt und unterstützt alle, die bereits solche Wege eingeschlagen haben“, schreibt Bischof Hanke in einer an diesem Dienstag veröffentlichten Stellungnahme. Das Dokument ziele auf die „konkretisierte Sakramentalität“ der Kirche, betont er. Dabei gehe es nicht darum, „allein den wichtigen Dienst des Priesters hervorzuheben“, präzisiert der Bischof. „Vor der Gliederung in Ämter, Dienste und somit verschiedene Rollen“ stehe vielmehr „die gemeinsame Berufung in das Volk Gottes“, zu dem das „Zueinander“ von Priestern und Gläubigen gehöre.

Das Verbindende sehen

Bischof Hanke empfiehlt einen Blick auf das Verbindende und verweist dabei auf den Papst: „Statt einen Kampf um die Rollen in der Kirche zu sehen oder das Verlierer-Sieger-Schema zu bemühen, wäre es lohnend, diesem zentralen Anliegen von Papst Franziskus zu folgen und zunächst das allen Gemeinsame zu suchen.“ Erneuerung der Kirche ereigne sich durch Männer und Frauen, „die sich vom Geist rufen lassen“, so der Bischof wörtlich, „in einem Netz zwischenmenschlicher Beziehungen“.

Schwerpunkt missionarische Pastoral

Zuvor hatte sich der frühere Kurienkardinal Walter Kasper in diese Richtung geäußert. Eigentliches Anliegen der Instruktion sei eine „pastorale Umkehr zu einer missionarischen Pastoral“, wies er am Montag Kritik in Deutschland an dem Vatikanpapier zurück. Ausführlich sei in der Instruktion von der gemeinsamen Verantwortung der ganzen Gemeinde die Rede, unterstrich der Kardinal.

Teilweise „wirklichkeitsfern“

Als teilweise „wirklichkeitsfern“ empfindet dagegen der Magdeburger Bischof Gerhard Feige die neue Instruktion der Kleruskongregation. „Als Lernende nehmen wir Anregungen gern an“, schrieb er am Montag an die Gläubigen seiner Diözese. Was die „extreme Diaspora-Situation“ der Kirche in der Region betrifft, gehe die Instruktion an der Wirklichkeit der Gemeinden allerdings vorbei. Feige zeigte sich zudem enttäuscht darüber, dass in der Instruktion „keinerlei positive Lösungsmöglichkeiten angesichts des noch größer werdenden Priestermangels aufgezeigt“ würden.

„Unter den noch gutmütigen Christen 'das geknickte Rohr zu zerbrechen und glimmenden Docht auszulöschen'...“

Die Gestalt von Kirche werde sich noch dramatischer verändern als bisher. Das Vatikanpapier kann in diesem herausfordernden Kontext Gläubige demotivieren, sich überhaupt noch für die katholische Kirche einzusetzen, befürchtet Feige. „Sicher war es nicht die bewusste Absicht der Kleruskongregation, unter den noch gutmütigen Christen 'das geknickte Rohr zu zerbrechen und glimmenden Docht auszulöschen', dennoch hinterlässt die Instruktion neben Ratlosigkeit und Verärgerung auch großen Schaden.“

 

Feige appellierte an die Gläubigen seiner Diözese, sich „nicht entmutigen“ zu lassen und „gemeinsam nach verantwortbaren und verkraftbaren Möglichkeiten“ zu suchen, „damit Kirche in unserem Bistum auch weiter lebendig bleibt und ihrer missionarischen Sendung gerecht werden kann.“



Laien von Gemeindeleitung ausgeschlossen



Mit der Instruktion, die am Montag der vergangenen Woche veröffentlicht wurde, hat der Vatikan Gemeindereformen Grenzen gesetzt. Laien bleiben laut dem Schreiben von der Gemeindeleitung ausgeschlossen. Dagegen hebt der Text die Rolle des Pfarrers hervor. Bestrebungen, die Leitung von Pfarren beispielsweise Teams aus Priestern und kirchlich Engagierten sowie anderen Mitarbeitern anzuvertrauen, widerspricht das Schreiben direkt. Viele Kirchenvertreter aus Deutschland kritisierten das Papier, darunter der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz, Franz-Josef Bode, und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg. Es gab jedoch auch zustimmende Äußerungen.


(pm/kap – pr)
 

28 Juli 2020, 11:22