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Pater Max Cappabianca Pater Max Cappabianca 

Unser Sonntag - Zum Dreifaltigkeitssonntag

An diesem Sonntag begeht die Kirche den Dreifaltigkeistssonntag - das vielleicht "theologischste aller Feste, die das Kirchenjahr aufzubieten hat," wie ihn Pater Max Capabianca in seiner Sonntagsbetrachtung nennt.

Zum 16. Juni - Dreifaltigkeitssonntag - Joh 16, 12-15

Evangelium (Joh 16,12-15)

Alles, was der Vater hat, ist mein. Der Geist wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Noch vieles habe ich euch zu sagen,
aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit,
wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten.

Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden,
sondern er wird reden, was er hört,
und euch verkünden, was kommen wird.
Er wird mich verherrlichen;
denn er wird von dem, was mein ist, nehmen
und es euch verkünden.
Alles, was der Vater hat, ist mein;
darum habe ich gesagt:
Er nimmt von dem, was mein ist,
und wird es euch verkünden.

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Hier die Betrachtung zum Nachhören

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

An diesem Sonntag feiern wir den Dreifaltigkeitssonntag – sicher das „theologischste“ aller Feste, die das Kirchenjahr zu bieten hat. Worum es da geht, ist aber nicht leicht zu verstehen, denn weder gibt es in den Evangelien eine Stelle, in der klipp und klar von der Dreifaltigkeit die Rede wäre, noch kann man Dreifaltigkeit logisch beweisen – im Gegenteil: Sie verlangt dem Denken einiges ab!

Die „Sonderheit in den Personen“

Sie glauben das nicht? Dann zitiere ich Ihnen mal die Präfation vom heutigen Festtag. Das ist das Gebet, das unmittelbar vor dem „Heilig“ gesprochen wird: „Wir beten an im Lobpreis des wahren und ewigen Gottes die Sonderheit in den Personen, die Einheit im Wesen und die gleiche Fülle in der Herrlichkeit.“

Alles klar? Wissen Sie, was die Sonderheit in den Personen ist? Oder die Einheit im Wesen? Falls Sie’s nicht wissen: Machen Sie sich keine Sorgen. In diesen Formulierungen spiegeln sich Debatten von Jahrhunderten wider, die für uns heute unverständlich sind, weil wir in einer anderen Zeit leben und andere Fragen haben als die Menschen damals. Das heißt aber nicht, dass die Fragen dahinter nicht doch eine Bedeutung für uns hätten.

Und so möchte ich Sie heute einladen zu einem kleinen theologischen Spaziergang durch die Trinität, wie die Dreifaltigkeit in der Fachsprache heißt. Und ich hoffe, dass Sie dann genauso begeistert von unserm christlichen Gottesbild sind wie ich es bin – denn schöner kann man Gottes Zuwendung zu uns Menschen nicht denken und feiern.

Gott der Vater

Beginnen wir bei Gott dem Vater und nehmen wir dazu einen Text zu Hilfe, der zu meinen allerliebsten zählt und auch zutiefst theologisch ist: Die Präfation von Weihnachten. Da heißt es: „Fleisch geworden ist das Wort… In der sichtbaren Gestalt des Erlösers lässt du uns den unsichtbaren Gott erkennen, um in uns die Liebe zu entflammen zu dem, was kein Auge geschaut hat.“

Der unsichtbare Gott: Tatsächlich ist das das Entscheidende! Gott ist nicht von dieser Welt. Er ist transzendent, wie die Philosophen sagen; und immer, wenn man denkt, man wisse, wer Gott ist, kann man sicher sein, dass man auf dem Holzweg ist. Schon die antiken Philosophen kritisierten, dass die Menschen sich Gottesbilder machten nach ihren eigenen Vorstellungen: „Äthiopier sagen, ihre Götter seien breitnasig und schwarz, Thraker, (sie seien) blauäugig und rothaarig“ spottete schon Xenophanes vor 2500 Jahren!

Es ist also wichtig, die Andersheit Gottes nicht gering zu schätzen. Gott ist niemals „zuhanden“. Gerade unsere abrahamitischen Schwesterreligionen Judentum und Islam haben diesen Aspekt unseres Gottesbildes stets hochgehalten. Die Juden sprachen den Gottesnamen nur einmal im Jahr aus; und die Muslime betonen in ihrer Theologie ebenfalls die absolute Transzendenz Gottes.

Es gibt auch eine christliche Denkströmung, die hier einen Schwerpunkt setzt und die man „negative Theologie“ nennt: Ihr geht es keineswegs darum, den Glauben an Gott zu verneinen; sondern dieses Denken bemüht sich, Einspruch zu erheben, wenn jemand behauptet zu wissen, wer Gott sei. Wir müssen ehrfürchtig bleiben vor dem Unsagbaren!

Gott wird Mensch

Doch kehren wir zurück zum Text der Präfation von Weihnachten. Da heißt es: „in der sichtbaren Gestalt des Erlösers lässt du uns den unsichtbaren Gott erkennen.“ Und es wird auch gleich der Grund angegeben, warum Gott dies getan hat: „um in uns die Liebe zu entflammen zu dem, was kein Auge geschaut hat.“

So trocken die Worte klingen, so kühn ist das Gemeinte! Indem Gott Mensch wird, er also „sichtbare Gestalt“ wird, lässt Gott uns das Unsichtbare erkennen. Jesus ist also die Gestalt Gottes, die Weise, wie der/die/das ganz Andere sich uns zu erkennen gibt.

Das Paradox wird dann im zweiten Teil des Satzes auf die Spitze getrieben: Gott hat dies getan, ist Mensch geworden, „um in uns die Liebe zu entflammen“ – aber nicht zu irgendwem oder irgendwas, sondern „zu dem, was kein Auge geschaut hat.“

Wenn man sich das genau überlegt, dann geht das eigentlich gar nicht. Wie kann man in Liebe entflammen zu etwas, was man nicht sehen kann, ohne sich dem Verdacht auszusetzen, Wahnvorstellungen zu haben?

Jesus Christus als Offenbarung Gottes

Man kann! … wenn man immer mehr eindringt in das Geheimnis unserer christlichen Gottesvorstellung! Wenn man den unsichtbaren Gott erkennen will, muss man sich Jesus vor Augen halten. Deswegen nennen wir die Bibel Gottes Wort, denn in jeder Begebenheit, die das Neue Testament über Jesus erzählt, spricht sich Gott aus und offenbart sich eine weitere Seite jener transzendenten, unsichtbaren Wirklichkeit.

In den Evangelien sehen wir einen vielschichtigen Jesus. Mal ist er sanft, dann wieder zornig; mal heilt er und treibt Dämonen aus, dann wieder ist auch er machtlos… Wenn das aber so ist: Was heißt das für unser Gottesbild?

Auf die Spitze getrieben wird diese Frage angesichts des Schicksal Jesu: Jesus stirbt am Kreuz! Heißt das, dass Gott am Kreuz stirbt? Wenn das so wäre, was bedeutet das für unser Gottesbild? Oder stirbt Jesus nicht wirklich? Was wäre dann die Erlösung wert? Darüber haben sich zahllose Theologen über die Jahrhunderte den Kopf zerbrochen, und es gibt keine einfachen oder gar „logischen“ Antworten auf diese Fragen! Entscheidend ist, dass wir nur dann verstehen können, wer Gott der Vater ist, wenn wir auf Jesus Christus schauen, ja noch viel wichtiger: Ihm begegnen!

Ich und der Vater sind eins

In den Abschiedsreden Jesu im Johannesevangelium gibt es im 14. Kapitel eine Passage, in der dieses besondere Verhältnis zwischen Vater und Sohn ausdrücklich angesprochen wird:

„Jesus sagte: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.“

„Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ Das ist der Kern unseres Gottesbildes, und man merkt Jesus richtig die Enttäuschung an, als Philippus eigentlich ganz unschuldig fragt „Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns!“ Jesus muss ihm klarmachen, dass er schon längst Gott den Vater gesehen hat, nämlich in ihm selbst, in Jesus, seinem Gegenüber und Freund!

Der Heilige Geist

Wir haben nun den einen Schenkel des Dreiecks der Dreifaltigkeit betrachtet: Nämlich das Verhältnis von Vater und Sohn zueinander! Aber es gibt noch einen anderen wichtigen Aspekt, um das Dreieck zu schließen, und hier genau kommt der Heilige Geist ins Spiel.

Denn die Frage ist, wie können wir heute Gott den Vater erkennen, wenn doch Jesus nicht mehr auf dieser Welt ist? Die Apostel waren tatsächlich uns gegenüber im Vorteil, denn sie haben Jesus persönlich und leibhaftig erlebt und Gott geschaut – auch wenn sie es nicht immer erfasst zu haben scheinen. Nach der Himmelfahrt Jesu war die Situation eine gänzlich andere! Jesus war zum Vater heimgekehrt. Wenn er nicht mehr da ist, wie können wir heute Jesus begegnen und den Vater erkennen?

Das heutige Tagesevangelium bietet dafür einen Schlüssel. Jesus sagt in seiner Abschiedsrede: „Alles, was der Vater hat, ist mein. Der Geist wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten.“

Der „Geist der Wahrheit“ wird also von Jesus gesandt, um „euch zu verkünden … was mein ist.“ Jesus schreibt diesem Geist also eine ganz bestimmte Funktion zu: Er führt in die Gemeinschaft mit ihm selbst, und damit mit Gott!

Die christliche Theologie hat darin ein drittes Element innerhalb Gottes erkannt, neben dem Vater und dem Sohn: den Heiligen Geist! Was im Neuen Testament vielfach angelegt ist, wird nun explizit, und es entwickelt sich früh die Vorstellung eines dreifaltigen Gottes!

Diese Grundwahrheit wird von allen christlichen Konfessionen geteilt. Alle taufen im „Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“!

Und genau wie für unsern Glauben der Vater und der Sohn unverzichtbar sind, genauso zentral ist die Bedeutung des Heiligen Geistes! Wir glauben, dass es ein Werk des Heiligen Geistes ist, wenn wir heute Christus begegnen: In der Schriftlesung, im Gebet, in der Liturgie, im Nächsten und in den Armen. Ohne den Heiligen Geist gibt es keine Gemeinschaft mit Christus und ohne Gemeinschaft mit Christus gibt es kein Weg zu Gott.

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

das waren jetzt ganz schöne Höhenflüge! Die christliche Tradition hat es aber vermocht, diese komplizierten Dinge in ganz einfacher Weise auf den Punkt zu bringen: Und zwar im Kreuzzeichen!

Wenn wir das Kreuzzeichen schlagen: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ ist diese Geste nicht nur eine Erinnerung an das Kreuz, an dem Christus gestorben ist, sondern auch an die drei göttlichen Personen, die christlich gesehen der eine Gott sind! Wenn Sie also das nächste Mal ein Kreuzzeichen machen, dann denken Sie an den Vater im Himmel, den kein Auge je gesehen hat, und an den Sohn und Erlöser, der uns Kunde von Gott gebracht und an den Heiligen Geist, der der Grund ist, warum wir heute noch in Gemeinschaft mit Gott treten können.

(vatican news)

15 Juni 2019, 08:10