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Es sei nicht in Ordnung, von „Solidargemeinschaft“ der Kirche zu sprechen, wenn es um Missbrauchsfälle geht, so Klaus Mertes Es sei nicht in Ordnung, von „Solidargemeinschaft“ der Kirche zu sprechen, wenn es um Missbrauchsfälle geht, so Klaus Mertes  (©doidam10 - stock.adobe.com)

Missbrauch: Kirche „keine Solidargemeinschaft“

Es sei nicht in Ordnung, von „Solidargemeinschaft“ der Kirche zu sprechen, wenn es um Missbrauchsfälle geht, ist der deutsche Jesuitenpater Klaus Mertes überzeugt. Zwar müssten katholische Gläubige den Ansehensverlust ihrer Kirche mittragen, ihre Kirchensteuer dürfte jedoch nicht dazu verwendet werden, Entschädigungsgeld zu bezahlen, erklärte Mertes in einem Kommentar auf dem Portal „katholisch.de“ am Mittwoch.

„Millionen Katholikinnen und Katholiken ertragen seit Jahren solidarisch den immensen Ansehensverlust ihrer Kirche und auch das Fremdschämen für viel zu viele peinliche Ausrutscher und Fehlleistungen bei der Aufarbeitung der letzten zehn Jahre“, so Mertes. Sie dürften nicht zusätzlich durch Entschädigungszahlungen in Mithaftung genommen werden.

Der Unterschied zwischen Demokratie und Kirche

Anders als in einer demokratischen Gesellschaft, wo Bürgerinnen und Bürger Regierungsfehler durch ihr Wahlverhalten mittragen müssten, weil sie verantwortlich dafür seien „wer sie regiert und wie sie regiert werden“, trage in der katholischen Kirche kein Laie dafür Verantwortung, „wer die Kirche regiert, wer die Bistümer regiert, wer zu Priestern geweiht wird und wer Leitungsfunktionen in der Kirche ausübt.“

„Volle Verantwortung liegt beim leitenden Klerus“

Aus diesem Grund sei es nachvollziehbar, dass Laien aufbegehren, wenn sie in Kollektivhaftung genommen werden.: „Wenn man die Verfassung der Kirche so will, wie sie ist, dann muss man auch bereit sein, die Konsequenz zu tragen – und dann liegt die volle Verantwortung gerade auch für die Haftung beim Klerus, vor allem beim leitenden Klerus.“

Höhe der Entschädigungszahlungen möglicherweise nicht gerechtfertigt

Bei Entschädigungszahlungen in sechsstelliger Höhe sei es unvermeidbar, Kirchensteuergelder in die Hand zu nehmen, so Mertes mit Blick auf den Vorschlag des Trierer Bischofs Stephan Ackermann. Die Arbeitsgruppe zuständiger Bischöfe hätten nicht die Forderungen, aber deren Höhe zurückweisen müssen. Dass sie das nicht getan haben, „war ihr strategischer Fehler, und das fällt ihnen jetzt auf die Füße. Zu Recht“, so Pater Klaus Mertes.

Klaus Mertes ist Direktor des katholischen Kollegs St. Blasien im Schwarzwald. Als Rektor des Canisius-Kollegs löste er Anfang 2010 eine Welle von Aufdeckungen sexuellen und physischen Missbrauchs junger Menschen an kirchlichen Bildungseinrichtungen in Deutschland aus.

 (katholisch.de/vatican news – isc)

14 November 2019, 14:07