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Der Trierer Bischof Stephan Ackermann Der Trierer Bischof Stephan Ackermann   (Bistum Trier)

D: Bischof Ackermann rechnet mit Gesprächen in Rom

Vor einem Vierteljahr hat der Trierer Bischof Stephan Ackermann seine Stellungnahmen zur Bistumsreform an den Vatikan geschickt. Der hatte nämlich im November die Reformen vorerst zur Prüfung ausgesetzt. Sobald die Situation es zulasse, rechne er mit Gesprächen in Rom, erzählt der Trierer Bischof im Gespräch mit Radio Vatikan.

Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt 

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz berichtet auch, wie es um Aufarbeitung und Prävention steht  - und wie er die Kar- und Ostertage in der Corona-Krise erlebt.

Umsetzung der Trierer Diözesansynode

Im Januar hatte Bischof Ackermann seine Stellungnahme zur vom Vatikan vorerst gestoppten Umsetzung der Trierer Diözesansynode abgegeben. Strittig ist eine geplante Zusammenlegung der Pfarreien, zu der sich der Bischof gegenüber der Kleruskongregation und dem Päpstlichen Rat für die Interpretation der Gesetzestexte erklärte. Drei Monate ist es nun her, das Bischof Ackermann seine Stellungnahmen einreichte; aufgrund der Corona-Pandemie ruhen aktuell viele Dinge. Zum derzeitigen Stand sagte uns der Trierer Bischof:

„sobald die Situation es zulässt, Gespräche in Rom“

„Der Präfekt der Kleruskongregation hat mir schon Ende Januar geschrieben, dass die Prüfung noch eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, bis Ende April. Insofern habe ich bisher auch keine Antwort erwartet. Ich gehe davon aus, dass die Prüfung weiter läuft und dass es dann – sobald die Situation es zulässt – zu Gesprächen in Rom kommt.“

Hier im Audio

Bischof Ackermann betont zudem, dass die strittigen Punkte nur einen kleinen Teil der Ergebnisse der Diözesansynode ausmachten und es genug gebe, was inzwischen schon umgesetzt werden könne:

„Die Reform der Pfarreienlandschaft ist ja nur ein Teil dessen, was die Synode beschlossen hat. Es gibt ja andere Schwerpunkte, etwa das Anliegen, eine stärker diakonische Kirche zu sein, eine Kirche, die den Menschen zugewandt ist – noch mehr als bisher. Das sind Anliegen, die wir weiterverfolgen. Ich habe etwa in meinem Hirtenbrief zu Beginn der Fastenzeit dazu aufgerufen auch in dieser Weise die Werke der Nächstenliebe ganz bewusst in den Blick zu nehmen.

Durch die Corona-Krise hat ja gerade das diakonische, das Helfen, noch einmal eine ganz besondere Dimension gewonnen. Also: Bei den Inhalten, die die Synode uns ins Stammbuch geschrieben hat, geht es durchaus weiter.“

Synodaler Weg

Und noch etwas anderes geht ebenfalls weiter, trotz der Corona-Krise: Die Arbeit des Synodalen Wegs zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland, den die deutsche Bischofskonferenz zusammen mit Laien initiiert hat:

„Ich habe gehört, dass das das Präsidium des Synodalen Wegs per Videokonferenz getagt hat, dass man sich vergewissert hat, der Synodale Weg geht weiter – auch wenn die Arbeitsformen der Foren jetzt nicht so stattfinden können, wie geplant. Man kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Aber es werden sich Formen finden, diesen Weg weiterzugehen. Die nächste Synodalversammlung ist ja auch erst für September geplant.“

Thema Missbrauch - Betroffenenrat geplant

Auch die Aufarbeitung und Prävention von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche gehe weiter, versichert Ackermann. Der Trierer Bischof ist auch Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz. Er erinnert im Interview mit Radio Vatikan daran, dass Missbrauchsbekämpfung für die katholische Kirche nicht nur beim Synodalen Weg ein zentrales Thema ist:

„wir treiben das weiter voran“

„Wir haben uns auch bei der Frühjahrsvollversammlung der Katholischen Bischöfe in Mainz intensiv mit Fragen der Aufarbeitung beschäftigt. Natürlich ist es im Moment so, dass durch die Corona-Krise manches verzögert ist. Wir hatten schon Termine vereinbart, um einen Betroffenenrat einzurichten. Das musste im Moment ausgesetzt werden. Aber bei den anderen Themen arbeiten wir auch mit den Experten weiter: Heimarbeit ist ja möglich, wir treiben das weiter voran.“

Zum Abschluss ihrer Frühjahrsvollversammlung Anfang März hatten die katholischen Bischöfe in Deutschland etwa neue Regeln für die Zahlungen an Opfer sexueller Gewalt in der Kirche beschlossen. 

Corona-Krise? Die Osterhoffnung lassen wir uns nicht nehmen!

Mit Blick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie in seinem Bistum berichtet der Trierer Bischof:

„Die Einschränkungen, die uns auferlegt sind, sind wirklich schmerzlich. Gerade auch jetzt für die Kar- und Ostergottesdienste – die wichtigsten Gottesdienste der Christenheit. Mich schmerzt das wirklich sehr. Wir spüren natürlich in diesen Wochen auch, wie sehr unsere Arbeit von personalen Beziehungen lebt, von direkten Kontakten in der Seelsorge, in der Beratung, in den sozialen Einrichtungen. Aber wir sehen natürlich auch, wie viel Phantasie sich entwickelt - auch über räumliche Distanz in Verbindung zu treten, in Verbindung zu bleiben. Es ist einfach auch schön, zu sehen, dass man aus der Not gewissermaßen eine Tugend macht und in Verbindung bleibt. Wir hoffen ja auch, dass es überschaubar bleibt und auch wieder endet.“

Die aktuelle Situation löse bei ihm persönlich auch ein komisches Gefühl aus, sagt der Bischof:

„Irgendwie habe ich den Eindruck, dass wir die Kar- und Ostertage in diesem Jahr – ich würde sagen, mit ,angezogener Handbremse‘ feiern. Nicht entspannt, wie wir es sonst können. Es liegt schon der Schleier der Corona-Krise über allem. Ich werde natürlich die Gottesdienste mit einer kleinen Gruppe im Dom – wie das im Grunde ja alle Bischöfe machen – die großen Gottesdienste feiern. Sie werden auch übertragen, so können die Menschen daran teilnehmen.

„Vielleicht hat es auch diesmal etwas von den Katakomben“

Vielleicht hat es auch diesmal etwas von den Katakomben – man feiert unter Ausschluss der Öffentlichkeit und in den Häusern. Ich stelle mir vor, dass das Halleluja in unseren Kirchen diesmal doch verhaltener klingt. Aber wenn es dafür umso in den den Häusern, an den Tischen bei den Familien gesungen wird, dann wäre das ein schönes Zeichen und dann liegt in der Krise auch eine Chance.

„der Kern der Botschaft: Da ist die Hoffnung auf das Leben, das Gott schenkt“

Und in jedem Fall ist ja klar: Die Osterbotschaft hält dem ganzen Ernst des Lebens stand. Sie braucht sich nicht zu verstecken, sie ist nicht bloß nur ein Frühlingsmärchen, sondern sie sieht auf die dunklen Seiten des Lebens, das ist ja der Kern der Botschaft: Da ist die Hoffnung auf das Leben, das Gott schenkt - und das lassen wir uns auch in diesem Jahr nicht nehmen.“

(vatican news – sst)

08 April 2020, 08:00