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Methodistische Kirche in Texas Methodistische Kirche in Texas  (ANSA)

Methodistische Kirche: „Trauer über Spaltung“

Die evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland reagiert auf die absehbare Trennung der methodistischen Weltgemeinschaft nicht mit einem bloßen Schulterzucken. „Es ist eine Trauer da über diese Spaltung.“

Das sagte Pressesprecher Klaus Ulrich Ruof an diesem Dienstag im Gespräch mit Radio Vatikan. Er hoffe, dass in einigen Jahrzehnten rückblickend gesagt werde: „Wie konnten wir nur?“ Dennoch mische sich in die Trauer auch etwas „Erleichterung“, weil jetzt die Chance bestehe, „aus dieser Pattsituation“ herauszukommen, so Pastor Ruof.

Anlass der bevorstehenden Spaltung ist der seit Jahrzehnten schwelende Streit über den Umgang mit Homosexuellen. Ein jetzt vorgelegter Kompromiss spricht sich für eine Trennung der beiden Kirchenflügel aus. Diese sei „das beste Mittel, um unsere Differenzen zu lösen“.

„Mit tiefem Schmerz – aber dann lassen wir euch ziehen“

„Einheit ist ein wertvolles Gut – und insofern war es der Wunsch und der Versuch unserer Bischöfe, in dieser Einheit bleiben zu können und Wege zu suchen, die es auch bei auseinanderliegenden Überzeugungen ermöglichen, zusammenzubleiben“, so Ruof im Radio-Vatikan-Interview.

Hier können Sie das ganze Interview hören.

„Die Generalkonferenz im letzten Jahr hat dann aber gezeigt, dass es für etliche in unserer Kirche schwer möglich ist, ihren Weg in dieser versöhnten Verschiedenheit zu sehen. Deswegen ist es sozusagen zur Eskalation gekommen. Wenn es hier Geschwister im Glauben gibt, die anderer Überzeugung sind und die einen eigenen Weg gehen wollen, führt es dazu, dass man sagt: Mit tiefem Schmerz – aber dann lassen wir euch ziehen.“

Den Freikirchen zu kirchlich, den Landeskirchen zu freikirchlich...

Die EMV sei „lange eine US-Kirche mit internationaler Ergänzung“ gewesen. Durch das Wachstum der Kirche vor allem in Afrika seien mittlerweile über vierzig Prozent der Delegierten auf den Generalkonferenzen, dem wichtigsten Entscheidungsgremium der Methodisten, nicht aus den USA. „Insofern hat sich in den Zahlen etwas gewandelt – in der Praxis der Kirche an vielen Stellen aber noch nicht.“ In den USA stellen Methodisten die zweitgrößte protestantische Konfession.

In Deutschland sei die methodistische Kirche „ökumenisch gut vernetzt“, erklärt Ruof. Als Weltkirche fühle sie sich den Katholiken „geschwisterlich sehr verbunden“ und könne „Brückenbauerfunktionen“ zur evangelischen Kirche wahrnehmen. „Auch von den Freikirchen hin zu den Landeskirchen beziehungsweise zur römisch-katholischen Kirche.“ Allerdings säßen die Methodisten manchmal auch zwischen allen Stühlen: „Wir sind den Freikirchen zu kirchlich und den Landeskirchen zu freikirchlich.“

Etwa 80 Millionen Gläubige

Weltweit gehören mehr als 80 Millionen Menschen zu Kirchen methodistischer Prägung. In Deutschland zählt die Evangelisch-Methodistische Kirche 52.000 Gläubige in knapp 500 Gemeinden; sie ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK).

Die methodistische Variante des Christentums entstand in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in England. Kennzeichnend für sie sind die Ausrichtung an der Bibel und die tätige Nächstenliebe.

(radio vatikan – sk)
 

07 Januar 2020, 12:27