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Kardinal Jean-Claude Hollerich, Erzbischof von Luxemburg Kardinal Jean-Claude Hollerich, Erzbischof von Luxemburg  (Archeveche de Luxembourg / SCP)

EU-Chefbischof fordert Grenzöffnungen

Der Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich tritt für eine möglichst schnelle Wiederöffnung der innereuropäischen Grenzen ein. In Schengen, dem Symbolort europäischer Reise-Freizügigkeit, entzündete er am Samstag eine Kerze für die EU und ihre Bürger.

Stefan von Kempis - Vatikanstadt

Die Gründerväter seien alle aus Grenzregionen gekommen, darunter der in Luxemburg aufgewachsene Robert Schuman, sagte Hollerich am Samstag im Gespräch mit Radio Vatikan. „Diese Leute wussten um die Schwierigkeiten in den Grenzregionen. Die Grenzregionen haben Europa aufgebaut! Und deswegen leiden diese Regionen jetzt unter der Schließung der Grenzen.“

Hollerich leitet den Verband von Bischofskonferenzen aus der EU, kurz Comece. In den letzten Wochen hat er mehrfach zur Solidarität innerhalb der EU angesichts der Corona-Krise aufgerufen. Jetzt äußerte er, die EU habe aus seiner Sicht „angemessen reagiert“. Das auf die Beine gestellte Programm sei sehr „ehrgeizig“. Allerdings habe es zu lange gedauert, bis das Programm fertiggestellt worden sei.

Mit Maske: Kardinal Hollerich am Samstag in Schengen
Mit Maske: Kardinal Hollerich am Samstag in Schengen

„Wenn es Leuten wirklich dramatisch schlecht geht, dann müssen die Antworten schneller kommen“

„Wenn es Leuten wirklich dramatisch schlecht geht, dann müssen die Antworten schneller kommen! Dann müssten das Herz und der Kopf zusammenschalten, um zu reagieren. Damit besonders den Ländern – ich denke natürlich an Italien, aber auch an Spanien und Frankreich – geholfen werden kann. Sonst verliert Europa seine Grundlagen!“

Hier können Sie unser Interview mit Kardinal Hollerich in voller Länge hören.

Viele hätten während der Corona-Krise nicht nur die Schutzmaske gegen das Virus angelegt, sondern auch „Masken der Nationalismen“ und der „nationalen Egoismen“. „Diese Masken müssen wir jetzt ablegen!“ Der Gedanke Europas könne jetzt neu „in den Herzen der Menschen verankert“ werden.

Ein doppeltes Grenzproblem

Der Appell der europäischen Bischöfe angesichts der Corona-Krise lautet laut Hollerich: „Öffnung der Grenzen – und vergesst bitte die Armen nicht!“ Es gebe ein doppeltes Grenzproblem. Einerseits werde im Schengen-Raum wieder kontrolliert und „auseinandergerissen, was so langsam, nach großem Leid, zusammengewachsen“ sei.

„Aber wir haben auch Außengrenzen der EU, wo Leute sterben! Griechenland, Mittelmeer, Malta… Das ist so unvereinbar mit dem europäischen Gedanken!“ Man solle nicht immer nur von europäischen Werten sprechen, man müsse sie auch „leben“; sonst verlören viele Menschen „den Glauben an Europa“.

Schengen: Hier wurde das grenzenlose Europa geboren... Und jetzt?
Schengen: Hier wurde das grenzenlose Europa geboren... Und jetzt?

Nicht nur auf die christlichen Wurzeln schauen

„Ich glaube, dass wir nicht nur auf die christlichen Wurzeln schauen sollten, sondern auch auf das gelebte Christentum heute und auf eine christliche Zukunft Europas.“

Der Luxemburger Kardinal äußerte sich in dem Interview zum Europatag, mit dem die EU jedes Jahr am 9. Mai an ihre Anfänge erinnert. Am 9. Mai 1950 schlug der französische Außenminister Robert Schuman bei einem Auftritt in Paris die Gründung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl vor – und diese wurde zur Vorgänger-Einrichtung der heutigen EU.

(radio vatikan)
 

09 Mai 2020, 10:20