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Ein gerettetes Kind an Bord des Rettungsschiffes Ocean Viking, Archivbild Ein gerettetes Kind an Bord des Rettungsschiffes Ocean Viking, Archivbild  (ANSA)

Helfer: Kinder sind Hauptleidtragende auf der Flucht

Zum Weltflüchtlingstag an diesem Samstag machen Helfer und Politiker auch auf die Situation von Kindern aufmerksam. So müssten etwa nach der Aufhebung von Corona-Beschränkungen möglichst wieder Familien zusammengeführt und das Resettlement des UN-Hilfswerks UNHCR aufgenommen werden, forderte Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz (CDU) am Freitag in Berlin. Dann seien Familien vereint und besonders schutzbedürftigen Flüchtlinge in Sicherheit.

„Viele Menschen warten händeringend auf Unterstützung, auch im Erst-Zufluchtsstaat, etwa im Libanon oder in Jordanien. Es sind alleinstehende Frauen, Eltern mit kleinen Kindern oder Flüchtlinge mit schwersten Erkrankungen“, erklärte Widmann-Mauz. Sie könnten mit dem Programm „Neustart im Team“ im Rahmen des Resettlements legal und sicher nach Deutschland kommen.

Laut Kindermissionswerk „Die Sternsinger" sind Kinder die Hauptleidtragenden auf der Flucht vor Gewalt, Krieg und Hunger. „Sie haben oftmals auf der Flucht ein Elternteil verloren oder sind ganz auf sich allein gestellt. Sie sind oft schwer traumatisiert, unterernährt und dadurch anfällig für Krankheiten", betonte Präsident Dirk Bingener. In der Corona-Pandemie sei die Lage in zahlreichen Flüchtlingslagern prekär:

„Die medizinische Versorgung ist schwierig, Hygieneregeln sind kaum einzuhalten. Die Kinder leben dort unter menschenunwürdigen Zuständen." Das Kindermissionswerk mit Sitz in Aachen förderte nach eigenen Angaben im Jahr 2019 insgesamt 40 Projekte für Flüchtlinge und Binnenvertriebene mit rund 2,4 Millionen Euro. Die Hilfe konzentrierte sich auf Länder des Nahen Ostens. Aber auch im Südsudan, in Ecuador, Nepal und 18 weiteren Ländern unterstützte das Hilfswerk Projekte.

„Räumliche Enge, das Miterleben von Gewalt und Abschiebungen und der Mangel an Privatsphäre und Bildungsmöglichkeiten widersprechen den in der UN-Kinderrechtskonvention niedergelegten Kinderrechten“

Die Organisation terre des hommes kritisierte die Lage von Kindern in den sogenannten Ankerzentren in Deutschland. Dort sollen Flüchtlinge unterkommen, bis sie in Kommunen verteilt oder aber wieder in ihr Herkunftsland abgeschoben werden. Diese Zentren ignorierten die Bedürfnisse von Mädchen und Jungen und schadeten ihrer Integration. Terre des hommes bezieht sich dabei auf eine beauftragte Recherche in drei Bundesländern. 

„Räumliche Enge, das Miterleben von Gewalt und Abschiebungen und der Mangel an Privatsphäre und Bildungsmöglichkeiten widersprechen den in der UN-Kinderrechtskonvention niedergelegten Kinderrechten", erklärte Vorstandssprecherin Birte Kötter. „Wer junge Menschen integrieren will, muss ihnen schnellstmöglich den Zugang zu regulären Kitas, Schulen und Wohnverhältnissen ermöglichen."

Den Angaben zufolge wurden 2019 gut 70.000 Asylanträge von Minderjährigen gestellt. Weltweit gibt es mehr Flüchtlinge als je zuvor. Rund 79,5 Millionen Menschen waren 2019 auf der Flucht, mehr als ein Prozent der Weltbevölkerung, wie aus dem jüngsten Jahresbericht des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR hervorgeht. UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi forderte eine grundlegend neue und positivere Haltung gegenüber Flüchtlingen. Auch brauche es mehr Entschlossenheit, jahrelange Konflikte zu lösen.

(kna - cs)

19 Juni 2020, 12:28