Suche

Vatican News
Unser Sonntag Sr. Dr. M. Gabriela Zinkl Unser Sonntag Sr. Dr. M. Gabriela Zinkl 

Unser Sonntag: Umkehr, aber richtig

Johannes der Täufer, darauf verweist Sr. Dr. M. Gabriela Zinkl in ihrem Kommentar für den zweiten Adventssonntag, hatte eine knallharte Botschaft für die Menschen. Sie sollten Frucht hervorbringen, die auch die Umkehr zeigt. Die Borromäerin fragt: Wer hört so etwas schon gern? Und lässt sich auch noch als Schlangenbrut bezeichnen? Doch die notwendige Umkehr beginnt vor der Tür unseres Herzens...

Sr. Dr. M. Gabriela Zinkl SMCB, Jerusalem

2. Advent Mt 3,1-12

Eine der markantesten biblischen Gestalten des Advents ist sicher Johannes der Täufer. Trotzdem hat er es bis heute nicht in die Schaufenster und Regale unserer Supermärkte und Kaufhäuser geschafft, so wie zum Beispiel der heilige Bischof Nikolaus in diesen Tagen. Offenbar eignet er sich nicht so gut als Schokoladenfigur, für andere Arten von Süßwaren oder für geistreiche Getränke.

Unser Sonntag - hier zum Nachhören

Er ist eben der etwas raue Rufer in der Wüste, der ein Gewand aus Kamelhaar mit ledernem Gürtel um die Hüften trägt. Und er ist ein echter Asket, der sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt (vgl. Mt 3,4). Igitt, igitt, mögen sich manche jetzt insgeheim denken. Wie kann man nur? Was für ein seltsamer Heiliger! Den stellt man sich wahrlich nicht als Schokoladenfigur ins Regal oder schenkt ihn weiter.

„Johannes der Täufer hält für seine Zuhörer keinerlei süßliche Worte parat, sondern die knallharte Botschaft: „Kehrt um!“

Johannes der Täufer hält für seine Zuhörer keinerlei süßliche Worte parat, sondern die knallharte Botschaft: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. … Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt“ (Mt 3,2.8). Wer hört so etwas schon gern? Damals, vor über 2000 Jahren, ist genauso wie heute kaum jemand empfänglich für so eine Mahnrede, noch dazu wenn einer sein Publikum als „Ihr Schlangenbrut“ beschimpft (vgl. Mt 3,7). Das entspricht so gar nicht dem, was wir gerne hören wollen – schon dreimal nicht in der Adventszeit, in der heimeligen Stimmung von Christkindl- und Weihnachtsmärkten, zwischen Duftschwaden von Glühwein und heißen Würstchen. Gegen die Klänge von „Süßer die Glocken nie klingen“ würde sich Johannes der Täufer vielleicht gar nicht durchsetzen können und von uns wohl als Freak belächelt und ausgebuht werden!

Die Faszination Johannes des Täufers

Kurioserweise pilgerten die Menschen seiner Zeit scharenweise in die Wüste, um diesen Johannes, mit dem Beinamen „der Täufer“, zu hören und zu sehen. Von ihm muss etwas sehr Anziehendes und Faszinierendes ausgegangen sein, etwas Besonderes, das die Menschen von weither anzog. „Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus“ (vgl. Mt 3,5), berichtet Matthäus. Johannes, der einsame Rufer in der Wüste, machte viele seiner Zeitgenossen neugierig. Und die Neugierde ist ja bekanntlich eines der besten Lockmittel. Sein Lebensstil und seine Worte wirkten so authentisch und überzeugend, dass viele Menschen seine Botschaften und ihr folgten, indem sie ihre Sünden bekannten und sich von ihm taufen ließen, um ein neues Leben zu beginnen (vgl. Mt 3,6).

Nur selten berichten die Evangelien über Äußerlichkeiten

Wenn wir an Johannes den Täufer denken, ist unsere Vorstellung vor allem geprägt von seiner asketischen Lebensform als Prediger in der Wüste. Das macht diese biblische Figur für uns so besonders. Die Evangelien sind in der Schilderung von Äußerlichkeiten, was eine Person als Kleidung trägt, was sie isst oder trinkt, normalerweise zurückhaltend. Deshalb fallen uns diese Hinweise über Johannes umso mehr auf. Wir dürfen annehmen, dass sich damit eine bestimmte Absicht der Evangelien verbindet. Manche Exegeten stufen den Hinweis auf sein Gewand aus Kamelhaar und den ledernen Gürtel als äußerliche Charakteristika für Propheten ein, schon Elija war so gekleidet (vgl. 2 Kön 1,8). Andere sehen darin nicht mehr als die typische Erscheinungsweise eines Wüstenbewohners.

„Johannes der Täufer ist nicht zu denken ohne das Stichwort Wüste“

Bei allen Äußerlichkeiten, Johannes der Täufer ist nicht zu denken ohne das Stichwort „Wüste“. Die damaligen jüdischen Gläubigen lebten in der Erwartung, dass die Rettung des Volkes Israel am Ende der Tage aus der Wüste komme oder sich in ihr offenbare. Im Judentum wie im Christentum ist die Wüste bis heute ein besonderer Ort. Sie steht für Kargheit, Versuchung und Verlassenheit und ist dennoch oder gerade deshalb der Ort der Gegenwart Gottes. Sie steht für die Hoffnung Israels auf Heil, in Erinnerung an die Zeit der Wüstenwanderung. Nicht wenige seiner Zeitgenossen hielten Johannes den Täufer, der in der Wüste lebte und predigte, deshalb für den Messias, den schon seit Generationen erwarteten Retter und Heilsbringer für die Welt. Da nützte es Johannes auch nichts, dass er diese Einschätzung vehement von sich wies: „Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Sandalen auszuziehen“ (Mt 3,11).


Vorläufer für Christus 

Das Auftreten des Johannes als „Rufer in der Wüste“ (Jesaja 40,3; vgl. Mt 3,3) weist ihn als den von Gott gesandten Endzeitpropheten aus. Er ruft uns auf zur „Umkehr“, das heißt zur Kehrtwende, zur Abkehr von unseren bisherigen Irrwegen, Ablenkungen und Sünden. Johannes mahnt die Menschen, ihre Sünden zu bekennen und ihr Leben zu ändern, damit es Früchte trägt (vgl. Mt 3,6.8). „Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt“ (Mt 3,8), predigt er, ähnlich wie nach ihm Jesus: „An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen!“ (Mt 7,20). Johannes erhielt den Beinamen „der Täufer“, weil er viele Menschen im Fluss Jordan taufte. Die Taufe als Übergießen mit lebendigem Wasser im Namen Gottes wusch die Sünden vom Menschen ab. Und diese sichtbare und spürbare Zeichenhandlung half dem Einzelnen, wirklich innerlich umzukehren und sein Leben neu auszurichten auf Gott.Viele unserer eigenen Glaubensbiographien haben mit Personen zu tun, die uns Jesus, den Christus, mit ihrem Leben und ihren Worten glaubhaft vor Augen geführt haben. So ein überzeugender, authentischer Mensch im Lichte Gottes war auch Johannes der Täufer. In der kirchlichen Tradition wird er oft als „Vorläufer“ Jesu Christi bezeichnet. Ein kleines Detail unterstreicht die enge Nähe zwischen beiden: Im Matthäusevangelium beginnt Johannes der Täufer seine Verkündigung mit exakt denselben Worten wie später Jesus: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!“ (vgl. Mt 3,2; 4,17). 

„Er glaubt an Gott und hat von daher die Kraft und einen starken Willen, etwas zu verändern.“

Johannes der Täufer bereitet dieser Botschaft Jesu schon den Weg, er ebnet Ihm die Straßen. Dabei ist Johannes ziemlich radikal. Das meint nicht, dass er fanatisch und hartnäckig wäre – auch wenn er die Pharisäer und Sadduzäer für ihre halbherzigen Taten aufs heftigste verurteilt und sie als „Schlangenbrut“ verflucht (Mt 3,7). Er glaubt an Gott und hat von daher die Kraft und einen starken Willen, etwas zu verändern. Sein Ziel ist nichts Kleineres als die geistliche Erneuerung seines Volkes, eine Umkehr, ein Sinneswandel, wie man das griechische Wort metanoia auch übersetzen könnte, eine Wiederbesinnung auf eine Leben im Dienst Gottes. Johannes der Täufer predigt diese Botschaft radikal und lebt sie radikal, von der Wurzel (lateinisch: radix) her. Von Grund auf sollen sich die Menschen neu ausrichten auf Gott. Dafür reichen keine halbherzigen Beteuerungen, dafür genügt es nicht, die Taufe einfach mal so „mitzunehmen“ als nette Gelegenheit, damit man im Fall der Fälle auf der sicheren Seite steht – diesen Eindruck hatte Johannes wohl von den jüdischen Theologen am Jerusalemer Tempelberg.

...es reicht nicht, die Wohnung aufzuräumen

Damit geht dieses Evangelium des 2. Advents einen Schritt weiter als das vor einer Woche. Am Anfang des Advents steht mein eigenes Bereitwerden für das Kommen des Herrn. Das ist eine innere Einstellung, die sich auch äußerlich zeigt. Der nächste Schritt für die zweite Adventswoche bedeutet, dass ich noch etwas mehr an mir arbeiten muss. Nicht nur ein bisschen verbessern, sondern so richtig! Nicht umsonst wird im Evangelium von Johannes dem Täufer berichtet, dass er als Asket in der Wüste lebte und predigte, mit einfacher Kleidung, mit einfachem Essen. Zusammen mit dem Zitat des Propheten Jesaja, „Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Macht gerade seine Straßen!“ (Jes 40,3; vgl. Mt 3,3), erinnert mich das stark an die Bau- und Straßenarbeiter, die wir oft am Straßenrand sehen.
Wenn wir glauben, dass der Herr kommt, dann reicht es nicht, ihm unsere Herzen und Wohnungen zu öffnen. Wir müssen ihm auch den Weg dorthin freimachen, vor unserer Haustür, vor der Tür unseres eigenen Herzens, und dort aufräumen, wo es uneben ist unserer Umgebung, wo störender Unrat liegt, wo wir wilde Hecken zu unseren Nächsten errichtet haben – um im Bild zu bleiben. Möge Gott uns stärken bei den Wegarbeiten vor unserer eigenen Haustür. Das wünsche ich Ihnen und mir für die kommende Adventswoche.
(vatican news - claudia kaminski)


 

07 Dezember 2019, 11:00